Minami no Niji no Lucy (1982)

南の虹のルーシー

German Rezensionen – Lucy in Australien

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Avatar: AsaneCookie Collector#1
Wie man an den Bewertungen leicht erkennt, erfreuen sich die WMT-Serien [WP] nicht gerade übermäßig großen Zuspruchs. Ausgenommen vielleicht »Heidi«, dem inoffizellen ersten Beitrag dieser Art, der quasi den Stein ins Rollen brachte für die WMT-Shows insgesamt.

Hinzu kommt erschwerend der Umstand, daß hinsichtlich dessen, was als "World Masterpiece" anzusehen sei, öfters recht merkwürdige Ansichten vorherrschen. Das, plus die Screenshots, die einen kindgerechten Wohlfühlanime auf Grundlage der Freundschaft eines Mädchens mit der knuddeligen Fauna des gesamten australischen Kontinents befürchten ließen, hat dann dazu geführt, daß ich den Anime viele Jahre lang links liegen gelassen habe.

Das war ein Fehler. Ich konnte falscher nicht liegen. Obwohl meine getroffene Einschätzung durchaus zutrifft, habe ich mich in der vermuteten Qualität dieser Serie gründlich getäuscht. Schon die Einstiegsfolge, oft die Schwachstelle solcher Serien, ist überraschend frei von Tropen. Das hält der Anime auf hohem Niveau auch bis zum Schluss durch. Auch die Animationsqualität ist sehr ansprechend, die der Hintergründe sowieso, aber auch was die Bewegungen und das Charakterdesign angeht.

Hinsichtlich des Personals hat man eigentlich das Übliche: die liebenswerte Großfamilie, als Protagonisten die Schwestern Kate und Lucy (vlnr), die jedes empfängliche Herz höher schlagen lassen, ansonsten die Guten, die gütig sind, die Bösen, die sich bissig gerieren, und auch die Clowns kommen nicht zu kurz. Wie so oft, fällt auch hier das Acting der erwachsenen Personen unangenehm hölzern aus; sie wirken WMT-typisch indifferent und verhalten sich über Gebühr passiv. Das reißen die beiden unzertrennlichen Schwestern aber wieder raus, und zwar mit links! Hier darf man endlich mal lebensechte Charaktere genießen, deren Verhalten in dieser dramatischen Lebenssituation sehr glaubwürdig und feinfühlig eingefangen worden ist. Das in vielen Fällen behutsame Pacing, welches emotionale wie stille Momente tiefer nachklingen lässt, tut da sicherlich das Seinige dazu.

Im Mittelpunkt der Serie steht fraglos die kleine Lucy-May, zu Beginn des Animes sechs Jahre alt und ein lebhaftes Kind mit unkonventionellen Ansichten. Ein kleiner Wildfang, als der sie am liebsten alle Viecher dieser Umgebung mitnehmen und sie mit ihrer unerschöpflichen Liebe überschütten möchte. So spielt sie auch recht gern mit Raupen und Tausendfüßlern und avanciert bald zu den weltbesten Baumkletterern. Inklusive Pantyshot. Grundsätzlich unerschrocken und endlos neugierig ("curiosity killed the cat"), bringt sie sich dadurch immer wieder in heikle Situationen, handelt meist aber instinktiv richtig. Was seitens der Regie und des Skripts auch eindrucksvoll vermittelt wird. Dazuhin glänzt sie mit ihrer eigenwilligen Logik, zum Beispiel beim Rechnen.

Erzählt werden die Geschichten jedoch aus der Perspektive der vier Jahre älteren Schwester Kate, die in ihrer Rolle als Aufpasser alle Hände voll zu tun hat, ihren Schützling vor dem Gröbsten zu bewahren. Wie das eben so ist, zoffen sie sich ziemlich oft (Kate kann als die deutlich Ältere nunmal eher die Konsequenten von Lucys Spontanaktionen einschätzen), halten aber dennoch zusammen wie Pech und Schwefel: wo die eine ist, kann die andere nicht weit sein. Auch wenn Kate die eher Besonnene ist, kennt sie keine Scheu vor Fremden. Zumindest Fremde gleichen Alters, wie bei den verschiedentlich auftretenden N-Wörtern, wo die Verständigung eher holprig verläuft. Schließlich sprechen die dürftig bekleideten Ureinwohner Indigenen nur Aboriginesisch.

Diese Serie verläuft durchgehend und, zumindest für mich, überraschend frei von Drama und ähnlichen forcierten Erzählelementen. Das was episodenseitig als hochdramatisch bis tragisch deklariert wird, ist im Grunde nicht der Rede wert. So kommt man also in den Genuss eines charakterzentrierten Animes mit hohem "Slice of Life"-Faktor und eines Schwesternpaares, dem man endlos lange bei ihrem doing cute things zuschauen könnte. Quasi als Beifang erhält man allerhand Erkenntnisse und Einblicke in die Welt von damals, inklusive mancher abstrusen bis unfreiwillig komischen goofs wie dem erstaunlichen Fassungsvermögen von Ziegeneutern (ecchi!) und dem Umstand, daß im wilden Wald Brennholz stets in handlich zugeschnittener Form zu finden ist.

Die Handlung spielt im Jahre 1837, als die ersten Ansiedler nach Australien kommen, und daher hat die künftige Metropole Adelaide noch nicht ganz das Flair und den Glanz heutiger Tage. Als Einstimmung zwei zeitgenössische Stadtansichten.

Fazit:
Hiroshi Saitou als Experte für Sekai Meisaku Gekijou und andere langlebige Kinderserien hat hier ausgezeichnete Arbeit abgeliefert mit einer Serie, in der die stillen Momente fast mehr beeindrucken als die lebhaften. Es sind die kleinen Gesten und Bewegungen, die gut beobachteten Reaktionen der Kinder, die den Anime so liebenswert machen und echt erscheinen lassen. Und der weniger auf Drama setzt denn auf herzerwärmende Geschichten – zumindest für kleine Herzen. Die auf dem Cover abgebildete innige Verbindung von kleinem Mensch und kleinem Tier kann man dagegen gern als fromme Lüge einordnen. Oder, modern gesprochen, als clickbait. Denn die enge, vertrauliche Verbindung zu einem Koala als lebendem Eukalyptus-Duftbäumchen währt in der Serie selber keine fünf Minuten.
Post was last edited on 22.05.2026 08:39.
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