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Reviews

Rezensionen – Fragtime

Avatar: Acuros
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#1
»Fragtime« dürfte so manche Zuschauererwartung nicht erfüllt haben.
Einerseits ist der Film mit dem Tag »Girl’s Love« markiert. Es entwickelt sich sehr wohl eine Liebesbeziehung, aber sie ist weder das zentrale Element noch wird sie als etwas Besonderes oder gar Verbotenes dargestellt – den Appetit der meisten Yuri-Heißhungrigen (davon will ich mich gar nicht komplett ausnehmen) dürfte das jedenfalls nicht gestillt haben. Andererseits ist das Erzähltempo aufgrund der kurzen Laufzeit relativ hoch, die Detaildichte um so mehr – es wird vom Zuschauer eine gewisse Aufmerksamkeit verlangt. Damit erfüllt sich auch nicht die Hoffnung, hier eine tiefenentspannte Stunde verbringen zu können.

Der Film beginnt mit einem Symbol für das unaufhaltsame Voranschreiten der Zeit: dem Ticken einer Uhr. Eine Stimme setzt ein; kurz darauf verstummt das Ticken. Diese Stimme gehört Misuzu Moritani, die aus unerfindlichen Gründen die Zeit für drei Minuten anhalten kann und damit gern unangenehmen Situationen entkommt. Als sie eine Schnapsidee – nennen wir sie mal »Höschenspionage« – in die Tat umsetzt, muss sie entgeistert feststellen, dass das Ziel der Aktion, die hübsche Haruka Murakami, gegen ihre Gabe gänzlich immun ist.

»That’s just a momentary dream« – Harukas erste Worte an Misuzu sind eine passende Beschreibung für das entstehende Verhältnis der beiden Protagonistinnen, dreht es sich doch stark um die angehaltene Zeit – die Zeit, in der sie ihren selbst gebauten Käfigen entkommen und teilweise so sein können, wie sie es insgeheim gern wären (vor allem Haruka). Doch wie auch Träume, finden diese Momente ihr Ende und die Normalität holt die zwei wieder ein. Misuzu stellt Haruka und die gemeinsamen Eskapaden mehr und mehr in Frage und macht Stück für Stück eine merkliche Entwicklung durch. Bei Haruka ist diese wesentlich diffuser und zeigt sich erst gegen Ende deutlich, weil sie zu einem guten Teil auf einer bestimmten Erkenntnis beruht.

Der Film strotzt vor Symbolik und dürfte gerade für Freunde der Interpretation ein Fest sein – ich kann selbst nach zweimaligem Anschauen nicht behaupten, alles aufgeschnappt zu haben. Jedoch habe ich den Eindruck, dass die Namen kein Zufall sind; die Nachnamen beschreiben zum Beispiel den Ersteindruck, den die zwei Figuren vermitteln: Misuzu findet allein den Gedanken daran, es allen recht zu machen, so unangenehm, dass sie sich oft lieber zurückzieht – passend also »moritani«, was man frei mit »bewaldetes Tal« (ein unzugänglicher Rückzugsort) übersetzen könnte. Haruka wirkt freundlich, höflich und aufgeschlossen. Der Schein trügt natürlich, denn letztendlich ist sie sehr darum bemüht, bei allen gut anzukommen. Entsprechend passt die Kombination aus »mura« (Dorf) und »kami« (sinngemäß »oben«), denn dank ihrer Fassade ist sie in der begrenzten Gemeinschaft zwar (scheinbar) oben auf, doch an der Spitze ist es einsam.

Bei den Vornamen handelt es sich nur um blanke Spekulation meinerseits, aber z. B. »suzu« steht für »Glöckchen« – ein Gegenstand, der wie Misuzu nicht viel Aufmerksamkeit erregt und zudem auch als Spielzeug taugt. Zu Beginn scheint Misuzu genau das für Haruka zu sein: ein Werkzeug für die eigene Unterhaltung. »haruka« ergibt »weit entfernt« – für eine ganze Weile wirkt Haruka für Misuzu nicht nur distanziert, sondern regelrecht unerreichbar. Aber rein klanglich haben mich die Vornamen an zwei recht bekannte Wörter erinnert: Wasser (»mizu«) und Frühling (»haru«), eine Umschreibung für das regelrecht symbiotische Verhältnis der beiden: Die Wärme des Frühlings lässt gefrorenes Wasser tauen und bringt es wieder zum Fließen; so gesehen Misuzus persönliches Zeitgefühl, das durch ihren ständigen Rückzug nahezu stehen geblieben ist. Und ohne Wasser kann im Frühling nichts richtig gedeihen. Erst als Misuzu dafür sorgt, dass Harukas Fassade zunehmend aufweicht, fängt diese an, ihre Persönlichkeit zu zeigen – im übertragenen Sinne also zu erblühen.

Der Film konzentriert sich fast ausschließlich auf seine zwei Hauptfiguren; der Rest ist lediglich Mittel zum Zweck. Die einzige Ausnahme ist Yukari, eine Mitschülerin von Misuzu und Haruka. Sie dient an manchen Stellen als Triebfeder für Misuzu und erhält leider nicht die gleiche Tiefe; bis auf ihre Vorlieben für Tischtennis und vor allem Mangas erfährt man kaum etwas über sie. Das ist ein bisschen schade, denn ihr Charakter ist relativ sympathisch – insbesondere ein späterer Dialog zwischen ihr und Misuzu war für mich ein angenehmer Kontrast zum eher ernsten Verlauf.

»I wish that this time would go on longer« – das Filmzitat ist nicht nur mein (vergeblicher) Wunsch an den Anime, sondern auch Kritik daran: An einigen Stellen hat man sich die Zeit genommen, die Szenerie wirken zu lassen, aber so manche Szene wird eilig abgehandelt oder wirkt durch abrupte Überblendung zur nächsten irgendwie unvollständig – bei einem Film mit eher ruhigem Grundton stört so etwas eher.
Eine späte Szene fällt stimmungsmäßig schon fast aus dem Rahmen, weil sie abrupt kommt und unverhältnismäßig dramatisch ist. Sie wäre in der Form auch gar nicht nötig gewesen, denn eine simple Verweigerungshaltung von Misuzu bezüglich ihrer Gabe hätte vermutlich genauso zur (schön inszenierten) Auflösung überleiten können.
Außerdem leistet man sich nicht nur hier, sondern auch bei zwei weiteren Szenen einen Schnitzer: Zeitreise ist hinsichtlich Konsistenz schon kein leichtes Thema, aber Zeitstillstand ist noch problematischer, weil sich die davon betroffenen Figuren niemals zum plötzlichen Bewegen oder Verschwinden einer Figur äußern sollten – ärgerlicherweise passiert genau das, obwohl es in keinem der drei Fälle nötig gewesen wäre.

Passend zur ruhigen Erzählweise kommen viele Abschnitte des Films ohne Musikuntermalung aus, ansonsten gibt es, vom seichten J-Pop des Abspanns mal abgesehen, überwiegend Piano- und Streichertöne zu hören. Optisch ist der Film etwas inkonsistent: Dass Charaktermodelle bei zunehmender Distanz schnell gröber werden, ist nichts Neues, aber es wirkt seltsam, wenn man Sachen wie Blumenkübel fast schon schludrig zeichnet, bei so mancher Umgebung aber wesentlich mehr Aufwand betreibt – ein »Highlight« sind Bäume mit detailliertem Stamm, aber verwaschen wirkender Krone; einen künstlerischen Wert konnte ich darin nicht erkennen.
Bei den Synchronsprechern erspare ich mir die üblichen Psalme bezüglich Kompetenz und sage einfach, dass gerade die zwei Protagonistinnen passend vertont sind – vor allem die Stimme von Haruka hat mir gut gefallen.

Fazit:
Der Film mag nicht fehlerfrei sein, aber dafür einfallsreich – spätestens wenn Misuzu am Ende über ihre veränderte Lebenseinstellung sinniert, parallel dazu zwei Vögel gemeinsam durch die Lüfte fliegen und das kurz darauf einsetzende Abspannlied gemeinsam von den Synchronsprecherinnen der Hauptfiguren gesungen wird, dürfte man merken, dass der Anime nicht nur durchdacht ist, sondern auch künstlerischen Wert besitzt. Ironischerweise kann man selbst die kurze Laufzeit symbolisch betrachten: Man muss die Zeit, die einem gegeben wurde, bestmöglich nutzen.

Update 22.10.2020: Nach einem dankenswerten Hinweis zu Fehlern bei der Namensdeutung habe ich die zwei Abschnitte korrigiert und überarbeitet. Ansonsten zwei Fehlerchen entsorgt – selbstverständlich in die Fehlertonne.
Update 24.10.2020: Absatz über Vornamen nochmal ein bisschen ausgebessert
Post was last edited on 24.10.2020 um 07:57.
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Rezensionen – Goblin Slayer: Goblin’s Crown

Avatar: Acuros
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#2
»Goblin Slayer: Goblin’s Crown« wurde zweifaches Opfer der Geldgier.
Der Film wurde fürs japanische Ausland mit 25 Minuten Rückblick auf »Goblin Slayer« aufgestockt. Der ist im Gegensatz zu dieser ominösen Bonusfolge immerhin vollständig und war für mich eine praktische und vor allem freiwillige Auffrischung. Für Kinobesucher, die zur Einstimmung gleich die ganze Serie angeschaut haben, ist das natürlich die blanke Enttäuschung.
Und dann hat man noch den gesamten fünften Band der Light-Novel in eine Stunde gestopft. Zum Vergleich: Die TV-Serie setzte in über vier Stunden die ersten beiden Bände um.

Der Beginn hat mir noch ganz gut gefallen: Eine Abenteurergruppe meuchelt souverän eine Horde Goblins, doch kurz darauf verliert sich ihre Spur. Das bringt Goblin Slayer und seine Verbündeten ins Spiel, die in einem Dorf nahe des Kampfplatzes dem Verschwinden nachgehen wollen; konkret lautet der Auftrag, die Anführerin der Gruppe zu finden. Aber weil die Anreise weit war und man zur Begrüßung auch noch einen Schwung Goblins zu Klump hauen musste, gibt’s erst mal eine Rast samt Besuch einer heißen Quelle – allerdings nur durch die Priesterin und die Hochelfin. Statt unpassendem Fanservice zu zeigen, vertieft man erfreulicherweise deren Beziehung ein wenig; die wurde zuvor nur spärlich behandelt. Auch die eigentliche Suche bietet so manch lockere Unterhaltung – davon ausgenommen Goblin Slayer, der für Amüsement im Dienst immer noch nicht zu haben ist.

Da es natürlich nicht nur um die Suche geht, findet man die Vermisste schon bald – eine junge Schwertkämpferin, die in der Vorlage einfach Noble Fencer genannt wird. Der Zuschauer erfährt durch Rückblicke zwar, wie sie dahin gekommen ist, bei den Erlebnissen danach fasst man sich jedoch erstaunlich kurz, sodass nicht ganz klar wird, wie schlimm es ihr wirklich ergangen ist. Trotz ihrer Relevanz bleibt Noble Fencer insgesamt recht blass: Dass ihr anfänglicher Optimismus verflogen ist, dürfte keine Überraschung sein, aber ihr jetziges Verhalten ist meistens eine unsympathische Mischung aus dezenter Verbitterung, stillem Geschmolle und abrupten Ausrastern – eine Mischung, die aufgesetzt wirkt. Man gibt sich nicht wirklich die Mühe, sie zu beleuchten, wodurch man als Zuschauer kaum Bezug aufbauen kann.

Dafür fehlt allerdings auch die Zeit, denn das Geschehen wechselt alsbald zu einer Festung und leitet damit den zweiten Abschnitt ein, der mehr als die Hälfte des Films einnimmt. Schon bei dessen Beginn fragte ich mich: Warum wurde die Entführte nicht einfach mitgenommen? Man hatte ja offenbar Pläne mit ihr, ließ sie aber mit 17 lumpigen Goblins als Bewachung zurück. Leider habe ich nahezu nichts über diesen Plan erfahren; eine Antwort auf meine Frage gab’s erst recht nicht.
Stattdessen geht es eigentlich nur noch um zwei zentrale Punkte: Das Eindringen in die Festung und der Umgang mit den Goblin-Horden sowie dem Anführer, einem angeblich mächtigen Goblin-Paladin.
Die Infiltration hat mir noch ganz gut gefallen, aber die Ereignisse danach waren eher langweilig, obwohl sie auf dem Papier vermutlich ganz turbulent klingen. Schuld daran ist die eher spannungsarme Inszenierung; so hatte ich bei einer Verfolgungsjagd den Eindruck, dass die Goblins diese nicht mal wirklich ernst nehmen.
Das Finale reißt es nicht raus: Es ist durchaus reißerisch inszeniert, aber eben nicht mitreißend. Das gilt leider auch für den letzten Kampf, den man aber wenigstens als solchen bezeichnen kann – im zweiten Abschnitt gab’s sonst nur kurze Scharmützel.

Der Film besitzt wie die TV-Serie einen ordentlichen Zeichenstil und arbeitet auf Seiten der Atmosphäre wunderbar mit Licht, Schatten und Farbtönen (besonders in der Festung). Da es ist schon ärgerlich, dass die Animationen nicht gerade flüssig sind – ein Umstand, der die Actionszenen zusätzlich abwertet. Immerhin bleibt man weitestgehend von Standbildern und Speedlines verschont. Der Soundtrack ist oft präsent und passt auch zum Geschehen, hinterließ aber wenig Eindruck bei mir – so wenig, dass ich mir mitten im Schreibprozess nicht mal mehr sicher war, ob es im Film überhaupt Musik gibt.

Fazit:
Trotz all der Kritik ist das Ergebnis jetzt nicht wirklich schlecht, denn es vermag schon zu unterhalten, aber die TV-Serie war einfach besser. Im Film scheint nämlich nicht nur weniger Geld, sondern auch weniger Herzblut zu stecken.

Update 15.10.2020: Logikfehler ausgebessert, somit ein paar Formulierung leicht angepasst
Update 22.10.2020: Eine ganz schaurige Fehlerleiche begraben
Post was last edited on 22.10.2020 um 13:45.
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Rezensionen – Bishoujo Senshi Sailor Moon Crystal: Death Busters-hen

Avatar: Acuros
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#3
»Sailor Moon Crystal: Death Busters-hen« hatte mich aufgrund seiner Durchschnittswertung neugierig gemacht, also schaute ich mir »Sailor Moon Crystal« an – mit zunehmender Mühe. Die Hoffnung, dass der Nachfolger mich dafür entschädigt, erwies sich auch noch als vergebens: Die Staffel wurde immer mehr zum Debakel und hat den Vorgänger insgesamt sogar unterboten – jedenfalls erzählerisch, denn technisch gesehen leistet man hier etwas bessere Arbeit: Der Zeichenstil ist in der Summe sauberer als beim Vorgänger, wo man sich doch einige Schluderei geleistet hatte, und das Animationslevel ist an manchen Stellen gar nicht übel. Etliche Musikstücke verwendet man wieder, erweitert das Repertoire aber unter anderem um ein paar rockige Klänge, die für ein bisschen Abwechslung sorgen.

Nach ein paar einleitenden Worten inklusive dunklen Vorahnungen gibt es erst mal Alltagsleben, das jedoch so wirkt, als wurde straff eine Checkliste abgearbeitet: Man stellt bekannte Figuren nochmals vor, geht knapp auf das Liebesverhältnis von Usagi und Mamoru ein und macht noch ein paar Andeutungen zu den Ereignissen der letzten Staffel. Die Inszenierung wirkt hektisch, etwas kitschig und auch ziemlich glatt gebügelt – insbesondere jede Musikuntermalung sitzt so passgenau, dass ich mir schon manipuliert vorkam.

Noch in der ersten Folge bringt man Haruka und Michiru ins Spiel. Die sind berühmt, erfolgreich und vor allem betont geheimnisvoll auch wenn der aufmerksame Zuschauer deren »Nebentätigkeit« gleich erraten wird. Haruka kleidet sich nicht nur wie ein Kerl, sie wird auch von vielen dafür gehalten. Beim ersten Besuch der üblichen Spielhalle bringt sie schon fast beiläufig die Herzen von Usagi, Makoto und Minako zum Klopfen und gibt sich auch sonst ziemlich lässig. Michiru ist deutlich reservierter und lässt bei ihrer »zufälligen« Begegnung mit Mamoru nur ein paar mysteriöse Anmerkungen fallen. Den Anlass des Besuchs kann man sich zwar zusammenreimen, darüber hinaus bleiben die beiden für alle Beteiligten erst mal rätselhaft.

Anschließend verdirbt man den Ersteindruck auch noch: Erst geben sich die zwei abweisend bis feindlich, helfen dann plötzlich doch, nur um sich sich gleich wieder wie Eisblöcke aufzuführen. Es fiel mir schwer, die beiden sympathisch oder gar nachvollziehbar zu finden, weil das mehrfach passierte. Hinzu kommt, dass die eingestreuten Yuri-Elemente im Sand verlaufen und die Annäherungsversuche von Haruka bei Usagi keinen wirklichen Sinn ergeben.
Für das Hin und Her gibt es zwar eine Begründung, aber die ist ziemlich fadenscheinig – genauso wie die Hintergrundgeschichte, die auch eine erhebliche Logiklücke besitzt: Haruka und Michiru (und mittlerweile eine Dritte) erklären, wie bei ihrem letzten Zusammentreffen die Verdammnis beschworen wurde. Dass während der Erzählung die beschriebenen Voraussetzungen allesamt offensichtlich (und schon zum zweiten Mal) erfüllt sind, hat wohl weder die Manga-Autorin noch das Animationsstudio interessiert – ein Wagnis, denn die wenigsten Zuschauer mögen es, wenn man sie für dumm verkauft.

Die größten Schwächen sind aber (wieder) die Finsterlinge und die Auseinandersetzungen mit ihnen. Der Umstand, dass sie Außerirdische sind, wird weit weniger tief behandelt als erhofft, während die Motivation für den Namen »Death Busters« wohl eher klanglicher Natur ist. Deren Anführer könnte glatt der Bruder von Metaria sein, weil auch er oft große Reden schwingt, die eigentliche Arbeit aber lieber an seine Untergebene Kaorinite abgibt. Die fühlt sich zuhause so wohl wie einst Beryl und Prince Demand und schickt lieber ihre Schergen ins Rennen. Schade, dass ich den Spruch übers Delegieren schon in meiner letzten Rezension verbraten habe …

Die Kämpfe sind insgesamt arm an Überraschungen, auch wenn die ersten ein wenig aus der Reihe tanzen – der zweite Kampf wirkt fast strategisch: Neben Ausweichmanövern, Vernebelung und Beschuss wird der Gegner sogar gefesselt und kurzzeitig durch Blitze betäubt. Selbst die Inszenierung ist dynamischer als sonst – bis Sailor Moon den Tag rettet. Ihre vorherigen Techniken waren schon seltsam, aber ein großes, rosafarbenes, rotierendes Herz, das den Gegner in einem Nebel aus Glitzer auflöst, ist schon etwas … speziell. Leider begnügt man sich auch danach mit längst abgenutzten Mustern: Ewig gleich inszenierte Angriffe, gerufene Attackennamen und natürlich die Verwandlungsszenen, mit denen vor allem zu Beginn ordentlich Strecke gemacht wird – wirkt ziemlich bekannt, nicht wahr? Es hilft leider nicht, dass die Gegner zunehmend stärker werden und nicht nur Sailor Moon für Ruhe im Karton sorgt.

Als ein Gegner dann doch mal zu mächtig ist, geschieht das obligatorische Wunder, dessen Inszenierung meine Kitsch-Toleranz ordentlich herausgefordert hat. Das wenig später beginnende Finale ist kaum besser: Es trägt (wieder) musikalisch so richtig dick auf und bietet noch mehr Kitsch, erzwungenes Drama und platte Dialoge – vor allem letzteres. Besonders ärgerlich ist, dass sich die Angelegenheit in die Länge zieht und damit Zeit verbraucht, die an anderer Stelle besser aufgehoben wäre – zum Beispiel bei der Darstellung von Hotaru. Sie hat mir in dieser Staffel mit am besten gefallen, ebenso wie ihr Verhältnis zu Chibiusa, die ein gutes Stück angenehmer geworden ist. Leider hat man von all dem (teilweise handlungsbedingt) nicht viel – jammerschade in meinen Augen.
Es gibt vorm Finale noch mehr Alltagsszenen. Von denen sind manche gelungen (die über Chibiusas Schulprojekt hat mir gut gefallen), aber etliche wirken einfach wie der Aufbau einer Bühne für die dunklen Schergen, damit sie einen weiteren teuflischen Plan umsetzen können – sprich: Mittel zum Zweck.

Das Fazit lautet »frustrierend«: Die Staffel besitzt Unmengen an erzählerischen Schwächen, wirkt über weite Strecken durchkonstruiert und ist dem Vorgänger an zu vielen Stellen auch einfach zu ähnlich. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass schon in der Vorlage viele Ideen willkürlich zusammengeworfen wurden. Allein diese ganzen Zahlenspielchen (»Pharao 90«, »Mistress 9«, die Hexenlevel) und das Sammeln von »Hostien« (gemeint sind Seelen) wirken wie Zutaten, bei denen man nicht weiß, warum sie im Topf gelandet sind. Mein Fazit zur vorherigen Staffel gilt auch hier – nur ist diesmal selbst die Vorspeise kein Genuss.

Update 05.10.2020: Die Rezension wurde erheblich umgeschrieben, nachdem ich mit der vorherigen Version zwei Tage nach Erstveröffentlichung recht unzufrieden war.
Update 08.10.2020: Fehlerhafte Verlinkung korrigiert
Post was last edited on 08.10.2020 um 11:34.
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Rezensionen – Bishoujo Senshi Sailor Moon Crystal

Avatar: Acuros
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#4
Der wohl bekannteste und erfolgreichste Magical-Girl-Anime dürfte jedem ein Begriff sein. Ich habe damals auf RTL2 die 200 Folgen nicht nur einmal gesehen. Das würde ich heute natürlich nicht mehr machen, denn das erzählerische Niveau war nicht gerade das Gelbe vom Ei – teilweise wurde es so albern und käsig, dass man Zweifel haben musste, ob die Geschichte überhaupt ernst genommen wurde.
In der Neuauflage bleibt man davon weitestgehend verschont, die Grundstimmung ist ernster, die Dialoge und die Figuren wirken nicht mehr so aufgedreht. Das macht es zunächst erträglicher, aber weil sich der Anime viel strikter an den Manga hält, kam mir bald eine ungute Vermutung: Schon die Vorlage ist erzählerisch einfach schwach.

»Sailor Moon Crystal« setzt gleich zwei Handlungsbögen um, von denen bereits der erste keinen Preis gewinnen wird: Das »dunkle Königreich« (einfallsreicher Name) hatte einst die Erde zur Rebellion gegen das Mondkönigreich angestachelt, weil es das eben wollte, und damit fast Erfolg gehabt. Die Königin des Mondes nutzte ihrerseits die Macht des Silberkristalls, plättete Mond und Erde in einem Schlag und segnete dabei das Zeitliche. Diesen Kristall hätte die Anführerin der Bösen, Queen Metaria, gerne selbst, um endlich zünftig übers Universum herrschen zu können, denn das gehört schließlich zu den üblichen Aufgaben einer teuflischen, lilapink gefärbten Energieerscheinung.
Weil sie jedoch unpässlich ist, wird Queen Beryl als Vertretung ins Rennen geschickt, die sich aber auch nicht gern die Hände schmutzig macht; das überlässt sie meist ihren vier Schergen.
Merke: Wenn die Bösen in diesem Anime eines beherrschen, dann die hohe Kunst der Delegation.

Zu Beginn gefiel mir die Serie aber noch ganz gut, weil sich Zeit genommen wird, die Figuren einzuführen. Usagi ist der (zunächst) niedliche Tollpatsch mit konsequentem Hang zum Verschlafen, Ami das schüchterne aber nicht willensschwache Genie, während Rei diesmal relativ kühl, zuweilen sogar melancholisch rüberkommt; von der Hitzköpfigkeit der alten Version ist kaum etwas übrig gelieben. Gut so – die damaligen Querelen mit Usagi waren eher nervig.
Makoto ist zum Glück nicht mehr der Raufbold von damals, sondern einfach ein burschikoses aber liebenswertes Mädchen, dass auf Dinge wie Kochen und Blumen steht. Mamoru wirkt in der Neuauflage reifer und ist nicht mehr das Großmaul von einst. Er ist ein guter Gegenpol zu Usagi, die das auch gut gebrauchen kann. Neben ihrer Tollpatschigkeit glänzt sie gern mit Selbstzweifeln und vor allem Begriffsstutzigkeit – schon allein Mamorus andere Identität dürfte jedem Zuschauer auf Anhieb klar sein.
In der Summe sind die Figuren ziemlich sympathisch bis hin zu liebenswert – man hat nur leider nicht lange Freude daran: Charakterentwicklung findet so gut wie nicht statt und die Eigenschaften der Figuren kommen mit zunehmender Seriendauer auch immer weniger zu Geltung.

Großer Schwachpunkt der Serie sind die Konflikte mit den Schergen der Finsternis, die man einfach nicht ernst nehmen kann: Entweder agieren sie allein und scheitern, oder sie treten mal gebündelt auf, beenden die Sache aber nicht und machen nach dem Schwingen großer Reden einen mitunter dramatischen Abgang.
Die Kämpfe sind schlichtweg langweilig; der erste ist noch irgendwo lustig, aber grundsätzlich ist der Ablauf immer sehr ähnlich: Häufig schießen Usagis Mitstreiterinnen irgendeine Attacke auf den Gegner, meist ohne nennenswerten Erfolg, dann kommt Sailor Moon daher und beendet das Ganze ruckizucki mit dem gerade aktuellen Mondangriff. Und falls selbst sie nicht obsiegt, dann passiert entweder irgendein Wunder oder die Bösen zischen eben ab, obwohl sich jeder Zuschauer mühelos ausrechnen kann, dass ein gebündelter Angriff durch die Gegner den Anime schnurstracks beenden würde. Strategie oder gar Spannung sucht man also vergebens. Dass man auf technischer Seite diverse Standbilder, Speedlines und vor einiges an Recycling zu sehen bekommt, macht es nur noch ärgerlicher ...

Ergo fühlte ich mich als Zuschauer irgendwann verarscht – und genervt: Zusätzlich zu all den Verwandlungsszenen (zusammengerechnet mehr als eine Folge) sieht man immer wieder die gleichen Angriffe, von denen manche reichlich alberne Namen haben: Venus Love-Me Chain (…), Moon Healing Escalation (?), Sailor Planet Attack (!?). Selbstverständlich kündigen die Sailor-Kriegerinnen nahezu jede Attacke lautstark an, als wäre man in irgendeinem RPG. In denen gibt es wenigstens eine Spielmechanik; hier sind die Ergebnisse oft blanke Willkür.

Damit keiner glaubt, es wäre Spaß, gibt es Kitsch, erzwungenes Drama und Plattitüden im Übermaß – auch außerhalb der Kämpfe, aber vor allem währenddessen. Dafür werden die Figuren natürlich gern mal verbogen bzw. aufs Notwendige reduziert. Boshaft formuliert verkommen Usagi und Mamoru zu Marionetten der Tragik und des Kitsches (was eben gerade passt), während die restlichen Kriegerinnen neben dem Aufsetzen von grimmigen oder betroffenen Mienen eher wenig zu bieten haben; in so mancher Szene sind die vier eigentlich nur noch optisch zu unterscheiden … und stimmlich, sofern sie nicht gerade – vorübergehend besiegt – in der Gegend herumliegen.
Der zweite Handlungsbogen setzt noch einen drauf. Nicht nur, dass das »Königreich des schwarzen Mondes« auch keinen wirklichen Hintergrund hat (der Obergegner ist so blass wie Metaria, seine Lakaien und deren Motivation sind kaum besser), es kommt auch noch das Zeitreise-Element ins Spiel, bei dem man sich einen feuchten Kehricht um Logik schert. Gegen Ende pfeift man sogar betont darauf, um aus der Handlung noch eine kitschige Szene mehr herauszuquetschen.

Da ist es fast schade um den Soundtrack, der für sich genommen ganz in Ordnung ist, doch leider übertreibt man es gern:
Schon so manche kitschige Szene wird mehr mit Streicherklängen untermalt, als gut ist, aber wenn gefühlt jeder Kampf zusätzlich(!) mit Chören vollgestopft wird, bis er aus der letzten Pore trieft, dann zeigt sich das Motto und gleichzeitig Problem des Werks: »Viel hilft viel« – oder eben auch nicht.

Fazit:
Ich fasse es mal gastronomisch zusammen: Es beginnt mit einer recht leckeren Vorspeise, doch dann kommt der riesige überwürzte Eintopf, der die ganze Woche immer wieder aufgewärmt wird und die Geschmacksnerven so verdirbt, dass selbst ein eingeschobenes Stück Schokolade nicht mehr schmeckt. Ich frage mich auch, wem man das servieren soll: Für die ursprüngliche Zielgruppe ist die Neuauflage vermutlich viel zu verbissen und betont tragisch. Und sofern die Nostalgiebrille nicht gar zu dicke Gläser hat, kann man den Rest damit auch nicht hinters Licht führen – dafür sind die genannten Schwächen einfach zu deutlich.

Update 29.09.2020: Andere Formulierung in Absatz 4, Satz 1 + einen Attackennamen entfernt – der kommt erst in der nächsten Staffel
Post was last edited on 29.09.2020 um 15:28.
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Rezensionen – Shingeki no Kyojin Season 3 (2019)

Avatar: Acuros
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#5
Rezensionen zu Staffel 1, Staffel 2 und Staffel 3.1
Diese Staffel bezeichne ich mit "3.2" und verzichte so gut wie möglich auf Spoiler zu vorherigen, doch ein paar vage Andeutungen lassen sich mittlerweile nicht mehr vermeiden. Kenntnis der verlinkten Rezensionen oder der Staffeln sind nicht zwingend, aber von Vorteil.

Staffel 3.1 klang regelrecht harmonisch aus und zeigte in einer schön gemachten Szene den Aufbruch zahlreicher Kundschafter, inklusive Levi-Trupp, zur Mauer Maria. Nach einen halben Jahr Wartezeit erlebt man nun endlich, wie die Menschheit versucht, sich das wiederzuholen, was ihnen vor über 5 Jahren genommen wurde.
Der erste Abschnitt von Staffel 3.2 vermittelt einem zunehmend das Gefühl, als ginge es um alles. Die Niederlage der Menschen hätte viele effektiv bedeutungslose Tote und den potientiellen Verlust von Eren zur Folge, weswegen mittel- bzw. langfristig die ganze Menschheit hinter den Mauern erledigt wäre. Die titanischen Gegner haben auch einiges zu verlieren, denn durch den Kundschafteransturm bietet sich ihnen eine Gelegenheit zum Erreichen ihres Ziels, die so schnell nicht wiederkommt. Es ist also kein Wunder, dass die Emotionen auch immer weiter hochkochen – selbst beim verhältnismäßig ruhigen Beginn merkt man bereits deutlich die Anspannung.

Schon in der ersten Folge fängt die aus den ersten zwei Staffeln bekannte Mixtur aus Kämpfen, Blut und Spannung an, der Abschnitt fühlt sich aber mehr wie ein Bosskampf an, genauer gesagt wie drei. Da diese parallel ablaufen, abwechselnd gezeigt werden und es auch etliche innere Monologe und Strategie offenbarende Dialoge gibt, fühlt man sich hier fast wie bei einem Fighting-Shounen. Na ja, jedenfalls teilweise, denn mit fortschreitender Dauer greift immer mehr das Entsetzen um sich – zugegebenermaßen auch bei mir.
Attack on Titan war auf visueller Ebene ja nie subtil inszeniert, aber hier hat man es bei zwei Szenen leider übertrieben. Der entscheidende Kampf von Levi kann hinsichtlich der inneren physikalischen Logik nicht funktionieren, ebenso wenig wie die Angriffe seines Gegners zuvor, die viel mehr Schaden anrichten, als massemäßig möglich ist – der Unterschied ist leider allzu offensichtlich. Bei humorvollen oder magiedurchdrungenen Animes mag das akzeptabel sein, hier aber nicht. Schade eigentlich – ein wenig Zurückhaltung hätte die Dramatik kaum reduziert. Allgemein ist das Animationsniveau so solide wie zuvor, nur leider wurden die teils wahnwitzigen "Kamerafahrten" aus den vorherigen Staffeln ziemlich reduziert.

Die Staffel verlangt dem Zuschauer emotional schon während der Kämpfe mehr ab als je zuvor, aber der eigentliche Höhepunkt sind deren Konsequenzen. Denen wird eine gesamte Episode gewidmet, die für mich nicht nur bislang beste der ganze Serie ist, sondern überhaupt einer der besten, die ich je im Animebereich gesehen habe. Im Laufe der Episode entwickelt sich ein Dilemma, das ein Großteil der Beteiligten emotional schon fast aus der Bahn wirft – höchstwahrscheinlich auch die Zuschauer, die einigermaßen was für die Figuren übrig haben. Besonders beeindruckend sind zwei Facetten der Inszenierung: Einerseits liefern die Synchronsprecher eine außergewöhnliche Arbeit ab, insbesondere der ohnehin passende Sprecher von Eren, andererseits gibt es bis auf die letzten zwei Minuten praktisch keine Hintergrundmusik (die paar Sekunden Ambientgedudel hätte es gar nicht gebraucht). Aus meiner Sicht ist das die beste Entscheidung, die man für diese Episode treffen konnte. Ich habe mittlerweile viele Szenen erlebt, die für Augen- und teilweise auch Brustdruck sorgen, doch hier erstreckt sich das über fast zehn Minuten. Zuschauer, die nah am Wasser gebaut sind, sollten also vorsichtshalber mit Taschentuch anrücken.

Der zweite Handlungsabschnitt schlägt stimmungsmäßig in eine andere Kerbe: Relativ ruhig, teils schwermütig, Kämpfe rücken fast vollständig in den Hintergrund. Es wird nicht nur die Hintergrundgeschichte von Grisha Yeager behandelt, man erfährt auch viele Details zur Welt an sich, wodurch etliche Ereignisse und vermeintliche Fakten in einem teilweise ganz anderen Licht erscheinen. Daher empfehle ich, sofern es einem bei der im Absatz darüber genannten Folge ähnlich erging, danach ein wenig zu pausieren – vielleicht für ein paar Stündchen oder bis zum Folgetag. Denn zumindest ich konnte die anschließenden Folgen gar nicht richtig würdigen. Bei einem weiteren Anschauen stellte ich fest, dass mir ein paar Details wirklich entgangen waren.

Für Beleuchtung der Figuren bleibt daher nicht viel Zeit – es sind vor allen Armin und Erwin Smith sowie zwei der drei Antagonisten, die hier in Szene gesetzt werden. Das heißt nicht, dass die restlichen Charakter bedeutungslos wären. Aber wenn man bedenkt, dass Mikasa eine der drei Hauptfiguren ist, doch mittlerweile neben Eren und Armin auch so manche andere Figur mehr Hintergrund und Entwicklung spendiert bekommen hat, fragt man sich, warum sie noch als solche geführt wird. Wer weiß, vielleicht ändert sich in den verbleibenden Episoden ja noch etwas daran.

Fazit:
Heftiger und emotionaler als je zuvor, aber auch sehr aufschlussreich – wer dank der Drastik der ersten Folgen nicht vor den Kopf gestoßen wird und die zwei genannten Patzer verzeihen kann, hat hier womöglich die bisher beste Staffel vor sich.

Update 21.09.2020: Dopplung im ersten Satz
Post was last edited on 21.09.2020 um 02:45.
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Rezensionen – Shingeki no Kyojin Season 3

Avatar: Acuros
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#6
Rezensionen zu Staffel 1 und Staffel 2
Ereignisse der vorherigen Staffeln werden nicht gespoilert.

Im Gegensatz zur ersten und zweiten Staffel richtet sich der Fokus dieses Mal verstärkt auf interne Machtkämpfe und Charakterkonflikte, weswegen der klassische Kampf gegen die Titanen bis auf eine Ausnahme keine Rolle spielt.
Stattdessen gibt es aber Mensch-gegen-Mensch-Kämpfe, die auch nicht zimperlich daherkommen und vor allem in der Frühphase nicht nur gut animiert sind, sondern vor allem mit ihrer Inszenierung überzeugen. Ich sprach in meiner Staffel-1-Rezension ja schon von dynamischen "Kamerafahrten". Die kommen auch hier wieder zum Einsatz, aber teilweise noch beeindruckender.

Nicht nur, dass die Heldengruppe am Anfang von der inneren Polizei verfolgt wird, so muss sie sich nach kurzer Zeit auch mit der Entführung und einer damit einhergehenden Rettungsmission herumschlagen. Parallel dazu wird auch Erwin Smith in den Vordergrund gerückt. Im Gegensatz zu vorherigen Staffeln wird er ein gutes Stück interessanter, nicht zuletzt dank seiner Hintergrundgeschichte.
Die zuvor genannten Kämpfe bringen mit Kenny auch ein relevante Figur und gleichzeitig Gegner neu ins Spiel. Er ist ein zwiespältiger Charakter und sicher kein Sympathieträger, aber sein verschrobenes Charisma und seine Motivation in diesem Szenario machen ihn in dieser Staffel zum vielleicht interessantesten Nebencharakter. Es wird nicht übrigens nur seine Hintergrundgeschichte gezeigt, sondern auch endlich in die von Levi.

Der erste Abschnitt springt gern von einem Handlungsplatz zum nächsten und verlangt eine gewisse Grundaufmerksamkeit, belohnt den Zuschauer aber schon hier mit etlichen Hintergrundinformationen. Das Ganze mündet in einem vorübergehenden Höhepunkt, der nicht nur sehr unterhaltsam ist, sondern für die gesamte Menschheit hinter den Mauern auch einschneidende Veränderungen mit sich bringen wird.
Dafür bleibt aber keine Zeit, weil man als Zuschauer nun einen Konflikt in kleinerem, aber keineswegs weniger bedeutendem Rahmen verfolgt. Der zweite Abschnitt schließt sich nahezu nahtlos an und beantwortet weitere der etlichen Fragen, die sich dem Publikum schon eine Weile gestellt haben, z. B. der Ursprung von Erens Kräften oder das mysteriöse Auftauchen des Kellerschlüssel zu Beginn der ersten Staffel. Das ist längst nicht alles, aber ich will es dabei belassen, dass der Abschnitt insgesamt recht fesselnd ist und so einiges auf den Kopf stellt.

Da in dieser Staffel viel passiert, ist die Präsenzzeit von vielen Figuren mitunter spürbar reduziert. Das macht sich besonders bei Armin und Mikasa bemerkbar, die man diesmal schon als Nebenfiguren bezeichnen muss, während Levi und Kenny eher wie Hauptcharakter wirken. Mit Abstrichen auch Erwin und Krista, die in beiden Abschnitten so einiges an Hintergrund und auch Entwicklung spendiert bekommt, aber trotzdem seltsam putzig bleibt – ich schwanke immer noch ein bisschen zwischen leichter Irritation und Sympathie.
Der einzige Titanenkampf dieser Staffel ist zwar keineswegs undramatisch oder langweilig, aber nicht so intensiv wie Kämpfe der vorherigen Teile. Das ist gut so, weil er sich damit passend in den dezenteren Erzählstil einfügt und gewissermaßen Symbolwirkung hat. Episch ist er natürlich trotzdem. Die Handlung selbst klingt ziemlich ruhig aus, was allerdings daran liegt, dass die dritte Staffel geteilt wurde. Die letzten Szenen dienen als Vorbereitung auf die hochdramatischen Ereignisse (so viel sei verraten) der zweiten Staffelhälfte, bieten aber einen zunächst versöhnlichen Abschluss.
Und natürlich konnte man sich die sozusagen obligatorische Cliffhanger-Szene erneut nicht verkneifen, die man obskurerweise mitten ins Abspannlied eingefügt hat. Das gefällt mir nebenbei relativ gut und zwingt mir die Frage auf, ob es nicht das bessere Titellied gewesen wäre. Das eigentliche ist mit seinem leicht kitschigen J-Pop-Geklimper selbst für diese Staffel zu unaufgeregt.

Fazit:
Dank dem Fokuswechsel weg vom direkten Titanenkonflikt hin zu Politik und Charakterbetrachtung ist die Staffel eine erfrischende Abwechslung und beweist, dass Attack on Titan mehr kann als blutiges Gemetzel. Für mich bislang der beste Teil der Serie, wenn auch knapp.
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Rezensionen – Shingeki no Kyojin Season 2

Avatar: Acuros
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#7
Rezension zu Staffel 1
Ereignisse der vorherigen Staffel werden nicht gespoilert.

Die erste Staffel endete mit einem durchaus fiesen Cliffhanger, der in den dreieinhalb Jahren Pause bestimmt für so manche Diskussion gesorgt hat. Staffel 2 setzt da nahtlos an und zeigt dem Zuschauer gegen Ende der erste Folge auch gleich, dass hinsichtlich Grausamkeit und Drastik die Schrauben nochmals angezogen werden.

Bei den technischen Seiten kann ich meine Ausführungen eigentlich wiederholen oder würde es zumindest gern, muss aber eingestehen, dass sich entweder schon die Vorlage oder aber die Umsetzung es nicht verkneifen konnte, so manches Ableben noch grausamer zu inszenieren. Phasenweise ist die Menge an Blut im Allgemeinen und Blutfontänen im Besonderen höher als in den ersten 25 Folgen. Man wird auch in der Summe mehr dramatische Musik hören, allerdings ist das für manche Szenen durchaus ein Pluspunkt.
Ein paar Mal wirkt so manche Mimik ein wenig extremer als zuvor, aber trotzdem: Das z. B. skurrile Level eines Higurashi no naku koro ni erreicht man hier nicht, stattdessen passt es eigentlich immer zum Geschehen. Bei den Animation sind mir diesmal jedoch mehr Standbilder und Speedlines aufgefallen als zuvor. Alles kein Beinbruch, aber die erste Staffel war da etwas besser.

Hofft man nach den ersten Minuten auf weitere Antworten, so täuscht man sich, weil gar keine Zeit dafür bleibt. Während unsere drei Protagonisten gerade im Inneren verweilen, befinden sich ein guter Teil der bekannten Nebenfiguren, u. a. Conny, Sasha, Krista und Ymir, außerhalb der Mauerstädte, als sich aus dem Süden mehrere Titanen nähern. Die Lage spitzt sich natürlich zu, weil die Annahme naheliegt, eine Mauer sei durchbrochen und der Verlust von so viel Gebiet eine Katastrophe wäre. Der erste Abschnitt widmet sich diesem mysteriösem Auftauchen, aber Attack on Titan wäre eben nicht Attack on Titan, wenn die Kacke nach nur kürzester Zeit nicht schon wieder mächtig am Dampfen wäre und dem Zuschauer auch noch so manche Enthüllung vor den Latz knallt. Einige Nebenfiguren, die in der ersten Staffel noch unauffällig blieben, bekommen in diesem Abschnitt endlich ein bisschen Raum zur Entfaltung.
Wenn man nach dem überstandenem Konflikt glaubt, dass mal ein wenig Ruhe (und daher Erholung für den Zuschauer) einkehrt, so irrt man sich gewaltig. Eine urplötzliche Enthüllung, die ohne jegliche Ankündigung kommt, resultiert in einer grandiosen und emotionalen Szene – bis dahin das Highlight des gesamten Animes, auch deswegen, weil die Musikuntermalung kaum passender sein könnte. Deren Konsequenzen bilden den zweiten Teil dieser Staffel. Das Finale ist zwar einerseits wirklich fulminant und mitreißend, aber leider sieht man hier so manche Brutalität, wo ich mir nicht mehr sicher war, ob das schon Verherrlichung ist. Dafür gibt's aber auch eine schöne und (dank der Inszenierung) fast schon bizarre Szene zwischen Eren und Mikasa, wozu auch beide Synchronsprecher erheblich beitragen.

Die drei Hauptcharakter ändern sich nicht grundsätzlich, aber man merkt schon, dass die Ereignisse auf ihnen lasten: Eren's innerer Konflikt wird intensiver und Mikasa kommt hier besser zu Geltung, weil sie an manchen Stellen mehr Emotionen zeigt als zuvor. Selbst Armin lässt sich später zu einer Handlung hinreißen, die ich so nicht erwartet hatte.
Wie oben erwähnt, bekommt so manche Nebenfigur Hintergrund und damit Tiefe spendiert, was vor allem Conny und Sasha gut tut. Ymir's Hintergrund ist zwar schon interessant, aber charakterlich ist sie nur bedingt überzeugend. Unter anderem deswegen sind auch ein paar Abschnitte später sowie der Rückblick mit Krista ein bisschen langatmig.

Fazit:
Die zweite Staffel war für mich insgesamt ein wenig schwächer, auch weil sie die Extreme nochmal ein bisschen ausloten wollte. Zuschauer der ersten Staffel werden wohl auch diese überstehen und dürfen sich neben diversen Enthüllungen vor allem auf ein paar wirklich mitreißende Szenen freuen.
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Rezensionen – Shingeki no Kyojin

Avatar: Acuros
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#8
Hypes – sobald es nur ansatzweise danach riecht, mache ich auf der Stelle einen Bogen ums Thema.
Aufgrund von Abstinenz kam ich eh drei Jahre zu spät, aber dann hat's nochmal fast vier gedauert, bevor ich mich überhaupt rantraute. Eigentlich zum Glück, denn bei einer zunehmend abgegrasten Toplist ist es natürlich günstig, wenn man sich versehentlich eine Serie aufhebt, die einem dann sehr gefällt.

Attack on Titan ist ein erbarmungsloser Anime. Es geht nicht die ganze Zeit heiß her, aber wenn, dann wird mit Brutalität, Grauen, Toten und insbesondere Blut nicht gerade gegeizt. Schon auf visueller und akustischer Seite sorgt man dafür, dass sowohl Action als auch Drama großgeschrieben werden. Der Soundtrack hat mir gut gefallen, insbesondere, weil er gut zur jeweiligen Situation passt. Spitzt sich die Lage zu, zieht die Musikuntermalung oft mit dramatischen Stücken nach, aber interessanterweise eben nicht immer – in so mancher Szene wurde sogar ganz auf Musik verzichtet. Auch die Synchronsprecher machen einen vorzüglichen Job, in Situationen voller Angst und Verzweiflung schießt zum Glück keiner übers Ziel hinaus.
Die Animationen sind recht gut, aber leider nicht durchgehend. Man wird in Actionszenen immer mal Speedlines und gelegentliche Standbilder sehen, aber das wird durch deren Inszenierung locker ausglichen, u. a. durch teils sehr dynamische "Kamerafahrten", durch die eine Szene ungeheuer intensiv werden kann.
Zusammengefasst wird man als Zuschauer zuweilen sehr heftig beschossen. Und das ist gewissermaßen das Problem bzw. die Hürde, denn die Toleranzschwelle ist hier je nach Betrachter schnell und deutlich überschritten, aus Unterhaltung wird dann einfach Unwohlsein. Daher empfehle ich als Messlatte das Ende der ersten sowie die gesamte zweite Folge. Rollt man hier schon mit den Augen (egal ob im Kreis oder nach hinten) oder hat das Gefühl, eine magenschonende Diät wäre angebracht, sollte man lieber übers Abbrechen nachdenken – das Ende der Heftigkeitsskala markiert der initiale Überfall jedenfalls nicht.

Doch schon aufgrund des Gesamtszenarios möchte man als Zuschauer auch gar kein Teil dieser Welt sein:
Nachdem vor 100 Jahren die Titanen, turmhohe menschenähnliche Wesen mit unverschämter Regeneration, große Teile der Menschheit hinfortdiniert hatten, zog sich ein Teil der Überlebenden hinter drei gestaffelte und gewaltige Mauerringe zurück – die Ausdehnung des äußersten beträgt dabei fast tausend Kilometer. Und bereits zu Beginn sieht man, dass die Menschheit gern verdrängt. Nicht nur, dass viele Menschen nie einen Titanen gesehen haben, auch die grundsätzliche Einstellung grenzt (zunächst) an Ignoranz. Das reicht vom simpelsten Bauern über den Adel, der bequem im Inneren lebt, bis hin zu Patrouille-Soldaten, die sich lieber besaufen. Eine wirkliche Ausnahme sind die Kundschaftersoldaten, die sich bei Missionen außerhalb der Mauern tapfer den Titanen stellen. Dank dem 3D-Manöver-Apparat sowie Kenntnis des Schwachpunkts können sie zwar bestehen, aber trotzdem lichten sich die Reihen der Soldaten jedes Mal erheblich, den Überlebenden wird's allzu oft mit Unverständnis und Verachtung gedankt.
Auch abseits vom Gemetzel ist die Serie nicht unbedingt harmlos. So zwingen die Folgen des erwähnten Überfalls die Obrigkeit zur einer Entscheidung, zwar ungemein grausam, aber gefühlsfrei betrachtet eben auch zwingend notwendig. Erfreulicherweise werden solche Szenen eben nicht mit dem Drama-Holzhammer, sondern mitunter regelrecht nüchtern erzählt.
Nach dem Anfang, der auch Teile der Grundausbildung sowie ihren Abschluss zeigt, verläuft die Staffel grob unter den Gesichtspunkten Überlebenskampf im Allgemeinen und Gebietskampf im Speziellen. Attack on Titan punktet im Verlauf seiner Handlung damit, dass sich so mancher Plan bzw. Strategie in Wohlgefallen auflöst und zu Improvisation und Chaos führt. Ein paar der Wendungen und Enthüllung sind zwar durchaus vorhersehbar, aber die teils weitreichenden Folgen gleichen das locker aus.

Die ernste, teils bittere Grundstimmung färbt auf effektiv alle Charakter ab – so auch auf die drei Hauptcharakter Eren, Mikasa und Armin.
Eren wird zwar auch von Rache getrieben, ist aber zum Glück nicht so eindimensional wie z. B. Thorfinn aus Vinland Saga, sondern besitzt dann schon noch ein paar Facetten mehr. Er ist gern mal impulsiv, zuweilen auch hitzköpfig, aber eben nicht dämlich und kann sich im Verlauf der Serie zunehmend besser zusammenreißen.
Mikasa, seine Adoptivschwester, hat eine interessante Hintergrundgeschichte, die u. a. zeigt, wie ihre Adoption durch Erens Familie zustande kam. In der Gegenwart hinterlässt sie aber bis auf ihre exzellenten Kampffähigkeiten und der Eren-Beschützerei auf Dauer zu wenig Eindruck.
Armin ist optimistischer als Eren und Mikasa, hat aber unter so mancher Unsicherheit zu leiden, auch weil er keine klassische Kämpfernatur ist. Dank seines Intellekts kommt er aber auf Ideen und Schlussfolgerungen, mit denen er nicht nur seinen Kameraden mehrfach den Hintern rettet, sondern auch in größerem Umfang hilft. Dadurch findet auch er letztlich seinen Platz in der Truppe.

Viele Nebenfiguren erhalten aufgrund des "straffen Zeitplans" keine wirkliche Tiefe, aber zumindest Levi sollte man erwähnen: Dessen Kampffertigkeiten grenzen zwar regelrecht an Absurdität und er hat auch ein ziemlich mürrisches Gemüt, aber entgegen meiner anfänglichen Befürchtung war er bislang der interessanteste Nebencharakter. Wobei mir Hanji mit dem Kontrast aus Ernst und leicht skurrilen, aber nicht deplatzierten Humoreinlagen ja auch gut gefallen hat.
Generell stört eigentlich keiner, wenn man davon absieht, dass Sasha in manchen Szenen doch sehr überzeichnet war.
Es gibt konsequenterweise keinen typischen Sympathieträger, aber dafür auch keine abgedroschene Klischeefigur.

Fazit:
Ein ziemlich extremer Anime, der es in meinen Augen schafft, seine Zutaten hervorragend zu vermischen. Ob einem das fertige Gericht dann schmeckt, ist eine andere Frage, denn bei der Würzung spart Attack on Titan jedenfalls nicht.
Wer sich sorgt, dass ihn nachfolgende Staffeln enttäuschen könnten, den kann ich beruhigen: Der Anime hält die Qualität weitestgehend.
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Rezensionen – Vinland Saga

Avatar: Acuros
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#9
Vinland Saga ist als Anime schon ziemlich ungewöhnlich – die Thematik Wikinger ist noch unverbraucht und der Handlungsverlauf wirkt wesentlich realer als man es sonst so kennt. Allein deswegen ist das Werk eine erfrischende Abwechslung. Frei von Schwächen ist es jedoch nicht.

Mit der Erzählung wäre ich eigentlich völlig zufrieden, aber leider hat die Motivation der Hauptfigur Thorfinn einen Ursprung, der erst nach ein paar Folgen gezeigt wird. Weil man als Zuschauer zwangsläufig gespoilert wird (außer man schaut ganz ahnungslos), sind die ersten Folgen schon allein wegen Thors' Hintergrundgeschichte interessant, büßen aber eben auch an Spannung ein.
Sonst ist die Handlung für meinen Geschmack aber die größte Stärke der Serie. Man bleibt durch den historischen Kontext von einer abstrusen Geschichte verschont, denn der Autor hatte ja schon eine Arbeitsgrundlage und konnte die kreative Energie dafür nutzen, die Geschichte rund um die Wikingertruppe einzuarbeiten.
Zeitlich gesehen spielt die Serie kurz nach dem Ende des 1. Jahrtausend im Rahmen der Eroberung von England durch Dänemark. In diesen Konflikt eingebettet verfolgt man die Erlebnisse des Trupps und der Autor war sich dabei auch nicht zu schade, den Rahmenkonflikt zeitweise in der Hintergrund zu schieben und stattdessen den Fokus auf den Überlebenskampf der Truppe oder die Flucht vor Feinden zu legen. In der zweiten Hälfte spitzen sich dann sowohl manche Charakterbeziehungen als auch die Rahmenhandlung selbst zu – das Finale sei hier besonders lobend erwähnt.
Erzählerisch ist Vinland Saga ein gutes Stück über dem Durchschnitt.

Der rote Faden der Handlung sind die Erlebnisse von Thorfinn. Nun ist dieser Anime aus Sicht des Mangas nur der Auftakt (die letzte Folge heißt bezeichnenderweise "End of the Prologue"), daher reduziert sich sein Wesen effektiv auf "Rache für Papa". Weder fand ich ihn interessant noch sympathisch noch mitreißend, sein Motiv hatte sich für mich schon vor der Halbzeit abgenutzt. Die Duelle mit Askeladd waren deswegen auch nicht sonderlich aufregend. Ab und zu sieht man, dass da schon noch andere (immer noch kindliche) Züge vorhanden sind, aber das ist meist nur ein Aufblitzen. Erst gegen Ende merkt man, dass sich doch allmählich was in seinem Kopf tut.

Dafür wirkt Askeladd als Anführer der Wikingertruppe mehr wie ein Hauptcharakter. Er ist mindestens genauso gewissenlos wie der Rest seines Haufens, hat aber wesentlich mehr Facetten und eine Hintergrundgeschichte, die im Verlauf der Handlung auch immer relevanter und interessanter wird. Dann gibt es natürlich noch etliche Nebenfiguren im Trupp, von denen Kanute ("Knutoh") zwar erst nach einer Weile auf den Plan tritt, aber dafür die interessanteste und drastischste Entwicklung durchmacht. Er ist auch der einzige, der Thorfinn ab und an (ungewollt) ein bisschen vom ewigen Pfad der Vergeltung ablenkt, wenn auch nie dauerhaft. Man könnte auch noch Leif erwähnen, aber der bekommt zu wenig Zeit, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Und dann Thorkell, die wandelnde Absurdität: Zweieinhalb Meter groß und wahrscheinlich doppelt so viele Zentner schwer, vermag er es zum Beispiel mit einem Axtwurf über hunderte Meter(!) mehrere Männer(!) in einer Reihe(!) schwer zu verletzen, inklusive Abtrennung von Händen. Ein Leistung, die ich spontan mit einem klassischen Stirngriff würdigen musste. Die Hand blieb gleich dort, weil der gute Herr auch noch Baumstämme wie einen Kampfstab herumwirbelt und anschließend sonst wie weit wirft, um ein Schiff zu versenken. Und es bleibt nicht dabei - der Protagonist z. B. bekommt ein paar mal so schwer was ab, dass er eigentlich mausetot sein müsste. Diese unrealistischen Actionszenen (zum Glück nicht alle) hinterlassen einen fahlen Eindruck, weil die Serie sonst realistischer als viele andere Werke daherkommt – ich muss das schon als Stilbruch bezeichnen.
Thorkell selbst passt irgendwie auch nicht ganz ins Schema. Ich war mir nie sicher, wie viel Naivität echt ist und wie clever er am Ende ist. Sein putziges Verhalten war immerhin ganz unterhaltsam.
Es gibt also es keinen klassischen Sympathieträger, aber weil die meisten Figuren entweder blutrünstige Wikinger sind oder zum Adel gehören, sollte das auch keinen verwundern. Die klassischen Animen-Tropen wird man jedenfalls nicht sehen, doch bei der Vertonung frage mich, ob man nicht ein kleines bisschen auf Nummer sicher gespielt hat. Vielleicht konnten sich die Synchronsprecher auch einfach nicht weit genug verbiegen – ein bisschen animetypisch klingt's zuweilen eben doch.

Soundtrack und Optik sind aber großartig. Ein passender und detaillierter Zeichenstil gepaart mit ziemlich guten Animationen und passender, aber nicht klischeehafter Musik haben mir das Sehvergnügen durchaus versüßt. Schade, dass etliche Animationen für so manchen Unfug verballert wurden. All die Blutbäder haben mich übrigens erstaunlich kalt gelassen. Vielleicht liegt's daran, dass man hier nicht wie sonst Bezug zu den Figuren aufbaut oder dass die Inszenierung nicht so gelungen ist ... oder daran, dass ich einfach schon zu abgestumpft bin. Für Leute mit schwachem Magen sollte es trotzdem "reichen".

Fazit:
Ein ziemlich guter Anime, der auch großartig hätte sein können, wenn da nicht die noch fade Hauptfigur und der unrealistische Pfeffer im Zusammenhang mit Thorkell wäre.

Update-Historie:
Wenige Minuten nach Veröffentlichung: Einfügen der Charakter-Verlinkung
27.08.2020 "Fazit:" muss fett sein + Fehlerchen und Absatz auftrennen
03.09.2020 Ausbesserung so manch ungelenker Formulierung
Post was last edited on 03.09.2020 um 04:38.
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Rezensionen – Kami no Tou

Avatar: Acuros
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#10
Vorbemerkung:
Quasi aus Gewohnheit verwende ich die Namen, die mir aus Untertiteln und Vorlage bekannt sind, hänge hier aber eine entsprechende "Übersetzung" an. Sollte einer fehlen, könnt mir mich zwecks Ergänzung gern über PN informieren.
Charakternamen (Vorlage <> aniSearch): Bam <> Baam // Rhak <> Rak // Anaak <> Anak // Endorsi <> Androssi

Tower of God setzt seine koreanische Vorlage Sinui Tap relativ werksgetreu um – deren englische Übersetzung wird übrigens tatsächlich legal und kostenlos zur Verfügung gestellt. Dadurch bemerkte ich bereits beim stichprobenartigen Lesen, dass so manche Szene, vermutlich aus zeitlicher Notwendigkeit, gekürzt bzw. weggelassen und auch einige Dialoge und Geschehnisse abgewandelt wurden. Kenner der Vorlage werden sich an manchen Stellen wundern oder gar ärgern, aber dem Rest wird's so gut wie nicht auffallen, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.

Die Geschichte ist im Kern ein Fighting-Shounen: Es gibt diverse Kämpfe und Konflikte und die Hauptfigur hat eine Motivation, ein bestimmtes Ziel zu erreichen – in diesem Fall die Besteigung des namensgebenden Turms, auf dessen Spitze angeblich jeder Wunsch erfüllt wird. Die gesamte Staffel ist aber lediglich die Prüfung in Form von mehreren Tests, um zu ermitteln, ob die Kandidaten überhaupt würdig sind.
Die Tests an sich sind grundsätzlich nicht uninteressant. Der erste z. B. mag einfallslos wirken, kommt aber mit einer ganz hübschen Wendung daher und stellt natürlich auch die Figuren vor, derer es etliche gibt. Spätere Tests rücken neben dem Leitmotiv der Turmerklimmung auch stärker Kämpfe und damit einhergehende Charakterkonflikte in den Vordergrund. Von der Kreativität und Intensität her waren die Kämpfe jedoch oft eher Mittelmaß, dafür wurden sie aber ganz ordentlich animiert, so wie die Serie im Allgemeinen.

Schon die ersten Minuten vermitteln die relativ ernste, melancholische und einsame Grundstimmung des Animes – eine, die für Fighting-Shounen nicht unbedingt typisch ist. Fast möchte man von einem erwachseneren Anstrich sprechen.
Das Werk konzentriert sich ganz auf den Turm und lässt die Welt drumherum fast vollständig außen vor, abgesehen von wenigen Andeutungen, und wirkt daher irgendwie ein bisschen surreal bzw. weltentrückt. Dank der Mischung aus Stimmung, sagenartigen Anstrich, dem Shinsu (eine in unterschiedlich stark Konzentrationen vorkommende, sehr handlungsrelevante Substanz) und eher typischen Fighting-Shounen-Elementen hat der Anime klar das Potential, zu unterhalten ...

... doch leider hatte man bei der Umsetzung nicht den Mut oder die Fähigkeit, das einheitlich durchzuziehen. Stattdessen demontiert der Anime sich selbst, weil reichlich Slapstick-Einlagen einbaut wurden, die in der Vorlage noch erträglich sind, aber im Anime bis auf wenige Zufallstreffer richtig fehl am Platz wirken. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich geseufzt oder mit den Augen gerollt habe – mitunter auch beides zugleich.
Es ruiniert in einer Tour einen Großteil der Charakter-Interaktionen und damit auch die Grundstimmung als solches, weil die Figuren plötzlich in den "Idiotenmodus" wechseln. Sachlicher formuliert erlebt man es viel zu oft, dass sich ein Charakter eben "out of character" verhält. Wenn ein Gros der Meute dadurch inkonsistent und unglaubhaft wirkt, wird es auch nichts mit dem Hineinversetzen.

Von den relevanteren Figuren bleiben wenigstens der Protagonist Bam und Rachel verschont. Nur leider ist Bam in dieser Staffel keine sonderlich interessante Figur. Boshaft formuliert könnte man seine Motivation auf "Ich will zu meiner Mama" reduzieren, doch auch wenn er weichlich wirken und naiv sein mag, ist er zum Glück keine Heulsuse, sondern nimmt die Dinge auch mal selbst in die Hand. Nach dem gelungenen Cliffhanger am Ende von Folge 12 sowie den Enthüllungen in der finalen (und für mich besten) Folge darf man gespannt sein, was aus ihm wird.
Apropos "Mama": Rachel, gesprochen etwa "Rahel", ist natürlich nicht seine Mutter, hat sich aber um ihn gekümmert, bis der Turm nach ihr rief, und nimmt in Bams Leben eine essentielle Rolle ein. Da ich mich hier nicht aufs Spoiler-Glatteis begeben möchte, nur so viel: Man erhält bei ihr nicht nur die meisten Einblicke, sondern auch die spätesten, weswegen sie bis dahin verschlossen und etwas rätselhaft wirkt.
Vom Rest ist Khun ganz solide, bei Rhak, dem Comic-Relief-Nervtöter, sind Hintergrund und Charakterentwicklung nicht einmal Fremdwörter und der Jogging-Anzug-Träger ist kaum besser. Ansonsten hatten Anaak und Endorsi noch Potential ... aber wie gesagt: So gut wie jede Figur, die aus der Statistenrolle ausbricht, ist vom unpassend inszenierten Humor betroffen, wenn auch in verschiedenen Stärkegraden.

Da spielt's kaum noch eine Rolle, dass auch unabhängig davon ein paar ungeschickt geschriebene Szenen vorhanden sind. Manche ernstere Emotion wirkt seltsam oder gar erzwungen und insbesondere die kollektive spätere Reaktion auf das extrem Verhalten einer bestimmten Figur war schlichtweg absurd. Diese Szene gibt's aber nur im Anime – eine Verschwendung von Zeit, die man lieber mit ausgelassenen Szenen hätte füllen sollen.

Der Zeichenstil von Tower of God ist definitiv mal etwas anderes, denn allein die Linien sind gröber und wirken teilweise unsauber gezeichnet. Das ist aber keine Schlamperei, sondern Stilmittel und zieht sich konsistent durch die gesamte Umsetzung. Nach etwas Eingewöhnung hat mir das ziemlich gut gefallen, schon allein, weil sich der Anime damit von der Masse abhebt. Deutlich auffälliger ist der Unterschied zur Vorlage, wo sämtliche Charakterzeichnungen amateurhafter bzw. unförmiger wirken. Wobei man gerechterweise sagen muss, dass der Stil bestimmt auch deswegen angepasst wurde, damit er mehr wie Anime wirkt.
Auch der Soundtrack ist keine Standardware. Während einer Actionszene hörte ich doch tatsächlich so was wie Jazz mit Klavier und auch sonst gab's ein paar ungewöhnlichere Töne, relativ oft eine Mischung aus orchestraleren und elektronischen Klänge. Trifft meinen Geschmack jetzt nicht sonderlich, passte aber meist gut zur Stimmung.

Fazit:
Die Antwort auf die Frage, ob der Anime sonst großartig geworden wäre, lohnt nicht mehr – und genug Kritik gab's jetzt auch. Also gibt's als abschließendes Urteil eine mir sehr vertraute Reaktion: Ein resigniertes Seufzen.

Update-Historie:
03.09.2020 Absatz 1+2 etwas ausgebessert
09.09.2020 Fehlerchen, wenige kleine Ausbesserungen
Post was last edited on 09.09.2020 um 11:16.
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Rezensionen – Re:Zero kara Hajimeru Isekai Seikatsu

Avatar: Acuros
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#11
Vorbemerkung:
Ich habe den sogenannten Director's Cut gesehen, aber der ist m. W. n. bis auf eine Szene ganz am Ende identisch, weshalb ich mich hier brav in die reguläre Ausstrahlung einreihe.


Ich versuche mittlerweile ja, mir das Motto "Weniger ist mehr" zu Herzen zu nehmen, wenn ich Texte schreibe, aber hier war mir von vornherein klar: Das wird nix.
Re:Zero kara Hajimeru Isekai Seikatsu (im Folgenden einfach nur noch Re:Zero) hat's mir nicht grad leicht gemacht. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Anime gesehen habe, der so verworren ist und auch deutlich an seinen Schwächen leidet, es aber seltsamerweise dennoch geschafft hat, mich an den Bildschirm zu fesseln – sogar in seiner Tiefphase.

Ein Isekai-Anime. Ja, schon, aber in diesem Fall wird aus dem "Weltenwechsel" erst gar kein Drama gemacht. Stattdessen dreht sich im Kern alles um die Fertigkeit von Subaru, dem Helden der Geschichte: Stirbt er, macht er effekt einen Zeitsprung zurück an einen festen Zeitpunkt, behält aber seine Erinnerungen – und nur er.
Das Konzept klang auf dem Papier sehr interessant (weil es das ist), nur leider gibt es dabei ein ganz klares Problem: Die vielen Resets ("Return by Death") sind nicht nur für den Helden belastend.

Man muss als Zuschauer immer wieder damit zurecht kommen, dass zwischenzeitliche Ereignisse und damit einhergehende Entwicklung von Nebenfiguren null und nichtig sind. Nach dem x-ten Mal wird das zwar nicht langweilig (das wissen all die drastischen Vorkommnisse schon zu verhindern), aber dafür immer anstrengender bzw. verwirrender. Das wirkt sich auch auf die ganzen Nebenfiguren negativ aus, weil der Bezug zu ihnen zunehmend schwerer fällt.
Da muss man es dem Anime schon hoch anrechnen, dass zumindest Emilia und Rem beide relativ liebenswert rüberkommen – auch wenn es bei Rem ein Weilchen dauert und der entscheidende Entwicklungssprung etwas abrupt wirkt (obwohl er es nicht ist, wenn man genauer darüber nachdenkt).
Emilia hat mir von Anfang an gefallen (nicht nur optisch), doch leider glänzt sie bei fortschreitender Dauer immer mehr mit Abwesenheit. Was schade ist, denn gemeinsam sind die zwei ziemlich herrlich. Rem konnte das dann leider nicht ganz ausgleichen.
Zum Glück hält der Cast noch diverse andere Figuren bereits, die zwar nicht wirklich aus ihrer Schublade rauskommen, aber meistens entweder sympathisch, leidlich interessant oder einfach schräg sind - manchmal auch gleich zwei Eigenschaften zugleich. Das sorgt dafür, dass Meute immerhin nicht blass bleibt oder gar stört. Das ist ja leider überhaupt keine Selbstverständlichkeit im Animebereich.

Damit ist klar, dass Subaru das Werk zu einem Großteil alleine tragen muss – angesichts der ganzen Resets eine sehr undankbare Aufgabe. Nur wirkt sein Charakter ziemlich inkonsistent: Er soll ein Hikikomori sein, kommt dafür zunächst erstaunlich selbstbewusst rüber. Mal spielt er sich auf wie ein Pausenclown (vor allem zu Beginn), dann wirkt er wieder ernst, dann ungeheuer niedergeschlagen usw. usf.
Es ist nicht mal so, dass das alles nicht zusammenpassen könnte oder dass diese Wechsel ausschließlich abrupt kommen, aber allzu oft wirkt sein Verhalten irritierend, gerade zu Beginn. Die Komplexität einer Figur kann nur wirken, wenn sich ausreichend Zeit genommen wird, sie zu beleuchten. Da dass hier nicht so ganz der Fall ist, schießen auch manche der dramatischen Anwandlungen übers Ziel hinaus. Noch komplizierter wird es, weil er über seine Fähigkeit nicht sprechen kann.

Das führt dazu, dass ein gewisser Abschnitt ab etwa der Mitte recht zäh und anstrengend wirkt. Er stellt den Fall der Hauptfigur dar, aber zu dem Zeitpunkt ist der Hauptcharakter längst nicht gut genug ausgearbeitet, sodass gerade hier das ganze Drama überhaupt nicht richtig wirken kann. Und nicht nur das – bis Subaru sich endlich zusammen reißt und eine ganz ansehnliche Wende durchmacht, die zur Entlastung des Zuschauers auch zwingend nötig ist, wird's teilweise recht bizarr und grausam. Betrachtet das als Vorwarnung, leichte Unterhaltung ist's jedenfalls nicht.

Und dann wirkt auch die Handlung etwas ziellos. Dass Subaru eigentlich aus einer anderen Welt kommt, scheint bis auf ein paar effektlose Erwähnungsversuche kaum ein Thema zu sein. Warum er eigentlich transferiert wurde, warum er seine Fähigkeit hat und ob er wieder zurück will, bleibt in Staffel 1 ungeklärt. Die folgenden Staffeln werden hoffentlich mehr aufklären.

Das liest sich alles sehr kritisch, doch wie eingangs erwähnt, hält der Handlungsverlauf vor allem außerhalb des Mittelteils ziemlich gut bei der Stange. Ich wollte schon gerne wissen, was noch so alles passiert und wie sich alles entwickelt (und ob Subaru irgendwann wirklich durchdreht) – und dass weiß Gott genug passiert, steht außer Frage. Außerdem ist es schlichtweg spannend, dabei zuzusehen, wie Subaru verzweifelt versucht, die ihm wichtigen Mensch vor Unheil zu bewahren, es aber zunehmend schwerer hat, weil die meisten Figuren natürlich nicht das Warum nachvollziehen können.
Als Ausgleich bekommt man nicht nur tatsächlich amüsante Szenen zu sehen, sondern auch so manche schöne. Ein Großteil ist natürlich auf die Interaktion von Subaru mit Emilia oder Rem zurückzuführen. Dass der Autor an etlichen Stellen Humor eingebaut hat, war auf jeden Fall wichtig, andernfalls wäre das Werk sicher zu erdrückend. Pluspunkt dafür, dass er an so mancher Stelle ein bisschen ins Skurrile geht, so was mag ich besonders.

Technisch fand ich den Anime in Ordnung. Von Animation und Zeichenstil her hat mir das Gebotene gereicht – die Hintergründe in Kombination mit Lichteffekten haben mir ganz gut gefallen. Der Soundtrack bleibt nicht lang im Ohr, erfüllt aber seine Rolle zumindest passabel.
Die Synchronsprecherin von Emilia hat mir am meisten zugesagt, wobei auch die von Rem recht angenehm war (bzw. wurde). Den wohl undankbarsten Job hatte die Person, die Subaru vertonen musste. Angesichts der schwierigen Situation machte er seine Sache aber ganz gut. Eine gesonderte Erwähnung für den Sprecher von Roswaal, dessen Singsang zwar ziemlich gewöhnungsbedürftig war, aber vorzüglich zur Rolle gepasst hat.

Fazit:
Re:Zero ist schon eine Marke für sich. Eine mit einem ziemlich interessanten Hauptfeature, unter dem sie aber genauso leidet wie unter der nicht genug ausgearbeiteten Hauptfigur. Schafft man es, den mittleren Teil zu überstehen (was nicht ganz ohne ist), kann es durchaus sein, dass einen der Rest entlohnt. Oder eben nicht – neben Subaru dürfte das der Hauptgrund sein, warum die Meinungen ein gutes Stück auseinandergehen.
Tja, und wenn ich jetzt nochmal Revue passieren lasse, dann sollte ich dem Autor der Vorlage wohl das Gleiche empfehlen wie mir zu Beginn: Weniger ist mehr.
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Rezensionen – Runway de Waratte

Avatar: Acuros
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#12
"Echt jetzt? Ein Anime übers Modeln? Hätt's das unbedingt gebraucht?". Ich könnte jetzt den Fiesling spielen und mit "Nö, eigentlich nicht" antworten, aber stattdessen sage ich lieber: Meine Einstellung zu dem Thema hat sich nicht geändert, dennoch habe ich den Anime relativ gern geschaut.

Wir haben hier trotz des unverbrauchten Settings einen typischen Ganbatte-Anime, man kann sich also darauf einstellen, was einem im Groben erwartet: Diverse Höhen und Tiefen in einem wie so oft idealisierten Umfeld, erlebt von einer Hauptfigur, mit der man mitfiebern soll. Ergo im Wesentlichen das, worauf ich gehofft habe.
Wobei Runway de Waratte mit gleich zwei Disziplinen und somit zwei Hauptfiguren (Chiyuki und Ikuto) ja schon mal ungewöhnlich ist.

In meinem Fall hat mich das "passenderweise" zu gleich zwei Falschannahmen geführt.
Erstens: Auch wenn die zwei immer wieder aufeinandertreffen, die Erfolgswege der zwei Helden verlaufen kaum zusammen. Sieht man von der 3. Folge ab, machen die beiden sozusagen nie wirklich gemeinsame Sache (hätte mir besser gefallen).
Zweitens: In den 12 Folgen bekommt Ikuto spürbar mehr Aufmerksamkeit geschenkt als Chiyuki.

Und das ist bedauerlich.

Sieht man mal davon ab, dass ich nicht der größte Fan von Ikuto's Synchronsprecher bin (genauso wenig wie bei Tanjirou aus Kimetsu no Yaiba), ist mir sein Charakter auch erstmal zu glatt. Diese Kombination aus brav, lieb und auch naiv ist zumindest bei mir fürs klassische Ganbatte-Mitfiebern nicht so förderlich. Allerdings rettet es seine Leidenschaft fürs Entwerfen und Anfertigen der Kleidung – und im Zusammenhang damit auch die Freude darüber, wenn jemand seine Klamotten mag oder gar trägt. Ikuto ist schlichtweg aufrichtig, was für mich die Hauptursache der Sympathie war – das und die Tatsache, dass Ikuto im Laufe der Staffel doch ganz langsam anfängt, ein wenig Kampfgeist zu entwickeln. Der Autor hat es zum Glück nicht versäumt, dem effektiven Protagonisten Charakterentwicklung zu spendieren.

Chiyuki ist fürs Modeln deutlich zu klein, aber das hält sie die gesamten 12 Folgen nicht davon ab, diesen Weg stur weiterzugehen (wortwörtlich), natürlich sehr zum Leid für manche Nebenfigur. Es mangelt ihr, im Gegensatz zu Ikuto, nicht an Selbstbewusstsein und ebenfalls nicht an Aufrichtigkeit. Beides Gründe, warum die beiden Figuren hervorragend harmonieren und sich gewissermaßen gegenseitig anziehen. Es gibt diverse Szenen mit den beiden, die deutlich dazu beitrugen, dass mir der Anime gefallen hat.
Und es hätte noch viel besser sein können, hätte man Chiyuki eben mehr in den Vordergrund gerückt. So manche ihrer Erlebnisse verlaufen parallel zur Handlung offscreen und werden bestenfalls in kurzen Rückblenden oder gar nur durch Nebenfiguren thematisiert.
Rein subjektiv kam sie mir gegen Ende schon fast wie eine Nebenfigur vor. Das ist bitter, weil sie den Anime mühelos allein tragen könnte. Hier wurde Potential liegen gelassen – ich kann nur hoffen, dass das im Manga nicht so bleibt.
Ihre Synchronsprecherin hat mir auch außerordentlich gefallen. Dass die Frau es kann, konnte man schon bei Hayasaka Ai aus Kaguya-Sama: Love is War hören.

Stattdessen wird später der Fokus auch noch zusätzlich auf eine Nebenfigur (Kokoro) gelegt, die aber leider eine noch blassere Variante von Ikuto ist. Ihre Umstände klingen auf dem Papier ja ganz vielversprechend: Ein Model, dass lieber Modedesigner sein möchte, aber nicht darf. Allerdings reicht die Serienlänge auch hier nicht aus, um sie selbst interessant zu machen und sie ausreichend zu behandeln, ergo kann der Konflikt seine Wirkung auch nicht entfalten.

Bei 12 Folgen sollte man sich auch nicht zu viele "Wettkämpfe" erwarten. Das beschränkt sich auf die Modeschau in Folge 3 (effektiv Feuertaufe für Chiyuki und Ikuto) und auf den Wettbewerb im letzten Viertel. Über die ganzen oft skurrilen Outfits konnte ich meist nur den grinsend Kopf schütteln, dennoch habe ich die Events relativ gebannt verfolgt. Trotz all der genannten Problemchen ist der Cast dann doch relativ liebenswert.
Bonuspunkt für die Szene mit Ikutos Mutter in Folge 10 – vielleicht der schönste Moment der ganze Serie.

Der Anime sammelte auch Pluspunkte mit der Inszenierung. Mindestens solide Animationen gepaart mit einem schönen und sauberen Zeichenstil, passender Musik (grad bei den Events) sowie ausreichend Humor und nicht übertriebenem Drama sorgten dafür, dass ich bei der Stange blieb. Das rechne ich Mangaka, Animationsstudio usw. durchaus hoch an.

Fazit:
Ein handwerklich gut gemachter und eigentlich auch schöner Anime, der aber etwas unter dem Präsenz-Ungleichgewicht seiner Figuren sowie der zur kurzen Länge leidet – die meisten bekannteren Ganbatte-Animes haben wenigstens doppelte Länge. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich auf den Rest des Casts nicht eingegangen bin: Er erfüllt seine funktionale Rolle ganz gut, hat aber zu mehr nicht ansatzweise die Chance bzw. die Zeit.
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Rezensionen – Kanata no Astra

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#13
Ein Hinweis zum Genre:
Action als Hauptgenre (Stand 18.08.2020) finde ich verwunderlich, denn der Drama-Anteil ist nicht zu unterschätzen und eigentlich allgegenwärtig. Actiondrama passt meiner Meinung nach besser. Das nur vorab, falls hier jemand einen "richtigen" Actionanime sucht.

Kanata no Astra hat mich weit positiver überrascht, als ich es erwartet habe. Erstens wurde die ganze Geschichte umgesetzt, was bei effektiv 14 Folgen – zwei haben Doppellänge – ja nicht üblich ist (auch wenn die Mangavorlage selbst recht kurz ist). Zweitens ging das Gebotene dann deutlich über das hinaus, womit ich gerechnet habe. Und drittens: Trotz etlicher Zutaten kommt am Ende ein überraschend stimmiges Werk heraus.

Die Beschreibung suggeriert, man habe hier lediglich einen Abenteueranime vor sich - so mancher Kommentar spricht sogar von "Raumschiff Voyager"-Vibes. Das stimmt so nicht: Auch wenn die Rückreise über verschiedene Planeten zwecks Aufstockung von Ressourcen das zentrale Element ist, so bleibt es nicht das einzige. Das sieht man spätestens am Ende der zweiten Folge. Es hört mit dieser Enthüllung auch längst nicht auf, aber mehr will ich aus Spoilergründen nicht anschneiden. Es hat jedenfalls dafür gesorgt, dass ich bis zum Ende gespannt dabei blieb.
Allerdings sollte man sich nun nicht die Revolution in Sachen Originalität und Anspruch erhoffen. Kanato no Astra vereint etliche Handlungselemente, die man aber alleinstehend in anderen Animes wiederfinden wird, meistens werden diese dort auch mit mehr Tiefgang behandelt. Die Qualität bzw. der Charme der Serie hingegen rührt von der gelungenen Mischung her.

Den reichlich vorhandenen Humor fand ich die meiste Zeit großartig, so viele Lacher in einer Staffel hatte ich schon lange nicht mehr. Nicht nur, dass ich Slapstick im richtigen Maß (immer eine Gradwanderung zwischen fad und peinlich bzw. dämlich) mag, hier resultiert das in so vielen herrlichen, mitunter absurden, Dialogen bzw. Szenen, dass ich einfach köstlichst unterhalten wurde. Und da kommt dann erst noch hinzu, dass der Wechsel von und zu ernsteren Szenen in fast allen Fällen verblüffend flüssig abläuft und die vielen ernsteren Momente überwiegend überzeugen können. Zudem gibt es gleich mehrere dieser "berüchtigten" Szenen, die einem das Salzwasser in die Äuglein treibt.
Es passiert leider viel zu selten, dass diese Genres bzw. Stimmungen so gut verzahnt werden. Hier sollte ich aber auch Animationsstudio und Synchronsprecher (wie so oft tolle Arbeit) hervorheben - ich denke, erst durch Inszenierung und Vertonung konnte dieser Mix so gut wirken.

Das Erzähltempo ist die meiste Zeit relativ hoch. Aufgrund fehlender Manga-Kenntnisse weiß ich nicht, wie sehr das Animationstudio (u. a. für Ansatsu Kyoushitsu und Kuzu no Honkai verantwortlich) zu Kürzungen gezwungen war, um auf single cour zu kommen, aber ich war schon verwundert, dass die Flugphasen zwischen den Planeten (teilweise mehrere Wochen) praktisch nie zu sehen waren. Immerhin ist deren Fehlen nicht sonderlich schlimm, denn hinsichtlich Entwicklung bei Handlung und Charakteren scheint nichts auffällig zu fehlen.
Schwerer wiegt aber, dass man es sich an manchen Stellen zu offensichtlich zu einfach macht. Ein paar Missetaten beteiligter Figuren werden vom Rest viel zu schnell und viel zu leicht verziehen und haben kaum weitere Konsequenzen, das Finale läuft zu glatt ab (politisch gesehen auch inkonsequent) und die gestrandeten Schüler stecken manches Erlebnis vielleicht ein bisschen zu gut weg – oder besser gesagt: Zu schnell.

Der Einstieg dient zur Vorstellung der Hauptakteure, ist aber alles andere als optimal. Die Figuren wirken auf Anhieb wie aus der Schublade gesprungen: Leicht dümmlich wirkendes Mädel, das viele Freude finden will, draufgängerischer Möchtegernanführer, stoischer Wissenschaftstyp, Einzelgänger, Tsundere, extrem schüchternes Mädel usw. sowie ein zehnjähriges Kind, das eher wie 6 wirkt - auch das ist leider furchtbar typisch in diesem Medium.
Kurz: Der Stereotypen-Alarm geht direkt los und nicht gleich wieder aus. Somit will auch der Humor erst mal nicht zünden, der erste Abschnitt wirkt direkt zäh und macht nicht wirklich Lust auf mehr. Das ändert sich zum Glück schnell (schon in Folge 1) und im Verlauf gewinnen praktisch alle Figuren sowohl an Hintergrund (und damit Tiefe) als auch an Sympathie und entwickeln sich mitunter deutlich weiter.
Vor allem aber harmoniert der ganze Cast nach und nach immer besser und wächst einem sozusagen direkt ans Herz. Auch etwas, dass ich in den ersten 20 Minuten nicht unbedingt geglaubt hätte.

Beim Technischen fasse ich mich mal wieder kurz: Animationsniveau ist in Ordnung, mir kam es jedenfalls nicht so vor, als würde man mich mit Standbildern zuballern. Zeichenstil hat mir gut gefallen, besonders bei der Darstellung einiger Planeten (da gab's ein paar coole Ideen). Der Soundtrack allein reißt bestimmt keinen vom Hocker und ist eher Durchschnitt, wenn überhaupt. Reicht zur Untermalung der Szenen und stört beim Anschauen auch nicht.

Fazit:
Popcorn-Kino fände ich als Bezeichnung gemein, darüber hinaus geht es dann schon - aber nichts desto trotz ist Kanato no Astra ein fast durchgehend einnehmender und unterhaltsamer Anime, der vor allem aufgrund der gelungenen Genremischung herausragt.

Update-Historie
24.08.2020 Ausbesserung von ein paar Formulierungen und Fehlerchen
Post was last edited on 24.08.2020 um 12:05.
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Rezensionen – Kimi no Suizou o Tabetai

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#14
Ehrlich gesagt: Diesem Anime eine Rezension zu verpassen, ist aufgrund der Beschreibung oben gar nicht mal zwingend nötig – mich hat sie zum Anschauen motiviert. Aber andererseits … in den Top 30 zum Zeitpunkt des Verfassen und dennoch rezensionslos? Das kann ich dann doch nicht so stehen lassen.

Wie auch immer: Ich mag normalerweise keine Anime-Filme, weil sie meist einfach zu kurz sind. Selbst ein 12-Folgen-Anime hat locker die doppelte, zuweilen dreifache Zeit. Kimi no Suizou o Tabetai macht seine Sache nicht nur in diesem Rahmen, sondern auch darüber hinaus sehr gut. Zum Beispiel lässt schon die erste Szene kein Zweifel daran, wie die Sache ausgeht. Es mag komisch klingen, aber ich fand’s gut so. Damit entfällt das lästige Bangen, das aufgrund der Inszenierung auch einfach gestört hätte.

Wenn die Zeit eines Animes knapp bemessen ist, kann die übermäßige Behandlung von Nicht-Hauptfiguren und zu vielen Nebensträngen quasi tödlich sein. Ergo hat man das hier fast komplett verworfen und bis auf eine Ausnahme nimmt der Film davon auch keinen Schaden. Stattdessen wird sich von Anfang an vorrangig auf die zwei Hauptfiguren und deren Miteinander konzentriert.

Wenn die Zeit eines Menschen knapp bemessen ist, kann er es sich nicht leisten, den Rest seines Lebens mit Trübsal zu verbringen. So jedenfalls das Motto von Sakura, die natürlich kein blanke Frohnatur ist, sondern sich fortwährend gegen die Verzweiflung, die Depression, die Hoffnungslosigkeit, die eine nicht heilbare und demnächst tödliche Krankheit mit sich bringen kann (und es meist auch tut), zur Wehr setzt. Neben der schönen Inszenierung ist die größte Stärke des Films der Kontrast zwischen ihrer (streng genommen aufgesetzten) Fröhlichkeit und dieser ängstlich-traurigen Seite, die immer mal wieder zum Vorschein kommt, aber nie überzogen dramatisch ist.
Haruki, das männliche Gegenstück, ist ein komplizierter und introvertierter Mensch, der durch blanken Zufall Sakuras Notizbuch findet und dadurch von ihrer Krankheit erfährt. Weil er aber der so ziemlich einzige Mensch ist, der sie deswegen trotzdem neutral (zunächst sogar regelrecht desinteressiert) behandelt, findet Sakura gewissermaßen schnell Gefallen an ihm.

Die daraus resultierenden gemeinsamen Erlebnisse sind das Herzstück des Animes. Und weil diese einfach überwiegend schön dargestellt sind, braucht der Film auch gar nicht mehr. Er bleibt bis auf ein paar Dramaeinschübe angenehm bodenständig - und selbst diese Einschübe wirken nicht fehlplatziert.
Aufgrund von Sakuras Situation und der eher kurzen Zeitspanne im Film findet keine wirkliche Charakterentwicklung bei ihr statt (oder nur unscheinbar). Dafür erhält man sukzessive Einblicke in ihre Gefühlswert. Das allein genügt, um aus ihren die interessante und vor allem sehr liebenswerte Figur zu machen, die nicht nur zum Spaß in meine Favoritenliste aufgenommen wurde.
Haruki wiederum hätte mehr Zeit gebraucht. Eben weil er (zunächst) so unnahbar ist, fällt jeder Mangel an Hintergrundgeschichte umso mehr auf. Keine Frage – auch er ist ein Sympathieträger und entwickelt sich durch die Erlebnisse weiter. Und weil er auch der passive Part ist, war es für mich etwas schwieriger, mich in die Figur reinzuversetzen. Das allerdings ist wirklich nur Jammern auf hohem Niveau. Im großen Kosmos der Animefiguren finde ich ihn immer noch deutlich besser als zahlreiche andere Vertreter.
Vor allem waren es die überwiegend harmonische Wechselwirkung der zwei Charakter, die mich so eingenommen hat.
Die restlichen Figuren sind natürlich bzw. zum Glück nur Mittel zum Zweck, lediglich bei Sakuras Freundin, Kyouko, verpatzt das Werk ein bisschen: Sie taucht immer mal wieder auf, ist nicht gänzlich irrelevant, hat aber dennoch keine Chance aus dem bei mir schnell etablierten Schmollzicken-Image herauszukommen. Gut, in der letzten Szene ist das anders, aber die Änderung dahin erlebt man als Zuschauer leider nicht.

Zu den technischen Seiten:
- Bei den Synchronsprechern liefert die Sprecherin (zuletzt Gilda aus Yakusoku no Neverland) von Sakura den wohl besten Job ab, sie bringt die Figur ziemlich gut rüber. Ähnlich passend ist der Sprecher von Haruki – zumindest das Reservierte und Verschlossene kommt relativ gut rüber. Der Sprecherin von Kyouko muss man vermutlich Mitleid aussprechen – sie kann definitiv mehr (z. B. Patema aus Sakasama no Patema oder Harumi aus Citrus), hat dazu aber zu wenig Gelegenheit. Der Rest ist nicht wirklich erwähnenswert, aber dafür sind auch keine Ausfälle zu verzeichnen.
- Den Zeichenstil bei den Figuren würde ich nur als OK bezeichnen, er bekommt aber einen Pluspunkt dafür, dass man zur Abwechslung mal keine Anime-Glubschaugen zu sehen bekommt. Die Hintergründe sind nicht nur detailliert (gut, sollte man von einem 2018er-Film erwarten können), sondern in Kombination mit den Lichteffekten auch einfach schön. Die Animation ist in dem Genre eher weniger relevant, aber zumindest mir anspruchsloser Seele ist nix Negatives in Gedanken geblieben.
- Der Soundtrack (immerhin gut 30 Lieder, eins davon fast 7 Minuten) ist so eine Sache: Sowohl Titellied als auch Abspannlied sind vom gleichen Künstler und bewegen sich irgendwo zwischen J-Pop und J-Rock. Während der Abspann stimmungsmäßig noch geht, finde ich das Titellied da nicht wirklich passend. Aber egal - die eigentliche Filmlieder sind überwiegend im eher melancholisch-schönen Bereich, auch wenn es ein paar gibt, die mehr zum Positiven tendieren. Auffallend ist, dass der Pianoklang ziemlich überwiegt, Streicher sind schon nicht mehr so oft zu hören. Auch wenn ich mir die Lieder jetzt nicht wiederholt anhören würde, kann ich den Soundtrack als gelungen bezeichnen, unterstreicht er die Stimmung mehr als nur passend und trägt auch nicht zu dick auf. Und das ist schließlich die Hauptsache. Falls jemand eine Kostprobe haben möchte, dann verweise ich einfach mal auf dieses Lied hier – wenn ich so darüber nachdenke, beschreibt es den Film klanglich ziemlich passend.

Fazit:
Wirklich schöner Film, den sich nicht nur Fans von eher stillem bzw. bodenständigem Drama postwendend zu Gemüte führen sollten. Eines der Anime-Highlights der letzten Zeit.

Update-Historie:
28.05.2019 Rechtschreibfehler + Doppelte Formulierung korrigiert
22.08.2020 Tippfehler entdeckt und liquidiert
22.10.2020 Charakterverlinkung, außerdem *wieder* Tipp- und Kommafehler entdeckt und … ich will einen privaten Korrekturleser :(
Post was last edited on 22.10.2020 um 15:28.
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Rezensionen – Glass no Kamen (2005)

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#15
Glass no Kamen basiert auf einer seit über 40 Jahren laufenden Mangavorlage. Das führte sogar dazu, dass der Umstand zuletzt in Tensei Shitara Slime Datta Ken satirisch erwähnt wurde. Beim ersten Anschauen im März 2011 litt ich in den ersten 11 Folgen fürchterlich, der Anime war gefühlt dauerabbruchsgefährdet. Kurioserweise war der Bann danach gebrochen und ich suchtete das Werk in einem Rutsch durch.

Glass no Kamen ist ohne Frage ein Ganbatte-Anime: Wir verfolgen den Werdegang eines jungen Mädchens, das in die Welt des Schauspiels hineingezogen wird und sowohl während der diversen Aufführungen als auch abseits davon Erfolge und Misserfolge erlebt. Knackpunkt und Hauptmotivation ist das legendäre Stück "The Crimson Goddess". Das wurde seit langer Zeit nicht mehr aufgeführt, weil die einzige befähigte Schauspielerin verletzt wurde und seitdem inklusive Aufführungsrechte verschwunden war. Natürlich ändert sich das mit Beginn der Serie und sorgt für diverse Spannungspunkte bis hin zu regelrechten Konflikten.

Es ist keine Überraschung, dass die Hauptfigur ein Ausnahmetalent ohnegleichen ist und dass das Werk ihren Aufstieg samt Höhen und Tiefen zeigt. Da die Vorlage sozusagen zur alten Schule gehört, finden sich auch eine kompetente Rivalin, teils geheime Verehrer sowie eine relativ strenge Mentorin.
Nicht so oft habe ich erlebt, dass die Handlung abseits der Aufführungen mehr als nur Mittel zum Zweck ist. Sie trägt entscheidend zur Charakterentwicklung und zur überwiegend fesselnden Wirkung bei. Und da Schauspielerei ja auch kein klassischer Wettbewerbssport ist, könnte der Anime also durchaus als Drama durchgehen. Die Geschichte wird relativ dicht und schnell erzählt, an manchen Stellen schon fast zu schnell. Zwar endet die Umsetzung aufgrund der Vorlage offen, aber der Abschlusspunkt ist gut gewählt, nicht dazu gedichtet und verdirbt auch nicht den Schlussabschnitt, der stimmungsmäßig nochmal heraussticht.
Bereits davor bieten die Schauspiele diverse Höhepunkte. Die Folgen 12, 17, 23 sowie 37+38 (ein Zweiteiler) seien hier besonders erwähnt, aber auch die restlichen Werke müssen sich nicht verstecken. Insbesondere weil sie sich nicht nur geschichtlich, sondern auch in ihrem Schema angenehm unterscheiden und somit eigentlich keine Abnutzungserscheinungen auftreten. Natürlich werden die Stücke nicht in voller Länge gezeigt, vielmehr geht es darum, wie die Protagonisten die damit einhergehenden Herausforderungen bewältigen.
In der Mitte des Werks muss ich einen leichten Hänger attestieren, der aber zum Glück nicht schlimm ist und auch nicht lange dauert.

Bemerkenswert finde ich Maya, die Protagonistin: Zu Beginn noch 13 Jahre alt, schwankend zwischen mangelndem Selbstbewusstsein, kindlicher Naivität und einer brennenden Leidenschaft für alles, was mit Schauspielerei zu tun hat. Doch gerade sie war es, die mir zu Beginn das Anschauen schwer machte. Denn im Gegensatz zu etlichen anderen Ganbatte-Hauptfiguren fiel zumindest mir das Aufbauen von so zwingend nötiger Sympathie eine ganze Weile schwer ... sehr schwer sogar.
Maya ist seltsam unnahbar bzw. schwer begreifbar, und zwar nicht nur für die restlichen Charaktere, sondern auch für mich als Zuschauer. Man möchte schon fast "irritierend" sagen.
Ich war also gezwungen, die Figur erst kennenzulernen. Das ist dem realen Leben mehr abgewonnen als bei etlichen anderen Hauptfiguren, aber eben auch ein gehöriges Risiko.
Das soll nicht heißen, Maya selbst (oder sonst wer) wäre wirklich realistisch dargestellt – allein ihr Schauspieltalent ist fast schon absurd. Sie vollbringt im Laufe der Geschichte ein paar Kunststücke, die eigentlich undenkbar sind, z. B. das improvisierte Aufführen eines Stücks für mehr als ein Dutzend Darsteller im Alleingang. Allerdings rechne ich es dem Werk hoch an, dass dieser Umstand immer wieder relativ geschickt ins Gesamtgeschehen eingebunden wird. Er wirkt somit nicht unpassend und fungiert auch als Triebfeder für andere Figuren.
Die Handlung der Umsetzung umspannt ein paar Jahre, ergo erlebt man auch die Reifung der Hauptfigur. Das macht Glass no Kamen relativ geschickt: Nicht plötzlich bzw. sprunghaft, sondern eher langsam und unauffällig. So etwas würde ich gerne häufiger sehen.
Leider leistet man sich bei der Heldin auch Schnitzer. So manche Reaktion wirkt übertrieben kindlich und ein paar Verhaltensweisen sind schlichtweg irritierend und unglaubwürdig. Das schlimmste Beispiel ist bei einem Wettbewerb, wo vorab alle Gruppen versammelt und genannt werden. Maya quittiert dies mit einem Anwesenheitsruf, der aber überhaupt nicht verlangt war ... meiner Meinung nach eine schlechte und völlig überflüssige Humoreinlage. Glücklicherweise sind solche Eskapaden selten, insbesondere im späteren Verlauf.

Natürlich gibt es aufgrund des Schauspiel-Settings jede Menge Figuren. Viele bleiben unvermeidlich blass, aber zumindest die drei wichtigsten werden schon relativ gut beleuchtet. Die ehrgeizige Rivalin Ayumi ist quasi das Gegenstück zu Maya: Aus prestigereichem Schauspielerhause stammend, weiß sie sehr wohl über ihr Talent Bescheid, hat dafür aber auch immer wieder mit den negativen Seiten zu kämpfen, z. B. dem Schatten ihrer berühmten Mutter, Einsamkeit oder zu hohen, selbst gesetzten Zielen. Na ja, und mit Mayas unbegreiflichem Talent natürlich, denn richtig interessant wird es, wenn beide aufeinander treffen. Egal ob als Rivalen oder gemeinsam auf der Bühne, so ziemlich immer beeinflussen und beeindrucken sie sich gegenseitig. Das führt einerseits zu wachsendem gegenseitigen Respekt, aber auch sukzessive zu Missverständnissen.
Die angesprochene Mentorin, Chigusa Tsukikage, bekommt ebenfalls Hintergrund spendiert, aber trotzdem schwächelt die Figur im Vergleich ein wenig. Ihr gegenwärtige Rolle ist solide umgesetzt, die Hintergrundgeschichte aber eher kitschig.
Und schließlich Masumi Hayami - ein relativ junger, eher kalter und gefühlslos wirkender Geschäftsmann, der die Rechte an "The Crimson Goddess" erlangen will, aber (beidseitig ungewollt) von Maya Stück für Stück (Wortspiel durchaus beabsichtigt) emotional aus der Bahn geworfen wird. Deren Verhältnis war interessant zu verfolgen, auch wenn die etlichen Gedanken-Monologe auf beiden Seiten fast schon kitschig sind. Man möchte meinen, die Schauspielstimmung habe sich auch darauf ausgewirkt. Auch in seinen Hintergrund erhält man Einblicke, aber leider erst recht spät.

Und etwas kürzer zu den technischen Seiten:
- Die Synchronsprecherin von Maya finde ich großartig, vor allem wie sie allein den ganzen verschiedenen Rollen Leben einhaucht. Das gilt im Großen und Ganzen auch für Ayumis Sprecherin. Bei Chigusa Tsukikage bin ich zwiegespalten. Denn auch wenn sie die Figur meist ordentlich rüberbringt, in einem der besten Schauspiele der Serie ist die Leistung im Vergleich zu Maya und Ayumi eher ... "unterwältigend". Beim Rest kann ich mich nicht beklagen, allenfalls Mayas Mutter hat mich nur bedingt überzeugt. Kuriose Randnotiz: Die Sprecherin von Ayumis Mutter hat in der Version von vor 21 Jahren Maya ihre Stimme verliehen.
- Der Zeichenstil ist ordentlich für ein Werk von 2005: Die Hintergründe recht schön, über die Zeichnungen kann ich mich auch nicht beschweren. Standbilder gibt es natürlich immer mal wieder, was bei 51 Folgen kein Wunder ist, aber teilweise dienen sie sogar als Stilmittel zum "Vorspulen" eines Stücks.
- Und der Soundtrack? Man hört, dass es hier kein hohes Budget gab. Die einzelnen Stücke unterstützen stimmungsmäßig ganz passabel, würden allein aber nicht wirklich bestehen. Die Aufführungen kommen übrigens mit recht wenig Musikuntermalung aus. Fand ich gut so, es hätte auch irgendwie nicht so gepasst. Titellieder und Abspannlieder sind mir meist egal, aber gesondert will ich mal das zweite Schlusslied erwähnen: Das hat musikalisch einen ziemlich infektiösen Refrain, der textlich aber völliger Stuss ist (das oder die englische Übersetzung davon). Aber nun ja ... bei J-Pop verwundert mich ja fast nichts mehr.


Fazit:

Glass no Kamen gehört auch jetzt nicht zu meinen Favoriten (dafür gibt's dann doch ein paar störende Punkte zu viel), nimmt aber seit jeher einen Ausnahmestatus ein. Ich behaupte mal frei heraus, der Serie liegt eine ähnliche Magie inne wie den gezeigten Schauspielstücken. In meinem Fall hat sie jedenfalls gleich zweimal gewirkt.
Was eine Empfehlung angeht ... schwierig. Wie oben beschrieben, kann aller Anfang sehr schwer sein. Der allgemein leicht kitschige Anstrich mag ebenfalls abstoßend sein, aber andererseits lässt man sich hier vielleicht ein seltsam fesselndes Erlebnis entgehen.

Update-Historie:
28.05.2019 Umständliche Formulierungen zusammengerafft
30.04.2020 Fehlerchen und andere kleine Formulierungsausbesserungen
19.08.2020 s. darüber
24.08.2020 Es gibt immer Arbeit ...
08.09.2020 + 09.09.2020 Weitere Fehler und eine Fehlinformation korrigiert
Post was last edited on 09.09.2020 um 16:06.
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Rezensionen – A.I.C.O. Incarnation

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#16
A.I.C.O Incarnation - ein Originalwerk von Netflix, die ihr Anime-Angebot offenbar gehörig aufstocken wollen. Das heißt: Keine unvollständige Manga-/Light-Novel-Umsetzung und auch kein Visual-Novel-Murks, außerdem animiniert von BONES, die ja nicht unbedingt die Schlechtesten in ihrem Bereich sind.
Das könnte man glatt was erwarten ... aber man sieht immer mal wieder, dass solche Erwartung sträflichst enttäuscht werden können.

A.I.C.O Incarnation ist für mich insofern interessant, dass beides zutrifft.

5.5 von 10 - eine Wertung, die sich bei mir überwiegend Abbruchskandidaten einfangen. Dass ich die Serie aber dennoch beendet habe, liegt einerseits daran, dass die eigentliche Rahmenhandlung sowie ein guter Teil der Ereignisse mich ziemlich gut bei der Stange halten konnte, anderseits, dass es auf der technische Seite nichts zu meckern gab: Neben gefälligem Zeichenstil und Detailgrad sowie für meinen Geschmack guten Animationen wird die Farbpalette auch oft recht geschickt eingesetzt. Spätestens seit Houseki no Kuni ist klar, dass CGI vorzüglich eingesetzt werden kann - das ist auch hier der Fall.
Ebenfalls lobend sei erwähnt, dass der Anime ein recht guten und vor allem passenden Soundtrack zu bieten hat, zu dem (seit Langem mal wieder) auch ein Vorspannlied gehört, dass ich mir durchaus gern anhörte. Das hat für mich Seltenheitswert, denn manchmal denke ich, Vor- und Abspann wurden nur zum Überspringen erfunden ...

Das Szenario ist ganz einfach obskur: Das Erzeugen künstlicher Körper und sogar Gehirne ist schon volles Science-Fiction-Programm, aber beim sogenannten "Matter" wird's noch bizarrer. Immerhin wurde die Serie so abgespult, dass ich wissen wollte, was hinter alledem nun wirklich steckt.
Durch die zügige Erzählweise vermeidet man zwar durchgängig Längen, allerdings passiert in den 12 Folgen so viel, dass manches einfach unzureichend erklärt wird. Besonders frappierend dabei die ganze Sache mit Yuzuha, wo ich immer noch nicht wirklich weiß, was das nun sollte ... vielleicht ist es auch einfach untergegangen, aber in Anbetracht dessen, dass einem vieles besser erklärt wird, wär das eher ein Armutszeugnis.
Die finale Episode schafft es übrigens weitestgehend, die restlichen Stränge zu Ende zu bringen, ist aber eben ein Paradebeispiel für einen zu gehetzten Ablauf - grad der Epilog wirkt wie eine Pflichtübung und enthält Details, die mich aufgrund der nachfolgenden Erklärungen auch gar nicht wirklich interessierten.

Die Charaktere sind jetzt nicht völlig nicht missraten, aber sie können ihre Reißbrettnatur schlichtweg nicht verbergen. Es fehlt auch einfach die Zeit, die Nebenfiguren auszuarbeiten - man erfährt so gut wie nichts über ihre Hintergründe, bestenfalls Andeutungen.
Der Großteil des Casts ist also einfach nur oberflächlich (meist auch fade) und kommt einem vom Verhaltensmuster her furchtbar vertraut vor. Würde man sich die Mühe machen, oft verwendete Kategorie aufzustellen, wäre eine Einordnung der Figuren sicher ein Kinderspiel.
Ausbrechen aus den gängigen Mustern tut jedenfalls keiner - sieht man vom vermeintlichen "Antagonisten" mal ab, der aber auch einfach nur von "blass" zu "irre" wechselt. Eine Masche, die alles andere als neu ist ...
Vor Klischees gefeit sind die zwei Hauptfiguren leider auch nicht. Aiko ist das schüchterne, liebe und teilweise willensstarke Mädchen, dass sich später immerhin (leider ziemlich sprungartig und damit unplausibel) weiterentwickelt, aber lange Zeit die gleichen Verhaltensweisen zeigt, bis es mir schon auf den Sack ging. Wenigstens hat sie ein einigermaßen interessante Hintergrundgeschichte, die auch ein paar nette Wendungen bereithält. Kanzaki Yuya ist erstmal nicht mehr als "Mysteriöser Knabe" (mit ein bisschen Beschützerkomplex), sorgt aber immerhin noch für gewisse Aha-Momente.

Wenn also die Figuren schon so schwächeln, kann von den Dialogen ja nicht viel erwartet werden, aber es kommt sogar noch schlimmer. Bestenfalls durchschnittlich und nur selten interessant, wirken sie diverse Male so, als würden sie direkt aus dem Lehrbuch kommen. Oder vom Reißbrett, was eigentlich mehr Sinn ergibt, dann von da scheinen ja auch die Figuren zu stammen ... jedenfalls kamen mir manche Formulierung samt Tonlage unangenehm vertraut vor - das hat man schon des Öfteren so gesehen und gehört. Hier waren offenbar nicht die erfahrendsten Leute am Werk.
Unangenehmerweise wird auch Etliches immer wieder ausgesprochen, z. B. Aikos Beteuerungen, sie wolle ihretwegen keine Verletzten/Toten oder Kanzakis Ansage, er werde Aiko zum "Primary Point" bringen und den Burst beenden. Mehrmals fragte ich mich: "Wie oft soll ich mir Sachverhalt X denn noch anhören? Danke sehr, ich hab's verstanden ..."
Was ebenfalls nervt und leider nicht nur einmal vorkommt: Die Figuren begreifen die z. T. offensichtlichsten Dinge nicht von allein. So muss zum Beispiel die spezielle Beschaffenheit der Heldin erst mehrsätzig kommentiert werden, bevor die "Nebenschablonisten" es mit einem lehrbuchgerechten Synchron-Huch kommentieren.
Wenn dann noch Zwischenmenschliches oder sogar versuchte Gefühlsduselei beginnt, wird's teilweise richtig grausig. Die völlig zweckfreie Pseudoromanze ist wahrscheinlich nur ein Item auf der ToDo-Liste gewesen, aber auch so gehen fast alle Versuche, Drama bzw. Gefühle zu erzeugen, ins Leere oder regelrecht nach hinten los. An manchen Stellen wurde es so schlimm, dass meine Fremdschämsensoren freundlich fragten, ob ich denn nicht ein wenig vorspulen könne - ein paar Mal war ich so nett.


Fazit: Relative interessante, wenn auch abstruse Handlung, technisch ziemlich gut, dafür mauer Cast  und noch miesere Dialoge. Empfehlen kann ich das Werk also nur, wenn man nicht gar zu großen Wert auf die letzten zwei Dinge legt oder zumindest eine gewisse Elendsresistenz besitzt. Oder man einfach zusehen will, wie diverse Leute mit Laserknarren aller Art auf teils gewaltige Schleimberge in den unterschiedlichsten Rottönen ballert ;)
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Rezensionen – Suzumiya Haruhi no Shoushitsu

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#17
Dieser Film und die damals kurz nach Erscheinen des Films auftretenden Bewertungen, die schon fast unverschämt hoch wirkten, haben mich überhaupt dazu verleitet, der "Welt" von Haruhi eine Chance zu geben, denn vorher konnte ich mich einfach nicht dazu durchringen.

Letztendlich habe ich die Entscheidung nicht bereut, wenngleich ich trotzdem nicht, auch nicht durch den Film, zum Haruhiisten werde. Endless Eight tat weh, aber wie bereits in anderen Kommentaren erwähnt, ist dieser Abschnitt (bzw. Folgen 1 und 8) durchaus wichtig für den Sehgenuss, ebenso Bamboo Leaf Rhapsody. Generell sollte man die Serie gesehen haben, um mit dem gesamten Geschehen warm zu werden. Schließlich handelt es sich gewissermaßen um eine Fortsetzung.


Handlung
Allzuviel sollte man nicht erzählen, es wäre ja doch ein Spoiler. Die erste Viertelstunde wirkt noch ganz normal. Weihnachten rückt näher, Kyon durchlebt tapfer die Kälte und eine neue Eskapade seitens Haruhi, denn eine Weihnachtsfeier soll anstehen. Doch dazu kommt es nicht, denn am Morgen danach ist die Welt nur scheinbar die Gleiche. Fortan kann man Kyon beobachten, wie er auf die gravierende Änderung reagiert (das Warum an sich klärt sich später im Film) und wie er diese Änderungen bewältigt. Im Vordergrund stehen somit auch seine Beweggründe für spätere Entscheidungen und Handlungen sowie seine generelle Einstellung zu Haruhi, zur SOS-Brigade und all dem übernatürlichen Kram. Auch wenn ich ein Weilchen gebraucht habe, um warm mit der Handlung zu werden, letztendlich hat sie mir sehr gefallen.

Charaktere
Die große Hauptrolle trägt Kyon, der fast schon aus seinem Charakterbild ausbricht. Wer Kyon mal besonders emotionsgeladen und verzweifelt sehen wollte, der ist hier richtig. Vorher konnte man das in Ansätzen eigentlich nur in The Sigh of Haruhi Suzumiya sehen, also Staffel 2. Problematisch ist nur, dass die Veränderung recht rabiat und plötzlich kommt und seine Verzweiflung stellenweise (gerade im früheren Teil) aufgesetzt wirkt. Später wird das Ganze verständlicher, aber leider eben erst später. Und die vielen "Handgreiflichkeiten" erschienen mir einfach unpassend. In dieser Kategorie muss sich der Film von mir leider Kritik gefallen lassen, ein etwas dezenteres Vorgehen hätte sicher eine positive Wirkung gehabt.
Die anderen Charaktere, nun ja ... nur so viel: Es ist erstens mal etwas anderes, und zweitens zeigt sich im Laufe des Films auch, dass Haruhi auch ganz anders sein kann als üblich, auch wenn sie das nicht ohne Weiteres eingestehen würde. Etwas, worauf man lang warten musste, weil es bisher nur wenig durchschien. Ansonsten: Seht selbst

Optik
Man muss Kyoto Animation für diese Arbeit wirklich in hohen Tönen loben, wobei sie vermutlich auch ein größeres Budget hatten. Aber dieses haben sie gut genutzt, sodass der Film ausnahmslos ein großes Sehvergnügen darstellt. Wüsste nicht, wo ich was bemeckern sollte, falls tatsächlich Schludereien gibt, hab ich sie nicht gesehen oder sie waren gut versteckt. Weiter braucht es keine Details, denn die gesamte Optik ist einfach tadellos.

Akkustik
Rein für sich genommen sind die Lieder im Film ziemlich toll. Das Titellied ist das aus Staffel 2, passt aber zur typischen Animestimmung am Anfang des Films. Das Abspannlied wiederum untermalt die Schlussstimmung gut. Ansonsten gibt sich der Soundtrack recht pompös, manchmal vielleicht ein wenig zu viel. Insgesamt gefällt die musikalische Untermalung ziemlich gut. An den Synchronsprechern gibt es nix zu meckern, hier wurde erneut saubere Arbeit geleistet. Ein Punkt mehr auf der Liste für Gründe, sich Animes im Originalton zu genehmigen.

Fazit
Der nicht völlig gelungene Abschnitt nach dem von Kyon genannten Prolog, dank etwas ungünstiger Präsentation von Kyons Beweggründen, schmälert den Gesamteindruck ein kleines Bisschen. Trotzdem, der Film ist großartig und entschädigt mehr als genug für den Flopp namens Endless Eight. Ohne entsprechende Vorkenntnisse wird man vielleicht ein bisschen Verständnisprobleme haben, aber sonst gibt es von mir an alle Nicht-Haruhiisten eine klare Anschauempfehlung, Haruhiisten dagegen sehen den Film ja ohnehin unaufgefordert ;)
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Rezensionen – Shakugan no Shana S

Avatar: Acuros
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#18
*Kommentar wegen Unterschiede Anime - Lightnovel nochmal überarbeitet*

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die zwei Staffeln von Shakugan no Shana gesehen habe. Beide haben mir recht gut gefallen, ohne jetzt gleich den Status eines Bombast- bzw. Meisterwerkes einzunehmen. Alle, die die zweite Staffel gesehen habe, erinnern sich vermutlich an den relativ großen Slice-of-Life-Einschub zu Beginn der Serie. Dieser sorgte für geteilte Meinungen in großem Stile, war doch die Serie sonst eher rasantes Popcornkino, das einfach leichtherzige Unterhaltung versprach. Warum ich darauf verweise? Nun, es betrifft gewissermaßen auch diese OVA.


Handlung
Die OVA erzählt drei alleinstehende Geschichte, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie nach Staffel 2 spielen, oder nicht. Folgen 1 und 2 sind ohnehine eher losgelöste Alltagsfolgen, aber die anderen beiden machen eine Einschätzung nicht ganz leicht. Die OVA entspricht jedenfalls nicht dem typischen, sonst anzufindenden Popcornkino.

Die erste Folge ist, trotz der dramatisch klingenden Beschreibung, schonmal kein solches Actionspektakel, sondern in der Sparte "Lustiges Intermezzo" anzusiedeln. Hier geht es, wie die Beschreibung schon beschrieb, um das Reshuffle, dass unserem Heldenpaar eine lustige Körpertauschsituation beschert. Wenn man bedenkt, wie gegensätzlich die beiden Protagonisten doch sind und wie oft sie sich, nicht zuletzt Shanas temperamentvoller Art wegen, in die Haare kriegen, entsteht hier ein ganzer Batzen lustiger Situation.
Unangenehmer fällt da mein Urteil über die zweite Folge aus. Es ist nämlich nichts weiter als eine ziemlich belanglose Slice-of-Lice-Folge, in der Wilhelmina sich Sorgen über Shanas Heimlichtuerei macht, die schon seit mehreren Tagen anhält. Nur Yuuji scheint ihr eine Hilfe zu sein, denn dieser ist genauso ahnungslos ... im Gegensatz zum Rest. Das Ergebnis ist leider schon vorher klar, weshalb ich den Abschnitt leider als ziemlich fad empfand.
Die letzten beiden Folgen hängen zusammen und zeigen einen Auftrag von Shana in einer anderen Stadt, der sogar am Ende der letzten Folge winzige Andeutung über Geschehnisse am Ende der zweiten Staffel macht ... so schien es mir. Genauso gut könnte man die Folgen jedoch Shanas Vergangenheit zuteilen, wobei hier dann wieder die Schlussszene seltsam wirkt. Das Problem ist wohl, dass mit Staffel 2 die Distanz zur Light Novel in den letzten Folgen sehr groß geworden ist und dass dieses OVA dazu sein sollte, zur nächsten Staffel überzuleiten. Ob das nun gelungen ist, wird sich wohl erst mit Staffel 3 klären ... Jedenfalls erwartet den Zuschauer hier eine ruhig und auch etwas melancholisch erzählte Geschichte über ein frisch verliebtes Mädchen, das gleich zu Beginn als Torch entblößt und daraufhin (von Shana) "erlöst" wird. Es gilt nun die Identität des Tomoguras herauszufinden, weshalb Shana sich als Freundin des nun wieder Single seienden Kerlchen ausgeben, um Hinweise auf den Übeltäter zu finden. Nur macht sich dieser ungewöhnlich rar ...
Von der Inszenierung des Ganzen sind die zwei letzten Folge sicherlich das Highlight der OVA. Sie wissen vielleicht zu gefallen, entsprechen aber nicht gerade der üblichen Shakugan-no-Shana-Stimmung und dürften deswegen wohl auch erneut für geteilte Meinungen sorgen ... so wie vermutlich die ganze OVA an sich.

Charaktere
Durchgängig anwesend ist eigentlich nur Shana; Yuuji und Wilhelnina dagegen nur in den ersten zwei Folgen. Der Rest der Rasselbande muss leider ein Dasein als Gäste führen, hat mich bei der Kürze aber nicht sehr gestört. Die erste Folge hat mich mal wieder daran erinnert, dass das Zusammenspiel zwischen Shana und Yuuji doch immer wieder unterhaltsam und angenehm zu verfolgen ist, und der Cast von SnS insgesamt immer noch sympathisch ist. Besondere Aufmerksamkeit erhält aber eben nur Shana, die die letzten beiden Folge mehr oder weniger allein trägt. Diese zeigen mal wieder ihre ruhige, distanzierte und auch menschenfremde Seite, das ich als recht interessant zu verfolgen empfand. Leider ist gerade das Paar aus Folgen 3 und 4 nicht grad kreativ ausgefallen, allzusehr hat es mich trotzdem nicht gestört.

Optik
Tjoar, sowohl als auch, würde ich sagen. Dadurch, dass kaum Actionszenen vorhanden sind, dürfte das Team nicht gar so schwere Arbeit gehabt haben wie sonst vielleicht, aber zumindest kann sagen, dass die gesamte OVA atmosphärisch sehr gelungen ist. Der Zeichenstil kam mir auch sauber vor, allerdings bin ich nicht der Mensch, der allzusehr auf solche Dinge achtet. Absolute Spitzenklasse würde ich es nicht nennen. Etwas fad war der Kampf in Folge 4, wirklich Effekte gibt es nicht zu sehen, auch wenn die rasante Fahrt durch die Stadt schon unterhaltsam anzusehen war. Wer die vierte Folge gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Insgesamt auf jeden Fall in Ordnung, nichts dabei, das den Sehgenuss trüben dürfte.

Akkustik
Kann man auf jeden Fall als gelungen ansehen. Die Musik ist allein nicht besonders Spektakuläres, unterstreicht aber alle Situationen der OVA passend, gerade die letzten beiden Folgen sind musikalisch recht gelungen unterlegt. An der Geräuschkulisse gibt es ebenfalls nix zu meckern, jedenfalls fiel mir da nichts Negatives auf. Und schließlich noch ein Wort zur Synchronisation: Shana, Yuuji und Wilhelmina erkennt auch daran leicht wieder, ihre ganze Charakteristik kommt vom Gesprochenen her auch wieder so rüber wie in der Serie. Besonders amüsant war da eben die erste Folge, die Sprecher unserer zwei Helden haben die Situation sehr unterhaltsam eingefangen. Ansonsten haben die meisten anderen bekannten Figuren ja doch nur kurze Auftritte, sodass man hier ohnehin nicht falsch machen konnte.

Fazit
Jedem, der die Serien gesehen hat, kann ich die OVA zumindest zum einmaligen Anschauen empfehlen. Man braucht sich hier kein Meisterwerk erwarten und muss auch eine schwächere Folge in Kauf nehmen, kann aber durchaus mit der Geschichte danach entschädigt werden. Letztendlich könnten "falsche" Erwartungen den Sargnagel für diese OVA bedeuten, weshalb ich einfach empfehle, am besten gar keine zu haben. Dieses Werk erzählt drei vergleichsweise ruhige Einzelgeschichten, die allesamt kein Actionspektakel sind, sondern humorvolle, aber auch melancholische Aspekte vereinen. Mir jedenfalls hat es gut gefallen, und ich hoffe auf eine richtige dritte Staffel in absehbarer Zeit.
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Rezensionen – Zoids Genesis

Avatar: Acuros
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#19
Hin und wieder kommt es vor, dass man bei Animes daneben greift. Mir ist's nun wieder passiert - Zoids Genesis erhält die schlechteste Bewertung, die ich seit Jahren vergeben habe. Nach 22 Folgen habe ich die Faxen wirklich richtig dicke und breche seit geraumer Zeit mal wieder einen Anime ab.


Handlung
Ich hatte ja am Anfang noch die Hoffnung, die Handlung könnte einigermaßen in Ordnung sein: Eine Welt, die vor tausenden Jahren zerstört wurde, weil sich die Erdachse verschoben hat, und tausende von Jahren später wieder besiedelt wird, kann ja durchaus interessant sein - komisch hingegen das Vorhandensein von tierartigen "Mechagolems", die von den Menschen gesteuert werden. Manche große (und natürlich ganz toll aussehende) Exemplare können nur von bestimmten Personen aktiviert werden – nicht jeder kann jeden Zoid, so heißen diese Teile, steuern. So auch ein tigerartiges Vieh, das gleich zu Beginn von den Einwohner des Dorfes Miroodo geborgen wird – darunter auch unser Protagonist Ruuji.
Doch oh Schreck! Böse Truppen vom weit nördlich gelegenen Reich Digald greifen das Dorf aus heiterem Himmeln an, um an das Reggel, Treibstoff für die Zoids, und den Reggel produzierenden Generator zu kommen. Aber welch Wunder! Ruuji kann den Zoid aktivieren, was sonst keiner konnte, und springt heldenhaft in die Presche. Ebenso tauchen zwei weitere Zoids auf, die allesamt über besondere Metallwaffen verfügen, ohne die man die bösen Zoids nicht erledigen kann (seufz ...). Und natürlich (ja, es ist wirklich furchbar offensichtlich) kommt es, wie es kommen muss, der Generator geht trotz fast gewonnenem Kampf flöten, das Dorf droht dadurch auszusterben, der Held soll nun ausziehen, um einen Mechaniker zu finden, der ihn repariert. Warum ein ausgeschalteter Generator allerdings das Dorf zum Aussterben bringen soll – ich weiß es nicht.
Klingt lahm? Jop, und es wird nicht besser: Die Erklärung für die Existenz der Zoids wird quasi glatt unterschlagen, der ganze Verlauf ist oftmals erschreckend vorhersehbar, Spannung kommt quasi kaum auf, die lustigen oder vermeintlich dramatischen Szenen wirken oftmals aufgesetzt ... Mitfiebern? Berührt sein? Lachen? Überhaupt Emotionen? So gut wie immer Fehlanzeige, sieht man von zornigem Genervtsein ab ...

Charaktere
Die Charaktere reichen von platt über generisch bis hin zu albern und nervig. Glaubwürdigkeit ist Mangelware, Sympathien finden und Bezug aufbauen – das kann man so ziemlich vergessen, wenn man nicht grad zur jüngeren Sorte gehört und bislang nur wenig Animes gesehen hat. Nicht ein einziger Charakter ist erinnerungswürdig: Die Guten sind die Guten, die Bösen die Bösen – Einfallslosigkeit, wohin man schaut. Schlimmer noch: Gestalten wie Mii, Garada oder gar dieses katastrophale Comic-Relief-Quintett namens Tenkaidingsdabums, die derart abgedroschen sind, das ich's gar nicht fassen konnte, zerren schlimm an den Nerven des Zuschauers. Der Protagonist hingegen ist der typische Gutmensch mit Selbstzweifeln und naiven Ansichten, sonst aber wenig zu bieten hat außer unglaubwürdiger Verhaltensweise, um den Zuschauer zu quälen. Ra Kan ist der arme gebrochene Mann, der sein Königreich verloren hat, aber zumindest ganz erträglich ist. Kotoha ist am Ende vielleicht noch die sympathischste von allen, aber leider ebenfalls nicht sonderlich interessant.
Bei den Bösen sind namentlich erstmal nur Zairin und Georg wichtig, aber beide sind so stereotyp, dass es schmerzt. Insbesondere ihr Handeln ist einfach nicht nachvollziehbar. Auch die allgemeine Natur des Königreichs Digald wirkt so konstruiert und altbacken.
Und die Nebencharaktere? Statisten frisch aus dem Schablonenwerk. Ein kreativer und sympathischer Cast kann einige Patzer retten – Zoids Genesis hat aber keinen solchen Schwimmring. Im Gegenteil, was die Charaktere angeht, versagt die Serie deutlich. Ein Armutszeugnis, wie ich es lang nicht mehr erleben durfte!

Optik
Nächster Schwachpunkt sind Zeichenstil und Animation. Während die Zoids mittels vernünftigem CG gut in Szene gesetzt sind und sogar gut animiert sind, sind Hintergrund und Zeichnung allgemein sehr dürftig ausgefallen – selbst mein ungeschultes Auge musste das deutlich bemerken. Es passt auch leider schlecht zusammen, die eher detaillierten Zoids wirken vor den billigen Hintergründen etwas fehl am Platz. Die Inszenierung der Kämpfe hingegen ist bestenfalls erträglich, oftmals aber auch eher fad. Wirklich Spannung kommt wenig auf, und wenn, dann nur geringfügig. Bittererweise waren die Kämpfe noch der beste Teil an der Serie ...
Ansonsten sind man verdammt viel Standbilder, einige Szenenrecyclings sowie diverse Speedlines. Alles, was nicht Zoid ist, wirkt ziemlich sparsam und starr. Wahrlich: Zoids Genesis ist leider kein wirkliches Vergnügen für die Augen.

Akkustik
Wenigstens ein Aspekt, wo sich die Serie gut schlägt, ist der Soundtrack, den der ist doch ziemlich gelungen. Grad die Kampfstücke bereiten wenigstens ein bisschen Vergnügen in diesem Elend – aber retten kann der OST die Misere nicht.
Die Synchronsprecher kriegen hingegen wenig Lob zu hören. Die Emotionen kommen schlecht rüber, oftmals wirkt es auch einfach aufgesetzt, und Dorfbewohner, deren Dorf grad abfackelt, wirken nicht sonderlich entsetzt, jedenfalls nicht so, wie man es erwarten würde. Von den Finsterlingen will ich nicht anfangen, hier sieht es ähnlich schlecht aus. Die Geräusche sind in Ordnung, mehr auch nicht.

Was am Ende bleibt ...
Zoids Genesis reitet sich zwei Meter in den Dreck, zieht sich einen Meter wieder raus, um sich gleich wieder zwei hineinzustoßen – auch wenn ich nur 22 Folgen gesehen habe, ich ahne Schlimmes, nämlich dass die Serie noch generischer wird und meine Stirn noch mehr „Facepalms“ erleiden muss. Je länger ich schaute, desto mehr ging mir das Werk auf die Ketten. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob die Macher das Werk wirklich ernstgenommen haben, denn so manches Mal hatte ich durchaus Zweifel daran.
Ich kann Zoids Genesis eigentlich nur Mechaverrückten empfehlen, aber selbst denen lege ich ans Herz, von vornherein bei Handlung, Charakteren und auch Animation klare Abstriche zu machen - oder die Serie lieber gleich links liegen zu lassen. Etwas, das auch ich hätte tun sollen.
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