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Anime Reviews

Gojira Tai Megagirasu: Jii Shoumetsu

Avatar: Slaughtertrip#1
Historie:
Godzillapril #1
Godzillapril #2
Godzillapril #3
Godzillapril #4
Godzillapril #5

Dieser Film setzt die Millennium-Staffel fort, die beim Vorgänger »Godzilla 2000: Millennium« ihren Anfang genommen hat.

Handlung:
Da sich Godzilla von bestimmten Energiequellen, unter anderem von Atomkraft, angezogen fühlt, wird nach einer neuen Energiequelle gesucht. Diese hat man mit Plasma gefunden, und die Energiegewinnung durch Atomkraft wird komplett eingestampft. Wie auch schon beim Vorgänger könnte man den Plot als ein klares und deutliches »NEIN!« gegen Atomkraft interpretieren.

Auch in diesem Film gibt es mit G-GRASPER eine neue Organisation, die sich dem Kampf gegen Godzilla verschrieben hat. Es ist schon auffällig, dass in den Godzilla-Filmen andauernd neue Organisationen aufploppen und so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Der Handlungsstrang um das »Godzilla Protection Network« aus dem Vorgänger wird hier nicht weitergesponnen, weshalb man bereits nach dem zweiten Film der Millennium-Staffel sagen kann, dass die Filme nur lose miteinander verknüpft sind. Manche Schauspieler tauchen zwar in mehreren Godzilla-Filmen auf, jedoch spielen diese meistens eine andere Rolle. So z.B. Misato Tanaka, die hier Kiriko Tsujimori spielt und in »Godzilla against Mechagodzilla« eine Krankenschwester. Oder aber auch Masatou Ibu, der hier Motohiko Sugiura spielt und in »Godzilla: Final Wars« in die Rolle eines Xilien-Generals schlüpft. Auch wenn die Filme der Millennium-Staffel mit Ausnahme der MechaGodzilla-Filme nur wenig bis kaum Bezug zueinander haben, freut sich die Fangemeinde ungemein über diese liebevollen Cameo-Auftritte. Ich schweife ab ... wieder weiter zur Handlung ...

G-GRASPER besitzt zwei Waffen, mit denen sie Godzilla endgültig den Garaus machen wollen. Einerseits ein Kampfflugzeug namens Gryphon (lol, viel Erfolg – das Ding ist nur ein normaler Kampfjet) und andererseits die Dimension Tide, mit der man ein schwarzes Loch auf Godzilla abfeuern möchte. Echt jetzt: Was ist wohl gefährlicher? Godzilla oder ein schwarzes Loch? Wie zum Kuckuck kann man nur glauben, dass das eine gute Idee ist? Und wie einfach die handelnden Personen sich das vorstellen. Schon alleine der ernsthafte Blick von Prof. Yoshizawa und Hajime Kudo, als erstere sagt: »Uns bleibt wohl keine andere Wahl, als ein schwarzes Loch vom All aus auf Godzilla zu schießen.« Ja, viel Erfolg damit, ich mach mich derweil aus dem Staub. Ich schweife wieder ab …
Das Abfeuern der Dimension Tide hat zur Überraschung aller (außer natürlich des Zusehers) ein kleines Hoppala verursacht. Die Dimensionen wurden verzerrt, was riesige Insekten namens Meganulon hervorgebracht hat. Diese entwickeln sich später zu den Meganula und noch etwas später zu Megaguirus, Godzillas Kaijuu-Widersache in diesem Film. Ein kleines Hoppala!? Hier hits the shit the fan!

An dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an den Physikstudenten @Nova Lunaris aussprechen, der mich in meiner Vermutung bestätigt hat, dass es keine so dolle Idee ist, mit schwarzen Löchern herumzuballern.

Godzilla:
Dieser Godzilla sieht dem Godzilla aus dem Vorgänger so ähnlich, dass ich mir nicht sicher bin, ob überhaupt ein komplett neues Kostüm angefertigt wurde. Mich beschleicht jedenfalls das Gefühl, dass seine Eckzähne und Krallen etwas mehr gebogen sind, und er sieht etwas schlanker aus. Das kann aber auch am Blickwinkel liegen. Vergleicht selbst und macht daraus ein Spiel namens »Alter oder neuer Godzilla?«

Kaijuu:
Die Insekten in all ihren Variationen gefallen mir super, auch wenn man vielleicht nicht sofort den Unterschied zwischen den Meganulon und den Meganula erkennt. Wie auch schon im Film »Godzilla vs. Destoroyah«, in denen die kleinen Destoroyahs die Menschen angegriffen haben, gibt es hier mit den Meganulon und den Meganula menschengroße Monster, die eine gewisse Horroratmosphäre erschaffen. In diesen Momenten sind Godzilla-Filme immer am grusligsten.
Wenn man sich diesen Film ansehen will, sollte man keine Insektenphobie besitzen, denn mit Megaguirus gibt es hier ein Insekt, das so groß wie ein Hochhaus ist. Megaguirus entstand, nachdem die Meganula Energie von Godzilla abgezapft und diese in seine Larvenform injiziert haben. Danach starben die Meganula, weil plot device.

Kämpfe:
Godzillas Kampf gegen die Meganula kann man sich ungefähr so vorstellen wie den Kampf eines Menschen gegen einen Bienenschwarm. Die Viecher sind unglaublich lästig und saugen mit ihren Stacheln Godzillas Energie aus. Für diese ist er nämlich nur eine Energiequelle, um Megaguirus zu erwecken. Godzillas Mundstrahl ist hier besonders effektiv. Damit kann er dutzende Meganula auf einmal plätten.

Der Kampf gegen Megaguirus hat jede Menge zu bieten: Action, Gelächter und what the fucks. Den Kampf gegen Orga im letzten Film habe ich ziemlich stark kritisiert. Dieser hat nur wenige Höhepunkte und kommt mir etwas träge vor. Die Produzenten scheinen das im Nachhinein vielleicht genauso gesehen zu haben, weshalb der Kampf gegen Megaguirus das genaue Gegenteil davon ist. Megaguirus ist wohl der schnellste Gegner, den Godzilla jemals hatte. Man ging hier also von einem Extrem ins andere. Die Gesetze der Natur werden hier einfach so ausgehebelt, indem Megaguirus filigran durch die Lüfte segelt mit dem Tempo von The Flash. Aber wen juckt das bei einem Godzilla-Film? Sein Arsenal an Angriffen ist jedenfalls nicht zu verachten. Er kann hochfrequente Töne erzeugen, doch seine gefährlichste Waffe ist wohl sein Stachel. Damit kann er nicht nur zustechen, sondern auch die Energie seiner Feinde aussaugen. Seinen Stachel setzt er auf besonders fiese Weise ein, indem er diesen in den Körper von Godzilla hineinjagt – und zwar nicht besonders weit von jener Stelle entfernt, an der sich sein Penis befinden sollte, und das gleich zwei Mal, der fiese Sack! Woanders könnte man vielleicht eine Diskussion starten, ob Godzilla einen Penis hat bzw. wo sich dieser befindet. Wirklich cool ist die Szene, in der Godzilla seinen Schwanz benutzt, um den Stachel von Megaguirus zu packen. Der Kampf entwickelt sich hier sozusagen zu einem Schwanzvergleich. Megaguirus kämpft außergewöhnlich kreativ. In einer Szene lässt er einfach so einen Gebäudeteil auf Godzilla plumpsen. Es wird aber auch lustig. Ihr habt doch bestimmt schon 100x gesehen, dass zwei Kontrahenten aufeinander zulaufen, gleichzeitig attackieren und dann so lange stehenbleiben, bis sich abzeichnet, wer von den beiden den entscheidenden Schlag gelandet hat. Dieser klassische Martial-Arts-Move kommt auch hier vor. Die Auswirkung der Attacke, die immer mit etwas Verzögerung eintritt, um für Spannung zu sorgen, wird auch hier ersichtlich, als Megaguirus‘ Beinchen abgetrennt wurde. Eine der witzigsten Attacken, die ich jemals in einem Godzilla-Film gesehen habe, hat man sich vom Wrestling abgeguckt. Godzilla springt in die Höhe und landet mit seinem Bauch voran auf seinem Gegner, was im Prinzip ein Big Splash ist.

Non-Kaijuu:
Auch in diesem Film sind die Menschen wieder sehr sympathisch. Kiriku Tsujimori ist eine taffe Soldatin von G-GRASPER. Ihr Vorgesetzter, Takuji Miyakawa, starb bei einem Godzilla-Angriff, als er ihr Leben gerettet hat.
Mit Hajime Kudo wirbt Kiriku einen genialen Mikroelektroniker an, der bereits bei seinem ersten Auftritt Sympathiepunkte sammelt, indem er ein paar Kinder mit seinen hochentwickelten Spielzeugen unterhält.
Mit Jun gibt es auch in diesem Film ein kleines Kind, das eine zentrale Rolle spielt. Der Film wird dadurch für Kinder noch zugänglicher gemacht. Obwohl … als ich noch klein war, war ich vollends glücklich damit, mir Männer in Monsteranzügen anzusehen, die sich gegenseitig eine auf die Glocke geben.

Technisches:
Ich habe bereits schon mehrmals erwähnt, dass die Szenenbilder von Godzilla-Filmen oft Miniaturmodelle sind, denen man dies auch ansieht. – Und dieser Film ist keine Ausnahme. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Das ist unheimlich charmant. Der SGS hat doch sicher in einem Überraschungsei Platz, oder? Auch der Gryphon sieht wie ein Spielzeug aus. Dass dieser kein riesiges, schweres Kampfflugzeug ist, kann man erkennen, wenn er aus dem Hangar rollt. Man sieht nämlich, dass die Reifen stellenweise nur geringfügigen Bodenkontakt haben, weshalb diese kurz aufhören zu rollen. Die Computereffekte haben hier wieder einen Schritt nach vorne gemacht, nachdem sie im letzten Film zwei Schritte zurückgemacht hatten. Das fliegende, brennende Auto hat locker eine 10 auf der Coolness-Skala verdient.

Fazit:
Der Film macht wahnsinnig viel Spaß. Es gibt viele Sachen zu entdecken, von denen ich mir aber nicht sicher bin, ob auch wirklich jeder Zuseher diese entdecken möchte. Nicht jeder Zuseher möchte entdecken, dass hier die Regeln der Physik nicht nur gebrochen, sondern auch noch zerstampft, zerhackt und eingeäschert werden. Nicht jeder Zuseher möchte entdecken, dass die gruslige Atmosphäre, welche durch die ekligen Insekten aufgebaut wird, gegen Ende mit der ulkigen Stimmung einer Nonsense-Komödie vermengt wird. Ich ließ mich auf diese Entdeckungsreise ein, und was ich gefunden habe, sorgte zwar manchmal für irritierende Blicke, aber ich lasse mich lieber irritieren als langweilen. Dieser Film besitzt viele Elemente, die Godzilla-Filme in ihrer Gesamtheit ausmachen. Wenn man mit diesem Film so rein gar nichts anfangen kann, rückt die Möglichkeit, ein Godzilla-Fan zu werden, in weite Ferne.
Post was last edited on 17.04.2021 um 07:03.
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Gojira Nisen Millennium

Avatar: Slaughtertrip#2
Historie:
Godzillapril #1
Godzillapril #2
Godzillapril #3
Godzillapril #4

Könnt ihr euch noch an die Jahrtausendwende erinnern? Als ein Hype durch die Massen ging und alles auf einmal »Millennium« im Namen hatte? Da gab’s z.B. die Fernsehserie »Millennium – Fürchte deinen Nächsten wie Dich selbst«, das Album »Millennium« von den Backstreet Boys (hiervon möchte ich mich deutlich distanzieren!), die Millennium-Achterbahn, das »Millennium Series« genannte Paintball-Turnier, den Fernsehfilm »Der Millenniumsmörder« oder den Millennium Dome, der heute ganz anders heißt, weil der 2000-Hype schnell wieder verflogen war. Nur der Millennium Falke hatte schon »Millennium« im Namen, bevor dieses Wort cool wurde. Und natürlich gibt es auch einen Godzilla-Film, dem man den Begriff »Millennium« in den Titel gepackt hat: »Godzilla 2000: Millennium«! Mit diesem Film startet die – wer hätte es gedacht? – Millennium-Staffel des Godzilla-Franchise.

Handlung:
Yuuji Shinoda und seine Tochter Io gehören dem Godzilla Protection Network (GPN) an. Im Gegensatz zur Armee haben die beiden nicht vor, Godzilla zu vernichten. Sie wollen ihn studieren und von ihm lernen, aber gleichzeitig versuchen sie auch, den Schaden, den er anrichtet, so gering wie möglich zu halten. Die ersten ca. 35 Minuten drehen sich um den von vornherein zum Scheitern verurteilten Angriff der Armee auf Godzilla. Immerhin können die Soldaten jetzt sogenannte Vollmetallraketen aus ihren Waffen abfeuern. Ein Versuch ist es also wert.
Währenddessen wird im Meer ein UFO entdeckt, über dessen Alter das Produktionsteam anscheinend etwas unschlüssig war. Am Anfang wird von 60.000.000 Jahren gesprochen, dann von 80.000.000 Jahren. Ein Unterschied von 20.000.000 Jahren ist kein Zeitraum, den man mit einem Wimpernschlag überbrücken könnte (außer es handelt sich dabei um einen gaaaaanz langsamen Wimpernschlag). Bitte etwas mehr Kontinuität! Aus den Aliens, die sich im UFO befinden, entwickelt sich Orga – Godzillas nächster Kontrahent, der for the sake of the plot mal wieder genauso groß ist wie die Riesenechse selbst.

Godzilla:
Der ersten Inkarnation der Millennium-Staffel wurde natürlich wieder ein etwas anderes Äußeres gegeben. Sein Maul ist etwas breiter und seine Zähne stehen weit heraus. Seine Augen sind zwar relativ groß, wirken aber etwas kleiner, weil die Augenlider spitz nach unten verlaufen und Godzilla dadurch permanent grimmig aussieht. Seine charakteristischen Rückenplatten sind sehr groß und zackig, was deutlich furchteinflößender aussieht als die meist etwas kleineren und rundlicheren Rückenplatten aus den Vorgänger-Staffeln. Sein Mundstrahl wurde auch grunderneuert. Dieser ist hier etwas rötlicher statt blau (Vergleichsbild aus »Godzilla vs. Spacegodzilla«) und sieht mehr nach heißem Dampf aus als nach einem Energiestrahl, und das Leuchten seiner Rückenplatten signalisiert, dass er kurz davor ist, seinen Signature Move abzufeuern. Godzillas Erstauftritt wird sehr geheimnisvoll dargestellt, so als ob man größtmögliche Spannung aufbauen möchte, auch wenn jeder weiß, wie Godzilla in seinen Grundzügen aussieht. Zuerst sieht man nur sein Auge, dann trampelt er über das Festland und zerstört mit seinem Schwanz ein Haus. Mit dieser Szene vom schwimmenden Godzilla sieht man ihn zum allerersten Mal in einem japanischen Film vollständig computergeneriert. Aber keine Angst! – Nach wie vor wird Godzilla in fast allen Szenen von einem Kerl in einem Gummikostüm gespielt. Eine kleine Besonderheit: In diesem Film besitzt Godzilla eine extrem hohe Regenerationskraft, was für die Story des Films wichtig ist. Die Zelle, die für seine Regenerationskräfte verantwortlich ist, wird nach ihrer Entdeckung »Organizer G-1« genannt.

Kaijuu:
Bevor mit Orga der Hauptantagonist-Kaijuu auftaucht, muss man sich zuerst mit einem Stein zufriedengeben. Der Weg von einem Stein zu einem Kaijuu ist steinig, aber 98 Minuten Laufzeit sind dafür ausreichend. Na gut, ein Stein ist das nicht wirklich, sondern ein nach einem Stein aussehendes UFO, das manchmal wie ein Stehaufmännchen schief aus dem Wasser ragt.
Irgendwann macht man Bekanntschaft mit den – wie soll es auch anders sein? – Millennians genannten Aliens. Diese sehen aus wie Quallen. Ganz ehrlich: Der UFO-Stein ist spannender. Die Aliens dringen in den Supercomputer des City Towers ein und stehlen die Daten der Bewohner. Sie möchten die Atmosphäre verändern und diese ihren Lebensbedingungen anpassen. Dieser Plan wird – wie auch sonst? – als »Millennium« bzw. »tausendjähriges Reich« bezeichnet.
Endlich! – Nachdem die Aliens die DNA von Godzilla angezapft haben, mutieren diese zu Orga. Und dieser sieht so richtig hammermäßig aus. Man stelle sich nur vor, Orga würde im Real Life auftauchen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ganz scharf die angsterfüllten Gesichter der Menschenmassen, und vor meinem »geistigen Ohr« höre ich ebenjene ganz laut und deutlich schreien: »AAAH, ein Alien!«

Kämpfe:
Die erste Szene, die ich als »Kampf« bezeichnen würde, ist der Kampf gegen den UFO-Stein. Das sorgt für Abwechslungsreichtum, aber nicht für Spannung. Wenn ich mir die Interaktion einer Echse mit einem Mineral ansehen möchte, kann ich mir auch genauso gut angucken, wie ein Salamander über einen Stein kraxelt.
Der Kampf gegen Orga hätte etwas besser sein können. Die Kaijuu sind natürlich sehr groß und können bzw. sollten sich nicht allzu schnell bewegen, damit zumindest etwas Realismus bewahrt wird. Dennoch kam mir der Kampf ungemein langsam vor. Dass es nur ganz wenige Höhepunkte und einprägsame Momente gibt, macht die ganze Sache nicht interessanter. Nur dass Godzilla von Orga angezapft wird und dadurch eine weitere Mutation zu Godzilla selbst vollziehen möchte, ist eine nette Idee. Dass Orga zumindest teilweise Erfolg damit hat, erkennt man an seinem grünen Leuchten. Der – Achtung, das verlinkte Bild könnte ein Spoiler sein – allerletzte Angriff von Orga ist wirklich klasse. Nur schade, dass es auf der Hand liegt, in welche Richtung sich dieser entwickeln wird. Ihr könnt euch gerne das Bild ansehen und raten, wie der Angriff wohl enden wird, wenn ihr ohnehin nicht vorhabt, euch den Film anzusehen.

Auflösung:

Godzilla feuert seinen Mundstrahl ab, während sich sein Kopf im Inneren von Orga befindet.

Non-Kaijuu:
Io Shinoda ist zwar nur ein kleines Kind, aber bereits ein Genie. Sie kümmert sich um die gesamte Verwaltung bei GPN und wirkt erwachsener als so mancher Erwachsene. Ich denke, den Kindern wird es gut gefallen, dass ausgerechnet ein Kind eine zentrale Rolle in diesem Film einnimmt und auch ernst genommen wird.
Yuuji Shinoda ist der Vater von Io. Er will Godzilla am Leben halten, weil dieser ein wandelndes Rätsel und der Schlüssel zur Entstehung aller Lebewesen ist. Zusammen mit seiner Tochter bildet er ein sympathisches Team.
Mitsuo Katagiri ist der »Anti-Yuuji« und möchte Godzilla töten. Er ist der Kanzleramtschef und gleichzeitig der Chef des Nachrichtendienstes im Krisenstab. Sein Schrei, als Godzilla genau vor ihm steht, ist wohl einer der epischsten überhaupt im gesamten Godzilla-Franchise. Das wird nur noch vom Schrei aus »Troll 2« übertroffen – einer Horrorkomödie, die heutzutage Kultstatus erreicht hat und Gegenstand vieler lustiger Memes ist.

Technisches:
Typisch für Godzilla-Filme sind Szenenbilder, denen man zwar ansieht, dass es sich hierbei nur um Miniatursets handelt, welche aber für den Charme der Godzilla-Filme unabdingbar sind. Man sollte vielleicht ein Faible für praktische Effekte besitzen, um Godzilla-Filme vollends genießen zu können. Für manch einen könnte es vielleicht etwas merkwürdig anmuten, wenn Godzilla von rechts nach links durch die Stadt latscht. Man beginnt, an der Qualität der Effekte zu zweifeln. Bei computergenerierten Effekten hinken die Japaner immer etwas dem Hollywood-Standard hinterher. Die Boote auf dem Wasser sehen so aus, als würden sie über der Wasseroberfläche schweben*; die Millenians sehen mies und das UFO** sieht noch mieser aus.

*Beim Film selbst noch deutlicher zu erkennen als auf dem Bild.
**Farbliche Variation? Schattierungen? Eine gewisse Tiefenwirkung? Der Versuch, das Ding nicht so aussehen zu lassen, als sei ein Praktikant daran gesessen, der das Produktionsteam trollen möchte? Fehlanzeige!

Sonstiges:
In Godzilla-Filmen gibt es nicht viele Comedy-Szenen, sofern man alles, was unbeabsichtigt komisch ist, ausblendet. In diesem Film wurde eine humoristische Szene untergebracht, die man in ihrer Ausführung schon fast als Klassiker bezeichnen kann. Während ein Typ einen Stock in der Hand hält und einem zweiten Typen den Weg erklärt, schlägt er mehrmals und unbeabsichtigt seinen Stock gegen den Kopf eines dritten Typs. Das ist Slapstick der alten Schule.
Als der UFO-Stein ein Gebäude zerstört, erkennt man große Ähnlichkeiten zur berühmten Szene aus dem nur drei Jahre zuvor veröffentlichten Film »Independence Day«, in der das Raumschiff das Weiße Haus zerstört. Diese Szene könnte eine Hommage an den großen Hollywood-Bruder sein.
Einen ganz bestimmten Satz könnte man als Message interpretieren. Wenn gesagt wird, dass Godzilla genau dann aufgetaucht ist, als die Wissenschaft die Kontrolle über ihr Treiben verloren hat, könnte man das als Warnung an die Menschen interpretieren: Hört auf mit Atombombentests und dem ganzen Quatsch, denn sonst wird sich der Planet dafür rächen!

Fazit:
Der Film schwächelt etwas. Es wird zu Beginn viel zu viel Zeit mit einem Angriff der Armee verschwendet, von dem ohnehin jeder weiß, dass dieser keinen Erfolg bringen wird. Auch wenn das Resultat vorhersehbar ist, sind diese Szenen dennoch gut gemacht. Der UFO-Stein ist mehr als uncool. Was soll ich großartig Positives darüber sagen, wenn Godzilla gegen einen Stein kämpft? Und ich übertreibe nicht. Sogar auf Wikipedia wird das Ding als »Fels« bezeichnet. Das Alien, das aus dem UFO-Stein entschlüpft, könnte genauso gut aus einem alten Playstation-Spiel entsprungen sein. Zudem hat es viel zu wenig Screentime, um nicht nur einen bleibenden, sondern überhaupt irgendeinen Eindruck hinterlassen zu können (mit Ausnahme des Eindrucks, dass es hässlich aussieht). Orga sieht zwar toll aus, und seine Anzapffähigkeit kann auf vielerlei Hinsicht interessant eingesetzt werden, aber der Kampf selbst ist eine Enttäuschung. Genauso wie die computergenerierten Effekte, die einen Schritt zurückgemacht haben im Vergleich zum Vorgänger »Godzilla vs. Destoroyah«. Die kleine Shinoda-Familie gefällt mir jedoch sehr gut. Die Menschen in den neueren Godzilla-Filmen sind mir ohnehin oft sympathischer als jene in den etwas älteren. Die Makel des Films sind vielleicht nicht lustig genug, um sich über den Film als Gesamtpaket wirklich amüsieren zu können. – Außer vielleicht über den UFO-Stein. Und wer sieht sich schon einen japanischen Godzilla-Film an, wenn er in Stimmung auf ein seriöses Werk ist? Guckt euch lieber »Troll 2« an. – Der ist lustiger.
Post was last edited on 17.04.2021 um 05:51.
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Gojira tai Destoroyah

Avatar: Slaughtertrip#3
Historie:
Godzillapril #1
Godzillapril #2
Godzillapril #3

Ihr fragt euch bestimmt nicht, was mein Lieblingsfilm aus dem Godzilla-Franchise ist. Um eine Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt wurde, zu geben: Der da!

Handlung:
Der Film hält sich nicht mit einer langatmigen Einleitung auf. Ein rot glühender und dampfender Godzilla ist zu sehen, der den möglichen Weltuntergang einläutet. Da dies der letzte Film der Heisei-Staffel ist, ist der Weltuntergang sogar kein gänzlich unwahrscheinliches Szenario. Mit jeder weiteren Staffel kommt es nämlich ohnehin immer zu einem Reboot.

Einer der menschlichen Hauptcharaktere ist der junge Student Kenkichi Yamane. Dieser ist der Enkel von Prof. Kyouhei Yamane (rechts im Bild zu sehen), der eine wesentliche Rolle im allerersten Godzilla-Film – schlicht »Godzilla« betitelt – spielt. Kenkichi hat Godzilla analysiert und herausgefunden, dass dieser bald explodieren wird, sobald er eine Körpertemperatur von 1.200° Celsius erreicht. Laut seiner Analyse wird sich die Erdatmosphäre aufheizen, und infolgedessen wird sämtliche Materie verdampfen. Klingt schlimm, oder? Es kommt aber noch dicker. Dass Godzilla explodieren wird, basiert auf einer Fehlkalkulation von Kenkichi, was er jedoch erst etwas später im Film herausfindet. Er korrigiert sich selbst und gibt der japanischen Regierung bekannt, dass Godzilla eine Kernschmelze verursachen wird, die sogar noch verheerender sein soll.

Um diese Katastrophe zu verhindern, wird das Kampfflugzeug Super-X III ausgeschickt. Mit seinen Gefrierwaffen kann es Godzilla zwar temporär kühlen, aber die Bedrohung ist dadurch nicht gebannt. Was für ein »Glück«, dass später mit Destoroyah ein Monster auftaucht, in das die Menschheit all ihre Hoffnungen setzt, um Godzilla vom Antlitz der Erde zu beseitigen. Dabei ist Destoroyah den Menschen selbst nicht freundlich gesinnt, doch immerhin ein kleineres Übel als Godzilla, der die ganze Welt vernichten kann.

Godzilla:
Godzilla war wohl nie so furchterregend wie in diesem Film. Und das liegt nicht nur an seinem Äußeren. Ein mutierter Dinosaurier alleine ist ja schon schlimm genug, aber hier ist er zusätzlich noch ein wandelndes Atomkraftwerk. Fast sein gesamter Körper leuchtet rot, und es hat den Anschein, als könne er jederzeit die von Kenkichi prophezeite Kernschmelze auslösen. Grund dafür ist eine Uranspaltung auf Birth Island – der Insel, auf der er sich niedergelassen hat. Die Strahlung in seinem Körper ist so stark, dass diese sogar den Körper dieser mächtigen Bestie zerstören kann. Kein noch so schreckliches Monster ist ihm je so gefährlich geworden wie radioaktive Strahlung, die ihn einst zu dem Ungetüm gemacht hat, welches er jetzt ist. Was für eine Ironie.

Kaijuu:
Beim direkten Vorgänger »Godzilla vs. SpaceGodzilla« war Godzilla junior noch ein schnuckliges, »kleines« (30 Meter) Kerlchen, doch hier ist er zu einer stattlichen Größe von 40 Metern herangewachsen. Er wird hier nicht mehr verniedlicht. Weg sind die Kulleraugen und der überproportional große Kopf; hinzugekommen sind scharfe Krallen und Zähne sowie ein seinem Vater nachempfundenes Äußeres. Dazu gehören natürlich auch die charakteristischen Knochenplatten auf seinem Rücken, die bei seinem Erstauftritt im Film »Godzilla vs. Mechagodzilla II« im Verhältnis zu seiner Körpergröße lustigerweise sogar am ausgeprägtesten waren. Im Prinzip sieht er aus wie ein noch nicht ganz ausgewachsener Godzilla. Schade nur, dass er aufgrund seiner oft leicht geschlossenen Augen so wirkt, als würde er gähnen. In diesem Film wird er von den Menschen als Lockvogel missbraucht, um seinen Vater zu Destoroyahs Aufenthaltsort zu führen, mit dem Plan, dass dieser von Destoroyah destroyed wird.

Spoiler Filmende

Seine Rolle zum Schluss ist sogar noch größer. Er hat dann nämlich keine Nebenrolle mehr, sondern die Hauptrolle. Nach dem Tod seines Vaters wird er zum »neuen Godzilla«.

Destoroyah … super! Schon alleine sein Name ist epic as fuck. Schade, dass er in der deutschen Fassung »Destroyer« ausgesprochen wird. Dabei wäre es so viel cooler, wenn man seinen Namen ausspricht, wie man ihn schreibt: DE-STO-RO-YAH! Sprecht den Namen mal laut aus. Das ist verbale Geilheit. Er kommt zwar nur in diesem einen Film vor und ist bei weitem nicht so bekannt wie beispielsweise King Ghidorah oder Mechagodzilla, aber Destoroyah ist so etwas wie der natürliche Feind Godzillas. Warum das so ist, enthält Spoiler aus dem allerersten Godzilla-Movie, also Achtung, liebe Leser: Im Präkambrium gab es Lebensformen, die keinen Sauerstoff zum Überleben benötigt haben. Als im Jahr 1954 der Oxygen-Zerstörer benutzt wurde, um den originalen Godzilla zu töten, hatte das auch Auswirkungen auf diese Lebewesen, die Abermillionen Jahre in fossiler Gestalt am Meeresboden hausten. Die Bodenproben dieser Wesen mutierten und attackieren nun die Bevölkerung. Im Gegensatz zu den meisten Kaijuu sind diese nur drei Meter groß. Am Ende kommt es aber natürlich immer zu einem Kampf gegen nur ein einziges hochgewachsenes und megastarkes Monster. Die Wesen verschmelzen zu einem 45 Meter großen Ungeheuer, doch es wächst und wächst und wächst, bis es letzten Endes eine Größe von 120 Metern erreicht. Was ihn so gefährlich macht, sind die Mikrosauerstoffmoleküle, die er in die Körper seiner Feinde injizieren kann. Mikrosauerstoff ist eine abgewandelte Form des Oxygen-Zerstörers. Diesen kann er sogar aus seinem Maul abfeuern. Da es viel zu gefährlich ist, Godzilla physisch anzugreifen, da die Kernschmelze sonst noch früher eintreten könnte, sieht die Regierung in dem von Destoroyah ausgesonderten Mikrosauerstoff eine Möglichkeit, um Godzilla zu vernichten und die Kernschmelze aufzuhalten.

Kämpfe:
Bevor ich auf die Kaijuu-Kämpfe eingehen werde, möchte ich noch kurz den Kampf der Menschen gegen die drei Meter großen Destoroyahs erwähnen. Dass diese im Verhältnis zu den meisten von Godzillas Gegnern so klein sind und in großer Anzahl vorkommen, ist untypisch für diese Filmreihe. Ein Angriff von Monstern dieser Größe hat Ähnlichkeiten mit einem Horrorfilm, was die ohnehin schon sehr ernste und düstere Atmosphäre dieses Films bereichert. Hier gibt es klaustrophobische Szenen, wenn Yukari Yamane in einem Auto Zuflucht sucht und nur wenige Zentimeter von einem dieser grausigen Wesen entfernt ist und den möglichen Tod praktisch vor Augen hat. Es gibt aber auch großräumige Szenen, wenn die Einsatztruppen alle Register ziehen und die Monster mit Feuerwaffen und Flammenwerfern angreifen.

Der erste Kampf zwischen Riesenmonstern, den man hier zu Gesicht bekommt, ist das Duell Godzilla junior vs. den 40 Meter großen Destoroyah – und der hat es in sich! Der Kampf gehört wohl zu den härtesten und emotionalsten Kämpfen der Godzilla-Reihe. Man muss sich nur einmal den Schaum vor Godzilla juniors Mund ansehen. Ähnlich wie ein Xenomorph aus »Alien« besitzt Destoroyah einen ausfahrbaren Mund. Diesen setzt er ein, um die Brust von Godzilla junior zu durchbohren und ihm Mikrosauerstoffmoleküle zu injizieren. Später, wenn Destoroyah ausgewachsen ist, wird Godzilla junior weiter gequält. Er packt ihn*, fliegt mit ihm durch die Lüfte und lässt ihn aus großer Höhe auf den Boden fallen. Und wenn das nicht schon genug wäre, bekommt er auch noch eine Dosis von Destoroyahs Mikrosauerstoff ab, den er aus seinem Mund abfeuert.

Spoiler Filmende

Godzilla junior stirbt, woraufhin es eine gefühlvolle Szene mit seinem Vater gibt, der den Tod seines Sohnes betrauert. Man sieht es zwar nicht, aber die Menschen, die sich am Schauplatz befinden, sagen, dass Godzilla weint.

*Hier kann man sehen, dass Destoroyah so groß geworden ist, dass alleine sein Arm größere ist als Godzilla junior.

Da Destoroyah nun 120 Meter groß ist und seine finale Form erreicht hat, steht einem Kampf gegen Godzilla nichts mehr im Weg. Dieser ist nicht weniger brutal und emotional. Mit seinem Horn, das er fast wie einen Energiediskus aus »Dragon Ball Z« benutzen kann, schlitzt er Godzilla auf. Der Kampf ist aber nicht einseitig, denn auch Godzilla setzt seinem Gegner ordentlich zu, sodass grünes Blut aus seinen Wunden spritzt.

Spoiler Filmende

Untypischerweise sind hier die Menschen entscheidend am Ausgang des Kampfes beteiligt. Die Kombination aus den Gefrierwaffen des Super-X III und der von Godzilla erhitzten Umgebung sorgt dafür, dass Destoroyahs letztes Stündlein geschlagen hat. Dieser Kampf ist an dieser Stelle zwar vorbei, aber ein anderer geht weiter. Und zwar Godzillas Kampf gegen die Strahlung in seinem Körper. Er erhitzt bis zu einer Temperatur von 1.200° Celsius und schmilzt langsam. Godzilla bekommt hier einen schleichenden Tod, der quasi in der ersten Szene des Films seinen Anfang genommen und kurz vor dem Abspann sein Ende gefunden hat.

Non-Kaijuu:
Mit dem Super-X III gibt es in diesem Film zwar keinen Mecha, aber ein ziemlich cooles und auch wirkungsvolles Multifunktionsflugzeug. Dieses wurde ursprünglich für den Einsatz bei Unfällen in Kernkraftwerken konstruiert. Neben Cadmiumraketen besitzt es Gefrierwaffen, welche die Temperatur ihrer Ziele auf bis zu minus 200° Celsius herabsenken können. Diese Gefrierwaffen sind maßgeblich daran beteiligt, die Kernschmelze, die Godzillas Körper auslösen wird, zu stoppen. Mit der Absolute-Zero-Kanone wird im Film »Godzilla against Mechagodzilla« eine ähnliche Waffe eingesetzt.

Sogar mit den Menschen kann ich hier etwas anfangen. Sonst bin ich ja immer im Camp Kaijuu. Die mit telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten ausgestattete Miki Saegusa hat hier – im letzten Film der Heisei-Staffel – ihren letzten Auftritt. Aufgrund ihrer doch sehr wichtige Rolle in den Godzilla-Filmen und der Tatsache, dass sie zu den Charakteren mit den häufigsten Auftritten in Kaijuu-Filmen gehört, muss man sich mit etwas Wehmut von ihr verabschieden. Doch bevor man sich vor ihr verbeugt, darf man ihr noch einmal bei der Erfüllung einer ganz wichtigen Aufgabe zusehen: Mit ihren telepathischen Kräften steuert sie Godzilla junior zu Destoroyah, in der Hoffnung, dass Godzilla seinem Sohn folgt und anschließend von Destoroyah getötet wird.

Kenkichi Yamane kommt zwar nur in diesem einen Film vor, jedoch ist er super sympathisch und bringt etwas Heiterkeit in den Film, auch wenn gerade über ernste Themen gesprochen wird. Man könnte vielleicht darüber diskutieren, weshalb die intellektuelle Elite Japans einen Grünschnabel wie ihn braucht, um herauszufinden, was im Körper von Godzilla vor sich geht, aus welchen Gründen diese Veränderung passiert ist und wie man die Kernschmelze verhindern kann, aber als Enkel von Prof. Kyouhei Yamane lautet die Antwort wohl einfach nur, dass er das Genie seines Großvaters geerbt hat.

Für das Verständnis des Films ist vor allem Dr. Kensaku Ijuin wichtig. Er ist der Wissenschaftler, der an der Entwicklung von Mikrosauerstoff maßgeblich beteiligt war. Dieser kann vielfältig eingesetzt werden, u.a. um die Lebensmittelknappheit in vielen Ländern zu bekämpfen. Mikrosauerstoff kann jedoch auch als Waffe eingesetzt werden, indem er den Sauerstoff im Wasser steril macht und alle Lebewesen im Meer erstickt. Die Ähnlichkeiten zum Oxygen-Zerstörer werden deutlich erkennbar. Er ist es auch, der an den Bodenproben forscht, die später zu Destoroyah mutieren.

Technisches:
Die praktischen Effekte stechen bei Godzilla-Filmen die digitalen Effekte immer aus. Und selbst wenn diese nicht immer perfekt sind, machen sie das mit ganz viel Charme wieder wett. Wenn das Szenenbild in der Supertotalen wie ein Miniatur-Spielplatz aussieht, auf dem Kinder ein paar Playmobil-Figuren aufgestellt haben, der am wenigsten überzeugende Effekt ist, dann kann man hier gerne von einer grundsätzlich sehr guten Leistung sprechen. Viele Modelle sehen hier weitaus realistischer aus als in den anderen Filmen dieser Staffel. Klar ... technischer Fortschritt halt. Und auch die Computereffekte sind mehr als nur akzeptabel.

Es gibt wohl nicht viele Godzilla-Filme, die eine dermaßen unbehagliche Untergangsstimmung transportieren. Nicht nur die Welt steht vor ihrem drohenden Untergang, sondern auch Godzilla selbst. Die Musik setzt die Spannung, das Drama und den Horror wirksam in Szene, sodass man den Film quasi mit geschlossenen Augen ansehen kann und dennoch wie gefesselt vor dem Bildschirm sitzt.

Fazit:
Innerhalb jeder Staffel wird zwar ein kleiner roter Faden verfolgt, jedoch schafft es dieses Franchise schon seit Jahrzehnten, dass man jeden Film ansehen kann, ohne die Vorgänger kennen zu müssen. Manche Szenen sorgen vielleicht für etwas Stirnrunzeln, doch nach kurzem Googeln wird man erhellt, ohne großartig gespoilert zu werden. Dennoch ist dieser Film wohl nicht die beste Wahl, um erstmals ins Godzilla-Land einzutauchen, denn viele Handlungsstränge kommen hier zu einem Ende. Der Film ist aber so gut, dass er dafür sorgen könnte, dass das benötigte Feuer entfacht wird, um sich mit diesem Franchise etwas ausführlicher auseinanderzusetzen. Hier kämpfen Typen in Gummianzügen gegeneinander. – Ist das nicht schon Grund genug? Jene Zuseher, die ein Herz für Ungeheuer besitzen, werden besonders ihre Freude an diesem Film haben, denn es wird sehr emotional. Jetzt will ich erst recht einen Mini-Godzilla als Haustier!
Post was last edited on 11.04.2021 um 07:27.
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Gojira Tai SpaceGojira

Avatar: Slaughtertrip#4
Historie:
Godzillapril #1
Godzillapril #2

Dieser Film ist Teil der Heisei-Staffel. Er greift mehrere Elemente aus früheren Filmen dieser Staffel auf, weshalb es zwar nicht notwendig ist, diese gesehen zu haben, aber es würde zumindest für weniger Verwirrung sorgen.

Handlung:
Die Handlung ist all over the place, wie man so schön sagt. Von Baby-Monstern, Space-Monstern, Space-Schmetterlingen, Menschen mit übernatürlichen Kräften, Feen und Mechas bis hin zu parallel laufenden Projekten verschiedenster Organisationen, um die wandelnde Naturkatastrophe namens Godzilla loszuwerden, braucht man erst einmal ein paar Minuten, um sich hier zurechtfinden.
Auf der einen Seite gibt es das »Projekt T«, welches darauf abzielt, Godzilla mittels Telepathie zu kontrollieren; auf der anderen Seite gibt es das »Projekt M.O.G.E.R.A.« (Mobile Operation Godzilla Expert Robot Aero-Type), welches einen etwas weniger friedlichen Ansatz verfolgt und den gleichnamige Mecha M.O.G.E.R.A. ausschickt, um der Riesenechse endgültig den Garaus zu machen.
Im All entsteht derweil das nächste Problem für die bald sehr beschäftigte Riesenechse. Mothra brachte genetisches Material von Godzilla ins All, welches in ein schwarzes Loch hineingesogen und von einem weißen Loch in Form von SpaceGodzilla wieder ausgespuckt wurde. Physiker und Astronomen werden diesen Film bestimmt nicht mögen. Außer sie haben Humor.

Godzilla:
Im Gegensatz zum Godzilla aus »Godzilla: Duell der Megasaurier«, welchen ich zuletzt rezensiert habe, ist hier das Verhältnis von Brust zu Bauch viel ästhetischer. Auch hat er hier wieder seine charakteristischen Rückenplatten, die ein bisschen abgerundet und weder zu groß noch zu klein sind. Wie in allen Filmen der Heisei-Staffel hat er auch hier ein weitaus grimmigeres Äußeres als in der Shouwa-Staffel. Generell wird Godzilla in der Heisei-Staffel als Mensch und Natur zerstörendes Wesen portraitiert, wohingegen er in der Shouwa-Staffel als Retter der Menschheit vor allerlei Monster-Viechern dargestellt wird. Das erklärt, weshalb er in der Heisei-Staffel weitaus furchteinflößender aussieht. Die Unterschiede aller Heisei-Godzillas kann man sich hier ansehen.

Kaijuu:
Der erste Kaijuu, der hier auftaucht, ist Mothra. Dieser Auftritt könnte für Zuseher mit noch nicht allzu vieler »Godzillerfahrung« unheimlich verwirrend sein. Zuerst fragt man sich natürlich, was dieser übergroße Schmetterling im All zu suchen hat. Um diese Frage zu beantworten, müsste man »Godzilla: Kampf der Saurier-Mutanten« gesehen haben, aber für den weiteren Verlauf des Films kann man diesen Fakt getrost ignorieren und in die »Ist halt so«-Schublade stecken. Was noch verwirrend ist, sind die zwei synchron sprechenden Feen-Zwillinge, die für den Zuseher so erscheinen, als würden sie aus Mothra herausploppen. Das sind die Shobijin, deren wahres Wesen sich von Inkarnation zu Inkarnation immer etwas unterscheidet. Man kann es sich einfach machen und diese als die Erde beschützenden Anhängsel von Mothra bezeichnen. Den Film versteht man aber dennoch. Dazu ist es nicht einmal notwendig, den Film auf einen Kampf zwischen einer Riesenechse und einer Space-Riesenechse zu reduzieren.

Doch auch Godzilla junior könnte dem Zuseher das Gefühl geben, dass man ein paar ältere Filme gesehen haben sollte, um den Film zu verstehen. Er ist Godzillas Sohn – mehr muss man nicht wissen. Im darauffolgenden Film »Godzilla gegen Destoroyah« spielt er eine etwas größere Rolle. Hier ist er eigentlich nur der süße Mini-Dino, der von Godzilla beschützt werden muss. Und wie süß er ist! Wenn er nicht 30m groß wäre, würde man ihn drücken wollen.

SpaceGodzilla ist ein Prachtexemplar unter den Kaijuu. Er sieht so übertrieben angsteinflößend aus, dass man gar nicht weiß, ob man vor ihm überhaupt noch Angst haben soll. Ich meine ... dem Ding wachsen riesige Kristalle aus seinem Körper, die größer sind als er selbst! Und damit fliegt er durchs All. Wenn er auf der Erde landet, absorbiert er einen Großteil der Kristalle (oder was auch immer), sodass nur noch Kristalle an seinen Schultern übrigbleiben. Im Prinzip könnte er Godzilla zerquetschen, wenn er sich in seiner fliegenden Form auf ihn fallen lässt, aber auf diese Idee kommt er nicht. In diesem Film hat SpaceGodzilla seinen ersten und einzigen Auftritt. Ich glaube, er hätte noch Stoff für mindestens einen weiteren Film liefern können. Aber vielleicht taucht ja irgendwann mal MechaSpaceGodzilla auf.

Kämpfe:
In Runde 1 muss Godzilla mit einem kleinen Handicap kämpfen, denn sein Sohn befindet sich auf dem Schlachtfeld, und diesen muss er natürlich beschützen. Die Liebe zwischen mutiertem Dinosaurier und Kind des mutierten Dinosauriers ist einfach herzergreifend!
Auch in diesem Film bekommt Godzilla Unterstützung. Dieses Mal in Form von M.O.G.E.R.A., der ein bisschen aussieht wie ein Robotermaulwurf. Ich hab es an anderer Stelle schon mal gesagt: Die Japaner lieben einfach ihre Mechas! Das Ding kann sich in ein Bohrfahrzeug und in ein Kampfflugzeug aufsplitten, aber am interessantesten ist dennoch seine Mecha-Form.
Das Highlight ist natürlich der Zweikampf zwischen Godzilla und seinem Weltall-Counterpart. Letzterer besitzt so viele Fähigkeiten, dass es eine Freude ist, den in Gummianzügen steckenden Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen. SpaceGodzilla besitzt eine Art Traktorstrahl, mit dem er sogar den megaschweren Godzilla hochheben und nach Belieben durch die Luft wirbeln kann. Seine Defensive ist auch bemerkenswert, denn er kann einen kristallähnlichen Schutzschild um sich herum erschaffen.

Non-Kaijuu:
Eine der zentralen Figuren bei den Godzilla-Filmen ist die Esper Miki Saegusa. Mit Ausnahme vom ersten Film der Heisei-Staffel spielt sie in allen Filmen dieser Staffel mit. Sie ist ein wichtiger Bestandteil von Projekt-T. Sie kann per Telepathie kommunizieren und entwickelt später sogar telekinetische Kräfte und fliegt auf einem schief im Raum schwebenden Bett durch die Luft.
Major Akira Yuki macht keine Gefangenen. Er hat die Schwachstelle an Godzillas Körper herausgefunden und möchte ihm ein Blutgerinnungsmittel injizieren, das ihn töten soll. Der Ansatz ist interessant, aber für den weiteren Verlauf kaum von Bedeutung.

Technisches:
Der Film legt besonders viel Wert darauf, M.O.G.E.R.A. gut in Szene zu setzen. Viel Zeit wurde darin investiert, seine verschiedenen Formen von allen Seiten zu beleuchten und seine Transformationen genauestens zu zeigen. Das sieht zwar mordsmäßig cool aus, aber der Zuseher sieht sofort, dass es sich hierbei nur um ein kleines Spielzeug handelt. Das erkennt man vor allem dann, wenn der Mecha bei seiner Transformation wackelt. Erinnerungen an damals, als man die Spielzeuge aus den Überraschungseiern zusammengesteckt hat, kommen hoch.

Genauso viel Zeit wurde darin investiert, von den Monstern weglaufende Menschenmassen zu zeigen. Das muss für die Komparsen ein unheimlicher Spaß gewesen sein, wenn sie vom Regisseur die Anweisung bekommen haben, schreiend durch die Gegend zu rennen und so zu tun, als würde hinter oder über ihnen ein Monster auftauchen. Dabei ist es immer wieder witzig zu beobachten, wenn manche von ihnen ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen wollen, indem sie sich umdrehen und genau auf die Stelle gucken oder deuten, an der sich das Monster befinden soll. Sollte Toho mal mit mir Kontakt aufnehmen und mich als vor Godzilla flüchtenden Komparsen engagieren, könnte ich in Frieden ruhen.

Für das Szenenbild hat man sich etwas Besonderes ausgedacht und den Schauplatz mit aus dem Boden wachsenden Kristallen ausgestattet (für all jene, denen die Kristalle an SpaceGodzilla noch nicht genug sind).

Kameraaufnahmen aus der Entfernung wirken bei Kaijuu-Filmen besonders beeindruckend. Godzilla hat in dieser Szene nur die Größe eines Fingernagels (abhängig davon, wie groß der Bildschirm ist, versteht sich), und doch erkennt man anhand der Insel, auf die er sich zubewegt, was für ein riesiges Ungetüm er ist. Andersherum könnte man Godzilla als eine winzige Nichtigkeit deuten in Anbetracht des großen Ganzen: dem Planeten Erde mitsamt seiner von der Natur geschaffenen Kulisse.

Fazit:
Der Film hätte ruhig ein bisschen fokussierter sein können. Es gibt viele Story-Elemente, von denen keines so richtig packend ist. Der auf positive Weise abscheulich designte SpaceGodzilla und der für die Heisei-Staffel typische als Feind der Menschheit dargestellte Godzilla erschaffen eine tolle düstere und ernste Atmosphäre, die leider nicht mehr aufrechterhalten wird, sobald der Spielzeugroboter M.O.G.E.R.A. auftritt, da hier der Kontrast einfach viel zu groß ist. Je mehr Godzilla-Filme man sich ansieht, desto deutlicher erkennt man, dass bei diesem Franchise alle Fantasy- und Science-Fiction-Register gezogen werden. Jetzt fehlt nur noch ein Film, bei dem sich Godzilla und ein Hobbit in Alice‘ Wunderland aufmachen und gegen eine mutierte Flasche Schnaps kämpfen. Herrlich.
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Gojira tai King Ghidora

Avatar: Slaughtertrip#5
Historie:
Godzillapril #1

Weiter geht es mit meinem persönlichen »Godzillapril«. Nachdem ich mit »King Kong gegen Godzilla« einen relativ alten Schinken aus dem Jahr 1974 rezensiert habe, mache ich einen kleinen Zeitsprung und begebe mich ins Jahr 1991. Der Film ist somit Teil der Heisei-Staffel.

Handlung:
Auf dem Grund des Meeres sieht man King Ghidorahs Leiche, welcher der mittlere Kopf fehlt. Als Zuseher denkt man sich gleich: »Geil, Ghidorah!«. Godzillas wohl bekanntester und beliebtester Gegner ist immer ein Highlight. Vom Meeresgrund aus macht man einen Abstecher ins Jahr 2204. Und von dort aus reist eine kleine Gruppe zurück in die Zeit, in welcher der Film spielt: ins Jahr 1992. Die Menschen aus der Zukunft möchten die Menschen aus der Vergangenheit warnen: Angeblich soll Godzilla in der Zukunft ganz Japan vernichten. Der Plan lautet, ins Jahr 1944 zu reisen und zu verhindern, dass der Dinosaurier auf der Insel Ragos zu Godzilla mutiert, indem sie ihn zu einem strahlenfreien Ort bringen. Mit Ken'ichirou Terasawa, Professor Hironori Mazaki und Miki Saegusa wird ein Team zusammengestellt, das diese Mission erfüllen soll. Begleitet werden sie von der Zeitreisenden Emmy Kano und dem Androiden M11. Zudem nimmt Emmy die Lieblingshaustiere der Menschen aus ihrer Zeit mit: die Doratos. Man merkt, dass es hier wieder jede Menge Science Fiction und Potential für genauso viel Kitsch gibt. Und was man noch merkt, weil das absolut offensichtlich ist: Die drei Doratos werden im Laufe des Filmes irgendwann zu Ghidorah mutieren. Doch das ist kein Unfall, denn – Achtung: Spoiler – die Zeitreisenden wollen Japan nicht retten, sondern zerstören. Japan ist nämlich in ihrer Zeit zu einer Übermacht geworden, und um das zu verhindern, möchten sie mit Ghidorah ein Monster erschaffen, das sie mittels hypersensorischer Wellen lenken können.

Godzilla:
In diesem Film sieht Godzilla etwas gefährlicher aus. Im Gegensatz zu seinen nett aussehenden Inkarnationen hat er hier etwas kleinere Augen. Diese besitzen auch keine weißen Stellen. Die pechschwarzen Pupillen sind von einer dunkelgelb bis blutroten Iris umgeben. Besonders stark ausgeprägt ist seine Brustmuskulatur. Beim Bankdrücken ist Godzilla anscheinend 'ne Bank!

Kaijuu:
Ghidorah kommt hier in dreierlei Form vor. Zuerst der gewöhnliche Ghidorah, dessen Design nie stark variiert. Nur bei der Anime-Trilogie »Godzilla« wurde man etwas kreativer. Aber wer möchte schon, dass sich Ghidorahs Aussehen zu stark verändert? Immerhin sieht er rattenscharf aus. Ein goldener, dreiköpfiger, zweischwänziger, nullarmiger Drache – wie geil ist das denn bitte? Wie auch bei Godzilla variiert auch Ghidorahs Größe. In diesem Film ist er ca. 150m groß. Einen Größenvergleich kann man bei dieser Szene anstellen. Bis auf eine Ausnahme (diesen sehr speziellen Film werde ich auch noch rezensieren) ist Ghidorah immer größer als Godzilla.

Spoiler: Ghidorahs zweite Form, die hier zu sehen ist, ist Mecha-Ghidorah. Dieser legt am Ende des Films ein überraschendes Rematch gegen Godzilla hin. Hier erkennt man auch wieder sehr gut die Liebe der Japaner zu ihren Mechas.

Ich rede jetzt schon vom Ende des Films; doch drehen wir die Zeit mal etwas zurück. Und zwar ins Jahr 1944. Die Doratos sind quasi die dritte Form von Ghidorah. Diese sind so knuffig, dass man sie als Stofftiere verkaufen könnte. Ich bin mir sicher, das kann man auch. Würde mich jedenfalls wundern, wenn nicht.

Kämpfe:
Einer der klassischen Godzilla-Moves ist das Hochheben eines Monsters, indem der Schwanz gepackt wird. Das entbehrt jeglicher Logik und ist ein Faustschlag gegen die Physik; aber was soll’s – immerhin sieht es lustig aus!

Generell fliegt Ghidorah gerne über Godzilla hinweg und feuert seine dreifache Dosis an Laserstrahlen ab. Würde er das fortwährend machen, könnte er Godzilla so lange zermürben, bis dieser tot umfällt, aber aus irgendeinem Grund (weil es der Plot verlangt) landet er ab und zu und lässt sich auf einen Infight ein. Gerade der armlose Ghidorah ist hier eher im Nachteil. Diesen kann er aber wettmachen, indem er seine langen Hälse einsetzt. So auch in diesem Film, wenn er diese benutzt, um Godzilla zu würgen. Dass ihm das sehr zusetzt, erkennt man an den Blubberblasen, die aus seinem Mund kommen.

Non-Kaijuu:
Die normalen Menschen sind gerade bei den etwas älteren Filmen weniger spannend. Ken'ichirou Terasawa ist ein Autor und schreibt an einem Buch über Godzilla, Professor Hironori Mazaki ist ein Experte für prähistorische Lebensformen und Miki Saegusa ist ein Esper und arbeitet in einem Tokyoter Forschungszentrum.

Viel lustiger sind die Zeitreisenden, vor allem der Android M11. Dieser könnte fast als Parodie auf den T-1000 aus »Terminator 2 - Tag der Abrechnung« betrachtet werden. Bei seiner Darstellung als emotionsloser Roboter hatte ich mehrmals das Gefühl, dass er sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Vor allem die Szenen, in denen er mit Hyperspeed rennt, sind ulkig anzusehen, weil diese so wirken, als würde er mit Schlittschuhen laufen.

Technisches:
Bei den Japanese Academy Awards gewann der Film einen Special Award für seine Spezialeffekte. Weiß der Geier, warum. Ich würde gerne sagen, dass der Film einfach nicht gut gealtert ist, aber selbst für 1991 machen die Effekte nicht viel her. Womöglich ist man einfach nur vom zwei Jahre später erschienenen »Jurassic Park« verwöhnt. Das macht sich vor allem in den Szenen bemerkbar, in denen Godzilla als Dinosaurier zu sehen ist, die der Hollywoodblockbuster weitaus besser hinbekommen hat. Deutliche Unterschiede sind zu erkennen, aber grundsätzlich wurde bei den praktischen Effekten gute Arbeit geleistet, was bei so ziemlich allen Godzilla-Filmen der Fall ist. Es sind eher die Spezialeffekte, die mittels Computer erzeugt werden, die den Film älter wirken lassen, als er tatsächlich ist. Ob es Hologramme sind, der Eintritt in das UFO, ein Traktorstrahl oder das Fliegen mittels eines futuristischen Gerätes.

Exkurs über die Zukunft:
In nur 200 Jahren soll es Zeitreisen, Teleportation, Androiden, fledermausähnliche Haustiere und andere krasse Sachen geben? Da war man ja sehr optimistisch. Hoffentlich gibt es bald die Doratos. Die setz ich dann neben eine Mikrowelle und bastel mir meinen eigenen Ghidorah.

Sonstiges:
Die Godzilla-Filme sind oft ziemlich Banane, weshalb man diese nicht allzu ernst nehmen sollte. Genau deshalb ist es etwas schade, dass es viel zu selten gewollte (!) Comedy-Szenen gibt. Abseits der Komik eines Monsterfilms sorgt ganz besonders eine ganz spezielle Szene für etwas Humor. Man sieht einen Soldaten, der die Zeitmaschine entdeckt und diese für ein UFO hält. Seinem Vorgesetzten erzählt er davon, doch dieser belächelt seine Hirngespinste nur und sagt ihm, dass er diese Geschichte seinem Sohn erzählen soll. Der Name des Soldaten: Major Spielberg! Wer der Sohn sein soll, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Fazit:
Auch hier gibt es viel Kitsch. Zeitreisen reichen nicht, nein. Es braucht auch noch Esper, »Schlittschuh laufende« Androiden und merkwürdig aussehende Kuscheltiere. Man kann sich einen Spaß daraus machen und eine Stricherlliste erstellen, die man jedes Mal dann zur Hand nimmt, wenn etwas Kitschiges passiert. Ich liebe sowas. Wenn man aber allergisch gegen Kitsch ist, kommt man mit diesem Film nicht zurecht. Aber wen interessiert das, wenn hier Ghidorah auftaucht? DREI KÖPFE!!!
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Nithan Phan Dao

Avatar: SabriSonne
Editor
#6
Auf YouTube ist die Serie durch die Decke gegangen, und auch die allgemeine Bewertung im Netz spricht Bände – mein Fazit: „Tale of a thousand Stars“ erfindet zwar das Rad nicht neu, bringt es aber gut ins Rollen und hält die Geschwindigkeit bis zur letzten Folge konstant aufrecht.


Zur Handlung
„Tale of a thousand Stars“ macht in den ersten Minuten der ersten Folge sofort sein Kerndrama ersichtlich und gibt bereits im ersten Drittel der Folge alle relevanten Charaktereinstellungen vor. Somit bekommt die Serie schnell eine klare Richtung und kann sich gekonnt von Ankerpunkt und Ankerpunkt hangeln. Damit entstehen kaum Möglichkeiten, dass sich Plotholes in die Handlung einschleichen und gibt der Handlung als Solche gleich eine sehr solide Grundlage.
Problem an dieser Sache ist jedoch auch: man weiß genau, wie das Kerndrama verlaufen wird. „Tale of a thousand Stars“ geht dabei insgesamt zwar einen schönen und emotionalen Weg, gleichzeitig aber einen, der möglichst wenig Widerstände gibt. Das Kerndrama rund um die Herztransplantation und auch rund um alle Beteiligten ist dermaßen vorhersehbar, dass man auf gewisse Storyelemente förmlich wartet. Die Umsetzung erfolgt zwar in der Regel hervorragend und einige unerwartete Auflösungen gab es dann doch, dennoch ist man von vielen Konflikten nicht wirklich überrascht oder weniger stark emotional betroffen, weil man sie im Grunde schon von Anfang an kommen sieht. Dennoch ist das Kerndrama angenehm, funktioniert gut als Aufhänger und leistet einen wertvollen Beitrag für die Charakterentwicklung, weshalb es seiner Funktion als Kerndrama mehr als gerecht wird.

Deutlich positiver wurde ich jedoch vom tatsächlichen zentralen Konflikt der Serie überrascht, der überraschender Weise nicht die Herztransplantation als solche war.
„Tale of a thousand Stars“ erzählt vielmehr eine Geschichte über das Finden vom wahren Glück, erzählt aus der Sicht von Hauptcharakter Tian. Dieser wird stellvertretend für den Zuschauer immer wieder vor die Frage gestellt „Was braucht man tatsächlich, um im Leben zufrieden sein?“. Und ich war in dieser Hinsicht mehr als nur positiv überrascht, mit welchem Charme die Serie diese Frage zu ergründen versucht. Im Grunde entpuppt „Tales of a thousand Stars“ als eine Reise vom vermeintlichen Glück zum wahren Glück, angestoßen von Tian, der das Leben einer anderen Person zu leben beginnt, und dabei zu sich selbst findet. Das Kerndrama der Herztransplantation ist hier mehr Mittel zum Zweck, um diese Reise anzustoßen und Charaktere miteinander zu vernetzen, die ansonsten nie zusammengefunden hätten, und ihnen einen Grund zur gemeinsamen Interaktion zu geben. Ebenso gibt es der ganzen Reise eine klare Richtung, da auch das Kerndrama mit seinen Konflikten gelöst werden will, sodass die Suche nach dem wahren Glück nicht ziellos geschieht, sondern in geordneten Bahnen verläuft.

Erweitert wird diese Suche noch mit zahlreichen kleineren Nebendramen, die ich tatsächlich nicht erwartet hatte. Diese reichen von niedlichen Alltagsdramen bis hin zu dramatischen Entscheidungen, die die Zukunft aller Beteiligten beeinflussen werden. Damit wird das Leben im Dorf mit all seinen Bewohnern extrem plastisch und realistisch, sodass das Kerndrama in einen nachvollziehbaren und v.a. bodenständigen Kontext gesetzt. Die Konflikte stammen aus der Realität, sie sind genau so, wie sie vermutlich in vielen kleinen Dörfern in Thailand tagtäglich ablaufen. Und mit Tian zusammen diese Reise miterleben zu dürfen, gibt einem als Zuschauer ein sehr warmes Gefühl zurück.

Was sicher viele jedoch im ersten Moment abschrecken wird, ist das BL-Genre der Serie, für das Thailand so berühmt ist. Hier kann ich beruhigen: wir haben es zwar mit klassischen BL-Szenen und auch den entsprechenden Schmetterlingen im Bauch bei den beiden Hauptcharakteren Tian und Phu zu tun, doch die Geschichte ist nicht typisch Lakorn-BL, wie man das Genre aus anderen Serien gewohnt ist. Viele betiteln „Tale of a thousand Stars“ als eine Serie, die in diesem Bereich einen neuen Weg einschlägt, und ich kann hier nur zustimmen. Hier hat man es nicht mit der typischen Schulromanze zu tun, ja noch nicht einmal mit der typischen BL-Romanze, auch Nebenbuhler fehlen komplett. Stattdessen empfinden unsere zwei Hauptcharaktere eine ganz natürliche Art von Zuneigung, die über den gemeinsamen weiblichen Charakter Torfun zustande kommt und die beide im ersten Moment nicht einsortieren können. Der Übergang zum Eingestehen dieser Zuneigung erfolgt dann dermaßen natürlich und ohne diesen „homosexuellen Stempel“, dass die Interaktion zwischen den Beiden unglaublich vertraut und niedlich wirkt. Es wird tatsächlich eine Freude, den beiden zuzusehen, und da ihre Beziehung auch ein weiterer Punkt der Reise zum wahren Glück ist, ist die finale Rolle insgesamt sehr positiv. Und kombiniert mit einem der melodisch schönsten OSTs, den ich jemals gehört habe, macht das Gesamtgefühl einfach nur perfekt!


Zu den Charakteren
Wie bereits geschrieben, zentrale Handlung ist weniger der Konflikt um die Herztransplantation, sondern die Reise zum Glück, und damit im Grunde nichts anderes als Charakterentwicklung.

Tian ist als Hauptfigur diejenige Figur, die wir als Zuschauer auf seiner Reise nach dem wahren Glück begleiten dürfen. Er wird in der ersten Folge als wahnsinnig arrogant und überheblich dargestellt, dem es wichtiger ist, was seine Freunde über ihn denken als sich tatsächlich über wichtige Dinge Gedanken zu machen. Auch mit seiner Herzkrankheit geht er wie mit einem besseren Witz um, weil er ein Charaktertyp ist, der im Moment lebt. Mit der Transplantation ändert sich jedoch seine Sicht auf die Dinge – und interessanter Weise war es weniger der Moment des tatsächlichen Sterbens, sondern die Tatsache, wie sein Leben gerettet wurde. Mit Torfun taucht er in eine Welt ein, die ihm vollkommen fremd ist, wo es nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auf innere Werte ankommt. Torfun hier beinahe als einen weiteren Hauptcharakter laufen zu lassen, macht ihre Szenen noch emotionaler, da sie als Figur bereits in den ersten Minuten stirbt. Dennoch ist ihre Figur dermaßen dominant in der Serie, dass sie den lebenden Figuren in nichts nachsteht und auch in ihren Charaktereigenschaften teils besser ausgelegt wird als manch tatsächlich lebende Figur.
Die Reise zu ihm selbst wird immer wieder von direktem Feedback der ihn umgebenden Leute gestärkt, sodass man trotz der kurzen Laufzeit von nur 10 Folgen eine zwar schnelle, aber dennoch realistische Charakteränderung bei ihm beobachten kann. Zusätzlich unterstreicht das Feedback immer wieder Torfun als Figur, die zum Maß aller Dinge zu werden scheint. Dies geschieht jedoch auf sehr sympathische Art und Weise, da Tian zwar laufend mit ihr verglichen wird, Torfun aber dennoch als „perfekte Person" ein erreichbares Ziel darstellt. Tian kann dieses Ziel erreichen und wird von allen Beteiligten dabei unterstützt, die sich dabei auch für ihn wünschen, dass er dieses Ziel erreicht.
Die Interaktion und Beziehung zu Phu tut dabei noch ihr Übriges und vermittelt ihn ihrer ganzen Existenz nur noch mehr den Eindruck, dass es auf innere Werte ankommt. Die Beziehung entsteht aus einer Anziehung von charakterlichen Eigenschaften heraus, nicht aus äußeren Merkmalen, Geld oder Status. Somit ist sie bis zu Letzt das perfekte Mittel, um der Reise zum wahren Glück eine Vollständigkeit zu geben, die man selten gesehen hat. Ebenso möchte ich die herausragende Leistung von Darsteller Mix (22) betonen, der hier sein Schauspieldebüt gibt.

Mit Earth (26) bekommt er als Phu und damit als Gegenstück von Tian einen erfahrenen Schauspieler zur Seite gestellt. Phu hat seine Reise im ersten Moment schon hinter sich gebracht, doch je länger man ihn beobachtet, desto mehr merkt man bei ihm, dass auch er noch nicht ganz am Ziel angekommen ist. Er ist zwar schon deutlich weiter als Tian, doch er benötigt tatsächlich Tian, um den finalen Schritt machen zu können. Somit beeinflusst auch ihn die Interaktion zwischen den beiden auf eine sehr positive Art und Weise und gibt auch seiner Charakterentwicklung Sinn.

Besondere Erwähnung verdient jedoch der Nebencast!
Wir werden gleich zu Beginn mit so ziemlich allen handlungsrelevanten Charakteren konfrontiert, ebenso mit deren Beweggründen, inneren Einstellungen und Motivationen. Dabei bekommt jeder Charakter eine kleine Einführungsszene, in der vorgestellt wird und eine für seine Charaktereigenschaften typische Aktion oder Reaktion zeigt. Im ersten Moment fand ich dies beinahe langweilig, weil es mich an das typisch japanische RPG erinnert hat, in dem man mit seine Figur durch das Dorf läuft und wahllos Leute anspricht, aber es sollte anders kommen.
Es dauert nicht lange und man fühlt sich als Zuschauer wie Teil des Dorfes, ebenso, als wäre man mit Tian als zusätzlicher Charakter in das Dorf gezogen. Die Figuren versprühen eine selten erlebte Wärme und einen Charme, was Beides sofort das Gefühl von „Heimat“ vermittelt, aber auch ebenso realistisch aufzeigt, dass man sich eine neue Heimat erst einmal verdienen muss. Die Dorfbewohner geben Tian die Chance, Teil ihres Dorfes zu werden, aber es liegt an Tian selbst, ob er diese Chancen auch nutzen möchte. Der ständige Vergleich mit Torfun, dem ihm die Bewohner immer wieder unterziehen, gibt ihm dabei eine mögliche Richtung an, in welcher Form er Teil des Dorfes werden kann, doch gleichzeitig wird nicht von ihm verlangt, genau diese Rolle einnehmen zu müssen.
Die Interaktionen, auch zwischen den Schauspielern, erfolgt dabei dermaßen natürlich, dass man kaum das Gefühl hat, dass hier nur ein Skript auswendig aufgesagt wird. Besonders erwähnenswert sind hier die Kinderschauspieler, die ihre Rollen wirklich sehr natürlich und selbstverständlich spielen. Insgesamt ist das Skript simpel und nicht übertrieben hochtrabend oder dramatisch, sondern orientiert sich gut an realen Gegebenheiten, sodass man tatsächlich das Gefühl bekommt, das Dorf mit seinen Bewohnern und den alltäglichen Konflikten existiert genau so in irgendeinem Dschungel in Thailand.

Somit wirken schnell alle Figuren extrem sympathisch und man schaut selbst den Nebencharakteren bei ihrer alltäglichen Arbeit sehr gerne zu. Auch der „Bösewicht“ der Serie wirkt realistisch, weil auch er wie aus dem realen Leben entnommen scheint. Insgesamt entsteht dadurch eine realistische Gesamtstimmung, die gekonnt zwischen spannenden und glücklichen Momenten wechselt, ohne in ihrer jeweiligen Auslegung „zu übertrieben“ zu sein.


Fazit
Es stimmt, „Tale of a thousand Stars“ ist ein anderer Thai-BL-Lakorn, weit weg von Melodrama. Das Kerndrama rund um die Herztransplantation gibt der ganzen Serie zwar eine leicht melodramatische Note, ist aber nie zu übertrieben, sondern nimmt sich wirklich die volle Länge der 10 Folgen Zeit, um seine ganze Wirkung zu entfalten. Dennoch sind gerade hier viele Konflikte vorhersehbar.

Tian funktioniert in seiner Rolle als Hauptcharakter auf der Suche nach dem wahren Glück als hervorragendes Bindeglied zwischen Serienwelt und Zuschauer, was damit ein Eintauchen leicht macht. Die realistischen Konflikte runden dabei das Gesamtbild wunderschön ab.

Heute gibt es von mir mal zwei Stempel: das „Sehr gut“ verdient eindeutig die Handlung und ein „Schön“ gibt es noch zusätzlich für eine ganz besondere Art von Wärme, der man sich einfach nur gerne hingibt.

Oder um es mit „Tale of a thousand Stars" zu sagen:
"How do I know which place fits me best?" - "The place that fits you best will make you grow"

Weil das BL nicht so dominant ist, wirklich hervorragend als Einstiegsserie in den Thai-BL-Lakorn geeignet!!
Post was last edited on 04.04.2021 um 07:50.
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Gojira tai Mechagojira

Avatar: Slaughtertrip#7
Was!? – Die Live-Action-Filme über einen der größten (wortwörtlich gemeint) Exportschlager Japans haben bisher nur eine einzige Rezension!?!? Das muss sich schleunigst ändern! Als kleiner Godzilla-Fan möchte ich diesen Monat regelmäßig alle paar Tage kurze* Rezensionen zu meiner Lieblingsechse posten. Beginnen möchte ich meinen persönlichen »Godzillapril« – sorry, das Wortspiel musste sein – mit einem Film, dessen Name vielleicht – nein, ganz bestimmt! – sehr verwirrend ist: »King Kong gegen Godzilla«!
PS: Zufälligerweise startet heute** mit »Godzilla S.P« ein neuer Godzilla-Anime. Die Produzenten hatten dabei wohl auch das Wort »Godzillapril« im Kopf.

**Netflix-Kunden konnten schon am 25. März in den Genuss dieser Serie kommen.

Interessanterweise enthalten viele Godzilla-Filme im Titel entweder den Namen »King Kong« oder »Frankenstein«. Neben diesem Film taucht diese Absonderlichkeit in folgenden Filmen auf:
Hintergrund ist, dass der deutsche Filmverleih diese verwirrenden Titel verwendet hat, um die Popularität dieser Figuren zu benutzen, um für mehr Einnahmen zu sorgen. Das ging wohl nur deshalb, weil sich Frankenstein und King Kong in der public domain befinden.

Wenn man ins Godzilla-Universum eintauchen möchte, sollte man zuerst wissen, dass die Filme in bestimmte Staffeln unterteilt sind: Shouwa, Heisei, Millennium und Reiwa. Zusätzlich gibt es noch ein paar US amerikanische Filme. Die Riesenechse ist also ganz schön rumgekommen. Dieser Film ist Teil der Shouwa-Staffel.

Handlung:
Zu Beginn sieht man Prinzessin Nami und einen alten Mann, die beide Nachkömmlinge der Azumi-Könige sind. Während das Mädchen die Fähigkeit der Weissagung besitzt, ist der alte Mann der Hohepriester der Azumi und einfach nur da, um da zu sein. Das Mädchen hat die Vorahnung, dass ein Monster auftauchen und die Welt zerstören wird. Dabei wird King Caesar erwähnt, der das Volk der Azumi einst gerettet hat und nun ihr Wächter und Beschützer ist. In den ersten Minuten sammeln sich gleich drei Prophezeiungen. Eine ist wohl nicht genug, um darauf hinzuweisen, dass ein Monster kommt und alles zertrampelt. Prophezeiungen eignen sich gut, um das Auftauchen von Monstern zu begründen. Die Prophezeiungen sind:
Die letzte Prophezeiung ist eine Abwandlung der zweiten. Diese ist auf der Statue von King Caesar geschrieben und eine Anleitung, um ihn zu wecken.

Doch wer ist dieses Ungeheuer, das laut Prophezeiung alles zerstören wird? In einer Höhle wird von Masahiko Shimizu ein Metallstück gefunden, das er Prof. Hideto Miyajima weitergibt. Dieser findet heraus, dass das Metallstück außerirdischen Ursprungs ist. Kommt das Monster also aus dem All? Ja, denn hierbei handelt es sich um Mechagodzilla.*** Dieser wird von den Aliens ferngesteuert; natürlich aus dem typischen Beweggrund eines Bösewichts: die Eroberung der Welt!!! Doch Maschinen zicken immer irgendwann rum oder werden kaputt – so auch Mechagodzilla. Prof. Miyajima wird von den Aliens entführt, um ihn zu reparieren. Die Aliens nennen Mechagodzilla übrigens »King Kong«, um den doofen Titel des Films zu rechtfertigen. Fun Fact: Mechagodzilla ist ein Cyborg, doch die Aliens sprechen dieses Wort ganz seltsam aus, nämlich »Kiborg«. Die Aussprache ist also nicht »Saiboag«, sondern tatsächlich »Kiboag«. Wusste man 1974 noch nicht, wie man dieses Wort ausspricht?

***Vielleicht denkt ihr euch jetzt: »Wuuut!?!?! Mechagodzilla ist doch kein Alien!« Kommt drauf an! Godzilla und die anderen Kaijuu haben alle von Film zu Film eine andere origin story.

Godzilla:
Godzilla ist nicht gleich Godzilla. Nicht nur sieht er nicht immer gleich aus, nein, er ist sogar nicht immer dasselbe Monster. In manchen Filmen stirbt er**** nämlich oder bekommt einen reboot. Auch verändert sich sein Aussehen signifikant. Mal sieht er ganz putzig aus, dann wieder so garstig, dass man ihn sowas von gar nicht knuddeln möchte. Größe und Gewicht alternieren ebenfalls. Bei »Godzilla«, seinem Debütauftritt, war er noch 50m groß. Diese Größe wurde gewählt, damit er über die damals höchsten Gebäude Japans blicken konnte. Mit der Zeit wurden die Gebäude aber natürlich immer größer, weshalb auch Godzilla immer größer werden musste. Seine wohl größte Inkarnation mit 300m ist in der Anime-Trilogie »Godzilla« zu sehen. Bei diesem Bild, das Mechagodzilla, der genauso groß ist wie Godzilla, und ein paar Menschen zeigt, kann man sich ungefähr vorstellen, wie groß die Monster hier sind. Der Godzilla, der hier gezeigt wird, gehört zur wenig angsteinflößenden Sorte. Dieser zeichnet sich durch seine großen Augen aus. Ein bisschen sympathisch muss Godzilla in jenen Filmen, die ihn als Retter der Welt portraitieren, nämlich schon aussehen. Diesen Godzilla würde ich als den »klassischen Godzilla« bezeichnen.

****Ja, Godzilla ist ein Männchen. Er kann zwar Eier legen, aber das liegt daran, dass er mittels Parthenogenese eine Art der eingeschlechtlichen Fortpflanzung benutzt.

Kaijuu:
Godzilla ist fast nie alleine. Nur bei »Godzilla« und »Shin Godzilla« darf er alleine herumwüten. In diesem Film sieht man zuallererst Anguirus, der einer der vielen Freunde von Godzilla ist, die ihn im Kampf gegen die bösen Kaijuu unterstützen. Diesen darf man aber ja nicht mit Angilas verwechseln. Während Anguirus einst ein Igel war und aufgrund radioaktiver Strahlung zu einem Ankylosaurus-ähnlichen Wesen mutierte, ist Angilas ein waschechter Ankylosaurus. Doch auch hier gibt es Ungereimtheiten. Weil Angilas in »Godzilla kehrt zurück« stirbt und in späteren Filmen abermals auftaucht, wurde er in der deutschen Version einfach in Anguirus umgetauft. Anderssprachige Versionen scheinen die Filme nach »Godzilla kehrt zurück« als eigenständige Werke zu sehen, die keine Verbindung zu diesem Film haben.

Ein weiterer Verbündeter ist King Caesar, der nur in diesem Film und »Godzilla: Final Wars« vorkommt. Letzterer ist ohnehin nur Fanservice, da dort haufenweise Monster ins Geschehen geschmissen werden, weshalb er wohl nur in diesem Film von Bedeutung ist. Er sieht ungefähr so aus wie eine Mischung aus hässlichem Affen, hässlichem Dackel und hässlichem Mogwai. Ein bisschen weniger wie ein Dackel sieht er aus, wenn er die Ohren aufstellt, wodurch er aber mehr wie ein aufmerksames Hündchen aussieht, das auf den Wurf eines Stöckchens wartet. Damit er zumindest ein bisschen edel aussieht, gab man ihm ein goldenes Fell. Hat diese Idee funktioniert? Entscheidet selbst.

Wenn es zwei Verbündete gibt, muss es auch einen megastarken Gegner geben, und dieser ist hier niemand Geringeres als Mechagodzilla. Dieser ist einer der bekanntesten Rivalen Godzillas. Ich kann mir auch gut vorstellen, warum das so ist. Die Japaner lieben einfach ihre Mecha. Kaijuu und Mecha sind somit die ultimative Kombination japanischer Japanischheit. Und was diese Maschine für ein Feuerwerk zündet, ey! Und damit meine ich kein metaphorisches Feuerwerk, sondern ein richtiges Feuerwerk, das man zu Silvester in den Himmel schießt. Wenn man sich ansieht, was der so alles abfeuert, könnte man meinen, dass die Macher tatsächlich Feuerwerkskörper in den Anzug des Schauspielers gesteckt haben. In einer Szene wurde mit den Effekten so sehr übertrieben, dass man fast nur noch Staub sieht.

Kämpfe:
Der erste Kampf, den man sieht, ist Godzilla vs. Anguirus. Erster stellt sich wenig später als Mechagodzilla heraus. Warum er sich als Godzilla ausgegeben hat? Wohl nur um die Zuschauer zu überraschen, sobald das wahre Wesen dieses Monsters enthüllt wird. Narrativ hat diese Szene nämlich keinen Sinn und keine Bedeutung. Bei diesem Kampf gibt es eine der brutalsten Szenen dieses Films. Mechagodzilla packt den Gummiteil Unterkiefer von Anguirus und bricht ihm dieses, sodass man jede Menge Ketchup Blut sehen kann.

Als es zum Kampf Godzilla vs. Mechagodzilla kommt, gibt es auch eine ziemlich brutale Stelle. Der Roboter hat wohl Godzillas Halsschlagader getroffen. Anders kann ich mir den Druck, der dafür gesorgt hat, dass Godzillas Blut so kräftig herausspritzt, nicht erklären. Besonders angetan war ich von Mechagodzillas Schutzschild, der sowohl gegen physische Attacken als auch gegen Godzillas Atomic Breath hilft.

Bei Godzilla-Filmen wird oft in Teams gekämpft. Dass man hier diese Art des Kampfes gewählt hat, war eine sehr gute Idee, da sich Mechagodzilla hervorragend dafür eignet, sich mit mehreren Monstern auf einmal anzulegen. Mechagodzilla ist wohl der multitaskingfähigste Gegner, den Godzilla jemals hatte. Besonders eine Szene demonstriert diese Fähigkeit sehr gut: Während sein Körper frontal auf Godzilla gerichtet ist, dreht er seinen Kopf um 180° und attackiert damit King Caesar.

Non-Kaijuu:
Bei Godzilla gibt’s nicht nur Monster. (Leider.) Die Geschichte muss auch irgendwie erzählt werden, und dafür sind die Menschen zuständig. Godzilla selbst kann die Geschichte natürlich nicht erzählen. Man stelle sich nur vor, dass Godzilla im Hintergrund mit seinem weltbekannten Röhren den Off-Kommentar macht. Prinzessin Nami gibt hier eine außergewöhnliche Performance, wenn man nur Filme aus dem 21. Jahrhundert (exklusive Disney-Filme) gewohnt ist. – Sie singt! Das kommt heutzutage viel zu selten vor. Das Lied hat sogar Ohrwurmpotential: »Shiiiiiiiisa, Shiiiiiiiisa, Shiiiiiiiisa«.***** Witzig ist der Hohepriester der Azumi, der in die Kategorie »zerstreuter Klischee-alter-Mann mit Zauselbart« fällt.

Die Aliens sind besonders interessant. Diese Zigarren paffende Wesen (welches Alien macht das nicht?) unterscheiden sich von Menschen nur dadurch, dass sie Dreck Glitzer im Gesicht haben. Aber Halt!!! – Ihre wahre Gestalt sieht ganz anders aus. In Wirklichkeit sehen sie aus wie Affen. Die kommen wohl vom Planet der Affen, höhö.

***** Shisa = Caesar

Technisches:
Für 1974 macht der Film eigentlich eine ganz passable Figur. Zu einem typischen Godzilla-Film gehört das Zerstören der Requisiten. Ich finde es immer bemerkenswert, wenn man so viel Arbeit in das Szenenbild legt, nur um dieses beim Dreh zu zerstören. Das hat was vom Dominoeffekt. Nein, nicht dieser Dominoeffekt, sondern der Effekt, dass man Aufgebautes gerne wieder kaputt macht. Am besten haben mir die Szenen gefallen, in denen sich die Aliens zu Affenaliens verwandelt haben. Ähnlich wie bei »Der Wolfsmensch« wurden hier allmählich Haare hinzugefügt, bis man letztendlich das finale Produkt bestaunen kann.

Fazit:
Mein Fazit ist gleichzeitig eine Warnung. Wenn man sich mit den Godzilla-Filmen beschäftigen möchte, braucht man ein gewisses Maß an Kitsch-Toleranz, denn nur so kann man damit Spaß haben. Vor allem die alten Filme tun ihr Bestmögliches, um die Toleranzgrenze der hartgesottensten Zuseher auszuloten. Es gibt zwar bessere Godzilla-Filme, aber hier passiert so viel Bizarres, dass man alleine damit seinen Spaß haben kann.

*Dass die Rezension doch so lang wird, war nicht geplant!
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Shanhe Ling

Avatar: SabriSonne
Editor
#8
Als „Tale of the Wanderer“ damals auf die Watch-List geschrieben, plötzlich erblickte es als „Word of Honor“ das Licht der Welt – mein erster Gedanke: ist das die Serie, die ich anschauen will?! Und selbst nach Folge 1 hatte sich die Frage nicht geändert…
Dann kam Folge 2 und danach…


Zur Handlung
Ist die Handlung gut? – nein!

Ich bin ehrlich mit euch! „Word of Honor“ ist das total typische Wuxia, wo irgendein magisches Artefakt gefunden werden will, mit dem man dann auf die absolute Waffe des Martial Arts zugreifen kann – hunderte Male gehört, hunderte Male gesehen, und das nicht nur im Wuxia-Bereich. Somit erzählt „Word of Honor“ die ganz typische Fantasy-Adventure-Geschichte, die zwar in sich spannend ist, gute Cliffhanger und Auflösungen hat und auch bis zum Ende motiviert, aber die Handlung als innovativ zu bezeichnen, liegt einem völlig fern.

Die Gesamthandlung präsentiert sich im ersten Moment als 3-geteilte Handlung:
  • Die Fantasy-Adventure-Search-Quest mit der Suche nach einem magischen Artefakt, mit dem die absolute Macht des Martial Arts gefunden werden kann
  • Die Reise von A-Xu (Zhou Zi Shu) und seine letzten Jahre als „freier Mann“
  • Die Romanze von A-Xiang

An sich nichts Neues, nur leider störten mich die Storylines in dieser Kombination extrem.
Die Search-Quest ist im Fantasy-Adventure nichts Neues und hat man gefühlt schon tausende Male gesehen oder gelesen. Sie war zwar am Ende überraschend und wurde im Verlauf der Handlung auch gut verkauft, dennoch bleibt die Idee glanzlos. Zwischendrin wird man noch mit Rachestories konfrontiert, ebenso mit der Tatsache, dass man irgendwie einfach hinnehmen muss, dass der Clan Ghost Valley einfach böse ist, auch wenn er On-Screen nie aktiv böse war, sodass man tatsächlich irgendwann verzweifelt nach dem Gesamtzusammenhang sucht und ihn nicht findet. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft ich mir beim Schauen die Frage "Warum muss man Ghost Valley ausrotten?!" gestellt habe...
A-Xus Geschichte, die in der ersten Folge sofort das Ultimatum seines sicheren, zeitnahen Todes aufstellt, kann nur auf 2 offensichtliche Arten abgehandelt werden, von denen es dann auch eine war. Und die Romanze von A-Xiang war dermaßen losgelöst von der Gesamthandlung, dass man im Grunde eine eigene Serie daraus hätte machen können. Ich hatte sogar stellenweise das Gefühl, dass man die Figur absichtlich loswerden wollte, damit sie in der Handlung nicht stört. Am Ende wird die Storyline zwar gekonnt und gewinnbringend wieder aufgegriffen, dennoch habe ich sie großflächig während dem Verlauf übersprungen.

Im Grunde geht es jedoch nicht um diese 3 Handlungen, auch wenn sie vielleicht der treibende Plot sind. Ein schlauer Kopf hat mal definiert, dass tatsächlich ablaufende Handlung und reale Handlung nicht identisch sein müssen, und genau das passiert bei „Word of Honor“ – und hier zeigt sich das große Talent der Serie.
Die tatsächlich ablaufende Handlung ist das Fantasy-Adventure in all seinen Facetten, die reale Handlung ist jedoch die Charakterentwicklung von A-Xu und Lao Wen (Wen Ke Xing). Im Grunde geht es um 2 Charaktere, die in ihrem Leben bisher nur so dahingetrieben sind, keine Ziele hatten, keine Wünsche hatten, die sich nun aber per Zufall treffen und für sich gegenseitig zum Leitmotiv werden. DAS ist der eigentliche Kern der Handlung, alles andere ist eher Mittel zum Zweck.

Dennoch war der Anfang wenig spektakulär, da natürlich die tatsächlich ablaufende Handlung die offensichtlichere ist und damit den Zuschauer am Schauen halten will. Und im Endeffekt war es am Anfang tatsächlich Lao Wen, der mich bei der Stange gehalten hat. Er ist die Art von Charakter, den man nicht einschätzen kann, der gefühlt ausnahmslos in Metaphern und Gedichten redet und dessen Rolle bis zu Letzt eigentlich nicht klar ist. Dass auch A-Xu als erfahrener Martial Artist aus der Figur nicht schlau zu werden scheint und dies auch öfter kundtut, macht Lao Wen noch mysteriöser – und damit einfach spannend und interessant. Ich muss wirklich zugeben, ich habe am Anfang tatsächlich nur weitergeschaut, weil ich wissen wollte, wer Lao Wen ist. Damit wird er zum eigentlich tragenden Stützpfeiler der Serie, der einen wirklich bis zu Letzt beim Schauen hält.

Ebenso süchtig macht die Charakter-Interaktion zwischen ihm und A-Xu, die man tatsächlich mal beinahe als Boys Love bezeichnen kann! In diesem Genre nicht selbstverständlich!
Viele Wuxia haben BL-Novels als Grundlagen, doch nur wenig davon taucht auch tatsächlich auf dem Bildschirm auf – Grund: die strenge chinesische Zensur.
Umso mehr wundert es mich bis heute, wie es „Word of Honor“ geschafft hat, viele mehr als eindeutige Szenen durchbekommen zu haben! Und auch mit Zweideutigkeiten wird nicht gespart, angefangen von Bewegungen und Gegenständen bishin zum Rezitieren von sehr zweideutigen Gedichten, die eindeutig einen romantischen Unterton andeuten. Selbst der Text war im Original deutlich anzüglicher als in der finalen Fassung, doch hier konnte sich die Zensur durchsetzen, da mehr als einmal Synchro und Lippenbewegung nicht konform sind. Und zur Info: es gibt Videos im Netz, in denen es sich Leute zur Aufgabe gemacht haben, den originalen Text herauszufinden - und der hat es in sich (wenn ihr versteht, was ich meine^^)!
Dennoch sind wir weiterhin fernab von Boys Love, wie es der eine andere aus dem japanischen Yaoi kennt. Stattdessen bewegt sich „Word of Honor“ gekonnt in einer angenehmen Grauzone zwischen Bromance und Boys Love, was somit die Handlung nicht aufbricht sondern mit herausragender charakterlichen Interaktion bereichert und ihrer ganzen Beziehung eine angenehme und v.a. wahrnehmbare Wärme verleiht.

Und was ich der Serie aber auf jeden Fall auch sehr positiv zu Gute halten muss, ist, dass sie nicht CGI-überladen ist. Es gibt keine animierten Monster, gegen die kitschig gekämpft wird, ebenso werden von den Figuren keine Feuerbälle oder ähnliches durch die Weltgeschichte geschleudert. Stattdessen sind die Kämpfe meist klassisch Mann-gegen-Mann, in denen entweder mit Schwertern oder mit Kung-Fu aufeinander eingeschlagen wird. Und das gibt der Handlung sehr viel Ernsthaftigkeit.
Man merkt zwar sofort, dass die Darsteller wenig mit Kung-Fu anfangen können und man merkt auch mehr als einmal, dass hier Stuntmänner kämpfen und die Darsteller nur für einige Szenen hineingeschnitten sind, dennoch sind die Kämpfe optisch ansehnlich und machen Spaß. Besonders positiv fällt hier im Vergleich zu anderen Serien der gekonnte Einsatz der Zeitlupe auf, der nicht auf Special Moves von irgendwelchen Charakteren ausgerichtet ist, sondern auf die herausragende Verwendung von umliegenden Gegenständen. Da spritzt dann schon mal das Wasser in Zeitlupe, wenn A-Xu ein Handtuch zum Kämpfen heranzieht, kombiniert mit einer 360° Rundum-Bild-Kamera – und das sieht dann einfach nur noch cool aus!
Leider wird man jedoch zu wenig mit diesen optisch und choreographisch ansprechenden Kämpfen belohnt, sondern muss sich meist durch viel Dialog zwängen. Ebenso werden einem nach kurzer Zeit viele Sets bekannt vorkommen und manchmal wird tatsächlich folgenlang am gleichen Set herumgehangen. Ich schiebe das mal auf Corona zurück und kann der Serie damit mit dieser Begründung verzeihen.

Der insgesamt noch zu erwähnende hervorragende Einsatz von Literatur und Dichtung gibt "Word of Honor" noch einen weiteren speziellen Touch, der die Serie anspruchsvoll erscheinen lässt. Hier steht man jedoch als Nicht-Chinese im Grunde vor verschlossenen Türen, weil man die Gedichte schlicht und einfach nicht kennt, genauso ihren Sinnzusammenhang oder ihre tiefere Bedeutung. Dennoch ist das Detail schön und lässt sich einfach mittels YouTube ergänzen.


Zu den Charakteren
Ich hatte es ja schon mehrfach angedeutet, die eigentlichen Stars, oder besser gesagt, die eigentliche Handlung selbst sind A-Xu und Lao Wen.

Ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, was die beiden als Hauptfiguren so interessant macht. Dass beide die typischen Antiheld-Charaktere sind, ist mehr als offensichtlich, und gibt der Handlung damit den nötigen Pepp und emotionale Tiefe, aber dennoch hatte ich die ganze Zeit dieses unerklärliche Gefühl von „neu“ während des Schauens. Und es musste lustigerweise erst Zhang Zhe Han (Darsteller von A-Xu) in einem Interview sagen, bis es mir endlich wie Schuppen von den Augen gefallen ist: „Die Serie als solche geht vollkommen anders an die Geschichte heran. In jedem anderen Wuxia wäre Cheng Ling mit seinen typischen Held-Eigenschaften die Hauptfigur gewesen und die Geschichte wäre aus seiner Sicht erzählt worden. „Word of Honor“ nimmt sich jedoch im Grunde zwei klassische Support-Charaktere und macht aus ihnen die beiden Hauptrollen.“

Und es stimmt!

A-Xu ist der mehr als offensichtliche Antiheld, den man im Notfall noch am ehestens auch zu einer Hauptfigur hätte machen können, dessen Funktion in der Rolle als Lehrmeister von Cheng Ling im Grunde aber tatsächlich der typische Support in sämtlichen anderen Wuxia-Serien ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass ich selten einen Charakter gesehen habe, der so aktiv versucht passiv zu sein. Normalerweise würde ich mich darüber beschweren, wenn sich Hauptfiguren nur passiv durch die Story mitschleifen lassen, aber „Word of Honor“ verkauft uns diese passive Haltung als die wertvollste Charaktereigenschaft von A-Xu, sodass es den Charakter einfach extremst besonders und einzigartig macht. Kombiniert mit der guten schauspielerischen Leistung von Zhang Zhe Han erschafft die Serie einen herausragenden Hauptcharakter.

Wem sich Zhang Zhe Han aber schauspielerisch eindeutig geschlagen geben musste war Gong Jun in seiner Rolle als Lao Wen. Gong Jun kennen die meisten im Fandom als „ganz gut bis nicht herausragend“, umso überraschter waren alle, als dieser plötzlich mit DER Performance seiner bisherigen Karriere um die Ecke kam (und das lustigerweise auch noch als Corona-Cast! 95% der Darsteller wurden tatsächlich nachgecastet, weil die originale Besetzung zeitlich aufgrund der vielen Verschiebungen nicht mehr für "Word of Honor" zur Verfügung stand). Mit Lao Wen bekommt er aber auch einen der besten Wuxia-Charaktere an die Hand, die ich bisher gesehen habe. „Als eine Mischung aus Gut und Böse“ beschreibt Gong Jun seine eigene Rolle und auch als Zuschauer scheint man den Charakter einfach nicht greifen zu können. Wie oft schätzt man ihn falsch ein, wie oft traut man ihm Aktionen nicht zu, wie oft reagiert er genau gegenteilig von der eigenen Erwartung? Lao Wen ist als Figur so komplex, dass ihn niemand einschätzen kann, wirklich niemand! Und das macht ihn irgendwann zu einer tickenden Zeitbombe, weil er keine Sicherheit oder Beständigkeit vermittelt. Stattdessen entpuppt er sich sogar beinahe als naiv, was mit seinem gefährlichen Charakter eine explosive Mischung gibt.
Ebenso spannend ist auch seine Geschichte, die zwar nicht besonders und nicht „nie gesehen“ ist, aber dennoch hervorragend zum Charakter und dessen Grundeigenschaften passt. Wie oben bereits geschrieben, Lao Wen ist der eigentlich Star der Handlung, beinahe schon die eigentliche Handlung selbst, die eher durch die offensichtlichen Handlungsstränge nur noch ergänzt wird. Und allein wegen ihm lohnt sich die ganze Serie schon.

Die anderen Figuren sind in Ordnung und passen von der Chemie zwischen den Darstellern gut in die Serie, doch leider sind die meisten tatsächlich austauschbar. Die Handlung wird so dermaßen von A-Xu und Lao Wen als Figuren dominiert, dass es die anderen Charaktere fast nicht mehr braucht, da sie insgesamt so gut wie keinen Einfluss auf die Story nehmen. Viele Storylines wirken dadurch losgelöst von der Handlung, sodass sie die eigentliche Serie im Grunde nicht voranbringen. Viele dieser Storylines habe ich sogar komplett übersprungen, was ich im Nachhinein sogar schade finde, da sie sicher gut gewesen wären. Nur leider versteht man die Hauptstory auch ohne Probleme ohne diese Nebengeschichten, da einfach inhaltlicher Zusammenhang fehlt.
Die Antagonisten braucht man da noch am ehesten, ihre Motivationen waren jedoch langweilig und mittelprächtiger Standard. Dennoch spielen die Antagonisten hervorragend in die Charakterentwicklung von A-Xu und Lao Wen hinein, was ja der eigentliche Schwerpunkt der Handlung ist. Somit ergibt sich auch mit schwachen Support-Cast ein stimmiges Gesamtbild.


Fazit
Im Nachhinein muss ich tatsächlich sagen „Tale of the Wanderer“ wäre der eigentlich passende Titel für „Word of Honor“ gewesen. Im Grunde geht es in der Geschichte um zwei Wanderer, die noch keinen Platz in der Welt gefunden haben, wandernd umherstreifen, nur um sich dann gegenseitig den jeweiligen Platz zu zeigen. Zwei Antiheld-Figuren mit den typischen Support-Eigenschaften dafür zu Hauptfiguren zu machen, gibt der Serie eine so noch nie gesehene Dynamik, die die Serie besonders macht.

Leider stören die vielen Nebengeschichten, die zwar ausführlich gezeigt werden, die Handlung im Gesamten aber nicht beeinflussen. So entsteht im Nachhinein ein Gefühl von "Flickenteppich", wo man sich tatsächlich 10 Figuren locker hätte sparen können, weil ihr Einfluss auf die Geschichte gleich Null ist.

Erinnert ihr euch noch an meinen Satz zu Beginn der Rezension?
„Ist die Handlung gut? – nein!“

Eigentlich müsste er heißen:
Ist die tatsächlich ablaufende Handlung gut? – nein!
Ist die reale Handlung gut? – aber so was von!!
Post was last edited on 14.04.2021 um 09:39.
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Xin Zhai Lieren

Avatar: SabriSonne
Editor
#9
Ich liebe einfach Serien, bei denen man vollkommen ohne Erwartungen hineingeht. Ich habe im ersten Moment mit einem Abklatsch von "Tientsin Mystic" gerechnet, doch ich dachte mir schon vom Titel her, dass mir die Serie sehr gut gefallen könnte, weil ich einfach ein Mystery-Häschen bin. Dass ich „Psych-Hunter“ jedoch so reinsuchten würde, hätte ich dann doch nicht erwartet…!


zur Handlung
Wie der Titel schon andeutet, verfolgen wir eine Gruppe von 3 jungen Menschen, die sich in die Abgründe des menschlichen Unterbewusstseins stützen, um in diesem Fall Kriminalfälle zu lösen.
Der Ansatz ist kreativ und hebt die Serie damit bereits in den ersten Folgen von sämtlichen Crime-Serien ab, die es in ihrer Hülle und Fülle gibt. Dabei dienen die psychischen Reisen in erster Linie dazu, fehlende Informationen und Beweggründe zu ergründen, die dann ein meist hervorragendes Puzzle-Teil zum Gesamteindruck beitragen. Die Serie auch 1920 spielen zu lassen, war eine clevere Entscheidung, da hier zwar die technischen Möglichkeiten etwas ausgereifter sind (z.B. mit Fotographie), gleichzeitig aber noch Aberglaube und Okkult im Vordergrund stehen, sodass die psychischen Reisen in der Regel auch das Okkulte aufgreifen. Außerdem sind die Kostüme und das Set einfach wunderschön.

Überhaupt sind die Reisen unserer „Psych-Hunter“ atemberaubend. Nicht nur die okkulten Themen wie Feng-Shui, Zeit, das gruselige Kinderhaus oder die schwarze Katze tragen einen großen Punkt zum Grusel bei, auch die Sets sind hervorragend gebaut! Der Einsatz von Licht und CGI ist grandios und erweckt damit jede Welt eigens zu Leben, sodass man als Zuschauer nicht anders kann, als in diese phantastischen Welten einzutauchen und sich wie unsere „Psych-Hunter“ mitreißen zu lassen. So mischt sich ganz selbstverständlich ein klassisches Adventure-Genre neben den Crime hinein, in dem Fallen entschärft und Rätsel gelöst werden müssen, um an die richtige Informationen zu gelangen. Und da man in einer phantastischen Welt im Unterbewusstsein im Grunde mit allem rechnen muss, macht es jede psychische Reise spannend und besonders. Dabei sind die Reisen tatsächlich überraschend regelkonform, obwohl man manchmal dennoch das Gefühl hat, die psychischen Reisen sind in der Regel zielführend für den einzelnen Fall gestaltet.
Das ethische Dilemma solcher Reisen wird zwar im Grunde nicht erörtert, dennoch kommen gerade Jiang Shuo oft Gedanken darüber auf, ob man manche Leute nicht einfach in ihrer psychischen Welt lassen sollte, weil sie dort wenigstens zufrieden sind. Im ersten Moment fällt diese Tatsache kaum ins Gewicht, sondern wirkt eher wie eine Vervollständigung der Handlung, im Hinblick aber auf das Finale kommt gerade diese Komponente noch einmal auf eine ganz andere Ebene, die die ganze Situation plötzlich zu einem absoluten Dilemma machen.


Relativ schnell merkt man, dass die ganzen Kriminalfälle wenig mit Zufall zu tun haben und diese sowohl mit Jiang Shuos verschwundenen Erinnungerungen als auch Qin’Ers verschwundenem Vater zu tun haben. Beide Motivationen sind zwar nichts besonderes, haben aber schon mehrfach bewiesen, dass sie grandios sein können, wenn gut mit ihnen gearbeitet wird – und „Psych-Hunter“ macht es gut. Nicht nur, dass es unseren beiden Hauptfiguren den aktiven Grund gibt, eine Zweckgemeinschaft einzugehen, sie treiben beide immer wieder die Handlung voran und vernetzen somit wirklich alle Kriminalfälle. Das auch die 3. im Bunde, Mu Qing, deutlich persönlicher in die Sache hingezogen wird, empfand ich dann nur noch umso perfekter.
Kein Fall ist Zufall – obwohl das manchmal so wirkt! Vom ersten bis zum letzten Fall, alle haben etwas mit der Hauptstory zu tun und bringen den Plot voran. Entweder ergibt sich der Fall über die Hauptstory an sich, oder der Fall hat im Nachhinein etwas mit ihr zu tun. Somit ist jede Folge spannend und mitreißend und motiviert trotz wiederholender psychischen Reisen immer wieder aufs Neue.

Die Hauptstory selbst ist im Grunde auch wieder typisch Crime, nämlich der typische Super-Bösewicht, der mit unseren Hauptfiguren ein sehr makaberes Spiel spielt, aber auch dieses Element ist grandios eingesetzt. Das liegt meiner Meinung nach am sehr starken Skript, das viel Raum zur Interpretation lässt und den Zuschauer mehr als nur einmal auf die falsche Fährte lockt, wer sich nun tatsächlich hinter Bösewicht Liu Zhi verbirgt. Man hat zwar am Anfang schnell eine Idee (und diese Idee war es im Endeffekt bei mir dann auch), aber selbst mich hat die Handlung mehrfach auf’s Glatteis geführt und mich immer wieder an meiner Idee zweifeln lassen. Stellenweise hat man sogar das Gefühl, es könnte wirklich jeder sein, und das macht für mich ein solches Story-Element einfach aus.

Zur Hälfte hin macht die Handlung nach einem für beide Hauptfiguren zentralem Fall eine kleine Wendung im Erzählstil durch, was im ersten Moment wie ein Bruch wirkt.
Zu Beginn nehmen die psychischen Reisen eine zentrale Rolle ein, da man sich als Zuschauer erst einmal an diese Thematik gewöhnen und auch erst die Regeln kennenlernen muss. Danach schwenkt die Handlung immer mehr in Richtung klassischer Polizeiarbeit um, nachdem auch die Polizei nun aktiver in der Verfolgung von Liu Zhi hilft. Damit rücken sowohl die psychischen Reisen als auch Jiang Shuo als Hauptfigur etwas mehr in den Hintergrund, was im ersten Moment etwas komisch wirkt, da sich gefühlt das Tempo ändert. Da die Fälle jedoch weiterhin spannend und interessant bleiben, fällt es im Endeffekt nicht schwer ins Gewicht, dennoch ist der Wechsel im Erzählstil auffallend.

Ebenso ungünstig empfand ich auch die Auswahl des ersten Falls, der sich schnell als Feng-Shui-Serienkiller-Fall entpuppt. An sich habe ich nichts gegen die Idee und die Geschichte war auch toll gemacht, keine Frage, nur habe ich leider von Feng-Shui zu wenig Ahnung, als dass es die Handlung von mir erwartet. Da geilen sich unsere Figuren daran auf, dass die eine Statue nicht nach Osten sondern nach Westen zeigt und betiteln das gleich als den wichtigsten Hinweis überhaupt – meine Reaktion: „…okay…?“

Ansonsten bekommen wir in „Psych-Hunter“ wirklich alles an Ideen geboten, die das Crime- und Adventure-Genre so mitbringen: vom klassischen „Einer von uns ist der Mörder“ über okkult-gruselige Themen bis hin zum Schmuggeln oder der Familientragödie. Die Geschichten sind dabei unterschiedlich stark emotional, da aber die meisten tatsächlichen Bezug zu unseren 3 Hauptfiguren haben, empfindet man immer schnell die nötige Empathie und Sympathie. Und da die Serie von Anfang an klar kommuniziert, dass alle Fälle im Grunde nur Teil eines riesig großen Spiels sind, klebt man förmlich am Bildschirm, weil man den Durst nach neuen Informationen stillen will.

Die Auflösung kurz vor Ende der vorletzten Folge war atemberaubend!
Wie gesagt, meine Idee, wer sich hinter dem Oberbösewicht versteckt, hat sich zwar bestätigt, aber nicht der Zusammenhang! Das Ende überrascht so kalt von Hinten, dass die kompletten 35 Folgen vorher in deinem vollkommen anderen Licht und Zusammenhang dastehen, dass es unglaublich ist! Viele Rollen bekommen damit eine überraschende zweite Facette, die man im Ansatz nicht erwartet hätte. Ebenso bekommen scheinbar harmlose Beweggründe einen anderen Zusammenhang und auch manche Fälle eine vollkommen neue Motivation. Die Handlung hinterlässt dabei überraschend wenig Plotholes zurück, sondern bringt trotz des semi-open Endes ein gutes Finale für die Serie, mit dem man sehr zufrieden ist.


zu den Charakteren
Was für mich das Skript und damit die ganze Handlung in das sprichwörtliche „Next Level“ heben, sind für mich die Figuren – genauer gesagt: es gibt wirklich keine einzige Figur, die nicht eine zentrale Rolle in der Handlung spielt! Jedes Familienmitglied, jeder noch so kleine Polizist, alle haben irgendetwas mit dem Spiel von Liu Zhi zu tun! Somit ist keine Rolle einfach nur da, um optisch das Bild abzurunden – wirklich jeder trägt irgendwann einmal etwas mehr oder weniger großes zur Gesamthandlung bei. Somit verstecken sich hinter fast allen Figuren meist mehr Geheimnisse als man jemals geahnt hatte, was noch zusätzlich zum allgemeinen Suchtfaktor beiträgt. Man will nun nämlich nicht nur die Fälle lösen und die Mörder finden, man will nun auch noch die Geheimnisse aller Figuren ergründen. Und zum Großteil funktioniert das auch sehr zufrieden stellend.

Unser Team aus „Psych-Hunters“ war für mich jedoch der Grund, weshalb ich die Serie überraschend lang vor mir hergeschoben habe. Mich hatte die Serie damals schon während ihres Releases sehr interessiert, aber da für mich alle Hauptdarsteller im ersten Moment nicht die größten Sympathiebolzen waren, habe ich mich mit dem Start schwer getan. Aber manchmal muss man dem Cast einfach seine kleine Chance geben, um zu erkennen, wie sympathisch er einem eigentlich ist, um die tatsächlichen Schätze unter den Serien zu entdecken (so ging’s mir z.B. auch bei „Ancient Detective“).

Hou Ming Hao in seiner Rolle als Jiang Shuo fand ich herausragend! Für mich ist Ming Hao einfach optisch der Typ, der perfekt in die Rolle des kleinen Privatermittlers / Abenteurers passt und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass sich Ming Hao in solchen Rollen auch sehr wohl fühlt. In seinem Alter (22) eine Serie als Main-Lead zu führen, verdient großen Respekt und er macht seine Rolle wirklich gut. Jiang Shuo ist von Anfang an aufgrund seiner fehlenden Erinnungungen ein interessanter Charakter und obwohl die Geschichte für ihn schnell dramatisch und psychisch aufwühlend wird, verliert Ming Hao nicht die spielerische Komponente der Figur aus den Augen. Somit ist der Charakter dreidimensional und damit v.a. nachvollziehbar, sodass es einem als Zuschauer viel Spaß macht, ihn während seiner Reisen zu beobachten.
Ich fand es zwar etwas Schade, dass seine Figur in der 2. Hälfte der Serie nicht mehr ganz so sehr zum Tragen kommt, aber da die Handlung mehr auf die klassische Polizeiarbeit fokussiert, macht es Sinn. Von allen Figuren ist Jiang Shuo nun mal nicht der Charakter, der Beziehungen in sämtliche Richtungen hat, um an Informationen zu bekommen – das übernehmen nun andere Figuren. Dennoch bleibt er weiterhin zentraler Teil der Handlung, obwohl seine Rolle deutlich anders wirkt als in Hälfte 1.

Qin Yi Heng als zweite wichtige Figur, die v.a. in der 2. Hälfte der Serie eine deutlich tragendere Rolle übernehmen wird, hat es mir am Anfang nicht leicht gemacht, da er ein Charakter ist, der ziemlich lange braucht, um mit Figuren warm zu werden. Somit wirkt er im ersten Moment sehr unnahbar und beinahe schon arrogant, weshalb man mit seinem Charakter deutlich länger braucht als mit Jiang Shuo. Da seine Einführung als Figur in die Handlung jedoch tatsächlich als Zweckgemeinschaft startet, macht es ihn jedoch für die Handlung als solche ebenso schnell attraktiv wie Jiang Shuo. Es wird sofort klar gemacht, dass beide Figuren nur als Team ihre Ziele erreichen können, und das ohne, dass sich die Beiden dieser Tatsache erst bewusst machen müssen. Ganz oft findet man sich in anderen Serien in dieser Schleife aus „zufällig treffen wir immer aufeinander, bis wir merken, dass wir eigentlich ganz gut zusammenarbeiten“ wieder, was hier mit der Ausgangsituation aber erst gar nicht aufkommt, sodass die Beziehung der beiden im ersten Moment schon klar ist. Schön fand ich dann aber dennoch, dass es relativ lange braucht, bis sich die Bromance zwischen den beiden entwickelt. Damit wird v.a. Qin’Er als Figur mit seinen Charaktereigenschaften noch einmal deutlich unterstrichen.

Die aufkommende Romance entsteht mit dem weiblichen Charakter, Yuan Mu Qing, die, soweit ich das verstanden habe, im Original nicht vorkommt. Dennoch fand ich ihre Rolle sehr angenehm, da sie zwar im ersten Moment immer wieder die Rolle der „Damsel in Distress“ verkörpert, sich aber in 85% der Fällen selbst aus brenzligen Situationen retten kann. Ebenso scheint sie nicht auf den Kopf gefallen zu sein, sondern liefert neben den beiden cleveren Jungs immer wieder gute Hinweise und bringt die Handlung damit voran.

Was mich aber wie gesagt mehr überraschte, waren die Nebencharaktere. Nicht nur, dass so ziemlich jeder den sprichwörtlichen Doppelten Boden unter sich hat, es ist tatsächlich die Sympathie, die man irgendwann mit allen empfindet. Alle Figuren sind auf ihre Weise sympathisch und man muss mehr als einmal schmunzeln, wenn einem wieder dieses warme Gefühl von Familie oder Zusammenhalt entgegen kommt. Somit ergibt sich gerade mit dem Nebencast ein unglaublich rundes Gesamtbild.
Auch die Figuren der einzelnen Fälle sind interessant und spannend. Manche Motivationen sind im Endeffekt zwar nicht weltbewegend, aber in jedem Moment nachvollziehbar, was Empathie tatsächlich einfach macht.


Fazit
Ihr merkt es schon wieder an der Länge – ich habe „Psych-Hunter“ wirklich sehr genossen!

Typische Crime-Stories in eine Mischung aus klassischem Crime und Fantasy-Adventure zu verpacken, ist anders und innovativ und hebt die Serie ohne viel Zutun von sämtlichen anderen Serien im Besonderen ab. Die Handlung ist dabei für die 36 Folgen Laufzeit unglaublich kompakt, sowohl von Seiten der Fälle als auch von der der Figuren, in der wirklich jeder kleine Abschnitt wie Zahnrädchen perfekt ineinander klacken. Die finale Auflösung verspricht zwar im ersten Moment langweilig zu werden, überrascht dann aber mit einem dermaßen unerwarteten Ende, das die ganze Handlung bis dato in einem vollkommen anderen Licht wiedergibt und damit auch Aspekte wieder in den Vordergrund rückt, die man nie als wichtig erachtet hatte. Im Endeffekt ist jede noch so kleine Handlung, jeder noch so kleine Gegenstand für die Gesamthandlung wichtig, was für mich einfach einen grandiosen Gesamteindruck hinterlässt.

Alles in allem wirklich eine Serie, wo man gar nicht viel tun muss, um sich mitreißen zu lassen.
Post was last edited on 11.04.2021 um 06:19.
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Qie Ting Feng Ming

Avatar: MiniNaito#10
Handlung
Feng Wu wird angegriffen, nachdem ihr Phönixblut gestohlen wird liegt sie im sterben und eine andere Person nimmt ihren Platz ein.
Drei Jahre später erhält die "neue Feng Wu" die Chance die mit der Cultivierung von vorn zu beginnen, um so mehr über die Vergangenheit und ihre wahre Identität zu erfahren. Dabei stehen ihr der Kronprinz Jun Linyuan, sowie seine Freunde Feng Xun und Xuan Yi zur Seite. Im Verlauf der Handlung lernt sie immer mehr Personen kennen und erfährt von einem Komplott der den ganzen Konitent ins Chaos stürzen kann.

Charaktere (eine kleine Auswahl)
Feng Wu (gespielt von Yang Chao Yue) ist eine kluge junge Frau. Gekonnt spielt sie die Ahnunglose oder wenn sie jemanden trifft den sie kennen sollte, überspielt sie gekonnt ihre Ahnungslosigkeit. Sie verdient für ihre Familie Geld indem sie Medikamente herstellt und verkäuft.
Im Verlauf der Handlung wird klar, dass die vorherige/ echte Feng Wu eine ernste Frau war, die ihre Gefühle weggeschlossen hat und nur noch für ihre Mutter und die Cultivierung lebte.

Jun Linyuan (gespielt von Xu Kai Cheng) ist der Kronprinz. Zu Beginn der Serie leider er unter dem Loveless Insect Venom, dass ihm zu einem unfreundlichen Mann gegenüber seiner wahren Liebe werden lässt. Das Gift wird aber schnell im Verlauf der Serie geheilt und er wird zu Feng Wu's besitzergreifendem Beschützer.

Zuo Qingluan (gespielt von Fu Jing [Jinna]) ist die Rivalin von Feng Wu. Sie ist extrem neidisch und will alles, was Feng Wu "gehört" für sich allein besitzen.

Zhao Ge (gespielt von Estelle Chen) ist eine Kindheitsfreundin von Feng Wu, aber auch von Zuo Qingluan. Sie wird von ihren Mitschülerinnen gemobbt, hält aber stets zu ihren Freunden. Um Xuan Yi ihre Liebe zugestehen lern sie kochen.
Später fühlt sie sich in ihrer Treue zwischen Feng Wu und Zuo Qingluan hin und hergerissen.


Die Schauspieler liefern alle eine gute bis sehr gute Performance. Alle Charaktere haben glaubhafte Emotionen und ihre kleinen Eigenheiten. Gerade Zhao Ge liefert als "Nebencharakter" eine besonders spannende Entwicklung.

Animation
Die Animationen sind auf einem hohen Niveau und stören nicht. Der colored Phönix der Feng Wu zur Seite sieht fast wie ein echter Vogel aus. Auch wenn Zuo Qingluan und Feng Wu im Kampf ihren Eis- bzw. Feuerphönix beschwören ist das sehr schön anzusehen.

Warum 1 Stern abzug?
Ab Folge 20 wird das Tempo der Geschichte immer schneller. Folge 27-29 beschäftigen sich mit dem Kampf gegen die Kaiserin, der in Folge 30 ein abruptes Ende findet. Folge 30 ist allgemein sehr schwach. Die letzte Folge hätte problemlos - mit mehr Erklärungen - auf 5 Folgen ausgedehnt werden können.
Spoiler
Die Heilige Kaiserin tötet sich selbst, als ihr Neffe und Lord Demon (dessen Liebe sie nie erwiedert hat) sterben. Zhao Ge und Xuan Yi lösen sich auf, weil sie einen in Zhao Ge's Körper eingeschlossenen Treasure verwenden - sind am Ende der Folge aber wieder quicklebendig und es wird nur gesagt das Feng Wu und Jun Linyuan das Problem gelöst haben.
Anschließend sollen Feng Wu und Jun Linyuan heiraten, aber Meister Mu tritt zuvor an Feng Wu heran und schickt sie zurück, an den Ort an den sie gehört.

Fazit
Dance of the Phoenix ist eine gute Liebesgeschichte, die Intrigen sind nachvollziehbar und es macht Spaß nicht nur Feng Wu dabei zuzusehen wie sich verliebt, sondern auch wie die schüchterne Zhao Ge ihren introvertierten Xuan Yi langsam aber sicher um den Finger wickelt.
Das unbefriedigende Ende sollte einen nicht davon abschrecken die Serie zu gucken.
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Daegun: Sarangeul Geurida

Avatar: SabriSonne
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#11
Normalerweise beginne ich meine Reviews nie mit einem Filmzitat – aber der Satz, den ein Charakter in der letzten Folge von „Grand Prince“ abgeben hat, hat für mich dieses ganze Erlebnis einfach so perfekt zusammengefasst, dass es als Einleitung geradezu prädestiniert war:

„Life can be endlessly meaningless, and good fortune can turn into disaster in an instant“


zur Handlung
Ich muss zugeben, dass „Grand Prince“ wie bei den meisten KDrama-Zuschauern schlicht und einfach damals komplett an mir vorbei gerauscht ist. Ich bin auch nur per Zufall darauf gestoßen, weil die Serie selbst im Sageuk-Genre nicht unbedingt empfohlen wird, und damit leider ein ziemliches Schattendasein führt.

Ich hatte einfach Lust auf eine Serie mit Hauptdarsteller Yoon Shi-Yoon (Eun Sung), dass ich mir weder Trailer noch Beschreibung gegeben habe – und im Nachhinein war das glaube ich Gold wert!
Ich bin ohne Erwartungen an die Handlung herangegangen. Nebenher habe ich bereits mitbekommen, dass die Geschichte als ziemlicher Abklatsch von „Princess’ Man“ verschrien wird, aber im Nachhinein bin ich mehr als zufrieden „Grand Prince“ gesehen zu haben – denn sie ist weder Abklatsch noch nicht-sehenswert.

Hauptteil der Handlung ist eine hervorragend geschriebene Palastintrige, die man zwar in einem Sageuk erwartet und auch dementsprechend gradlinig verläuft, die aber extremst spannend und mitreißend dargestellt wird. Hinter jeder Ecke verbirgt sich ein Feind, Jeder wettert gegen Jeden und alle rammen sich fleißig gegenseitig die Messer in den Rücken. Keiner kann sich sicher sein, nicht mal die kleinsten Kinder sind vor dieser Palastintrige geschützt und auch mit Tod wird nicht gespart, weshalb für mich das oben genannte Filmzitat die Handlung einfach perfekt zusammenfasst. „Grand Prince“ gibt das Gefühl, dass Charaktere Ziele erreichen können, nur um ihnen dann zu zeigen, dass man ihnen den Sieg mit dem nächsten Augenzwinkern schon wieder entreißen kann. Dadurch bekommt die Handlung automatisch einen mitreißenden Zug und man klebt stellenweise förmlich am Bildschirm.

Zwischen die wirklich sehr sehenswerte Palastintrige mischt sich bereits zu Beginn eine sehr niedliche Liebesgeschichte, die knuffig und goldig anfängt, und am Ende von einer Tragödie in die nächste rennt. Die Handlung ist dabei gnadenlos und zeigt eindrucksvoll, wie die falschen Charakterbeziehungen zu fatalen Folgen führen können. Selbst die Liebesgeschichte zwischen Prinz Eun Sung und Ja-Hyun hat keine Zeit zum Durchatmen und hält einen bis zum Schluss an der Stange. Die wenigen ruhigen Szenen werden umso herzzerreißender, weil alle Beteiligten wissen, dass diese nur von kurzer Dauer sein könnten. Selbst dem Zuschauer ist sich dies mehr als bewusst, sodass die Szenen emotional intensiv werden.

Und eine ganz besondere Form der emotionalen Tiefe entsteht mit dem Erzählstil. Die Handlung beginnt mit einem Vorausblick in die Zukunft. Prinz Eun Sung taucht nach 3 Jahren, in denen er für tot gehalten wurde, überraschender Weise wieder am Hof auf und steht vor den Trümmern seines Lebens. Ich hatte Angst, dass die Handlung danach zu langweilig wird, weil wir mit diesen Szenen ja schon einige Storyelemente vorgegeben bekommen, auf die die Geschichte hinarbeiten wird, aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Die Handlung schreitet wahnsinnig schnell voran und schafft es damit in nur wenigen Folgen alle Figuren in der Handlung zu platzieren, einige Liebesgeschichten aufzubauen und den Weg für Eun Sungs Verschwinden zu ebnen. Viele Storyelemente erwartet man trotz Vorwegnahme einiger Storylines nicht, sodass man von den offensichtlicheren Parts wenig gestört eine sehr harmonische Geschichte erleben kann. Die Handlung hat dabei mehrere Höhepunkte und ruht sich nicht auf dem Vorausblick aus, sondern wird gewaltiger als zu Beginn erwartet. Denn die Geschichte startet in Folge 2 als niedliches Alltagsdrama, bei dem man schon merkt, dass etwas im Busch ist, und entwickelt sich in nur 5 Folgen zu einer wahren Tragödie, die dann immer ausladender wird. Dennoch fällt die Wiederverwendung der Szenen der 1. Folge auf, die leider nur mit zusätzlichen Szenen und dem anderen Verständnis und Zusammenhang als zu Beginn erweitert werden.

Müsste man doch etwas Negatives in der Handlung suchen, würde ich die Stimmung auf jeden Fall erwähnen. Nicht, dass die Stimmung nicht passen würde, denn „Grand Prince“ ist nun mal kein knuffiger RomCom, eher insofern, dass man den Erzählstil als sehr „drückend“ und „schwer“ bezeichnen kann. Die Handlung hat zwar wie gesagt ein hervorragendes Tempo für ihre 20 Folgen, in denen sie im Grunde nur eine Palastintrige behandelt, aber locker-flockig ist die Handlung nicht. Sie ist und bleibt der Inbegriff einer Tragödie, in der sich alle Figuren die Augen ausheulen, und bei „Grand Prince“ haben wir dermaßen viele Tragödien auf einmal, dass ich mich stellenweise tatsächlich gefragt habe, woher manche Figuren noch die Kraft hernehmen, sich überhaupt noch irgendwie zu bewegen. Kombiniert mit einem schönen Instrumentalsoundtrack, der die Szenen zwar schön untermalt, der aber dann im zweiten Schritt mit einem extremst kritischigen gesungenen OST daher kommt, macht viele Szenen kitischiger, als sie es tatsächlich sind. Das nervte an einigen Stellen.
Außerdem ist die Geschichte sehr gesprächslastig. Es wird viel diskutiert, viel ausgemacht und viel gewettert, dass es manchmal ermüdend wirken kann. Da freut man sich zwischendrin umso mehr über schöne Action-Einlagen oder ein bisschen ruhige Romanze.


zu den Charakteren
Interessanterweise fällt hier sofort auf, dass die Serie keine offensichtliche Hauptrolle vergibt. Wir haben im Grunde mit Eun Sung, seinem Bruder Jin Yang und seiner Liebe Ja-Hyun 3 Charaktere, die ähnlich viel Screentime bekommen. Untermauert werden diese Figuren durch eine große Fülle an sehr angenehm gestalteten Nebencharakteren, die aber auch alle ähnlich viel Screentime abbekommen. So nimmt sich die Handlung ausreichend Zeit bei so gut wie allen handlungsrelevanten Charakteren (selbst Ministern!) den persönlichen Standpunkt zu erörtern, zu festigen und ihn dann im Lauf der Intrige immer wieder zu testen. So wirkt selbst der im ersten Moment unbedeutenste Randcharakter drei-dimensional, was die Intrige umso spannender und eindrucksvoller macht. Jeder Charakter funktioniert als kleines Stellschräubchen und kann mit einer falschen Reaktion das ganze System ins Einstürzen bringen. So ist weniger die Handlung ausschlaggebend sondern eher die immer wieder wechselnde Dynamik der Figuren, die dadurch den Verlauf der Handlung beeinflussen. Und dies zu beobachten ist äußerst zufriedenstellend.

Die 3 Hauptcharaktere überzeugen insgesamt auf voller Linie und sind entsprechend ihrer Hauptaussage durchgehend schön und konstant geschrieben.
Jin Yang, oder auch Lee Kang genannt, bildet ab den ersten Moment den Bösewicht, der zwar schon zu Beginn böse ist, der aber facettenreich auch Schwäche und Zweifel portraitiert. Seine Entwicklung ist schön mit anzusehen und v.a. im Hinblick auf die Palastintrige nachvollziehbar, was ihn zu einem interessanten Gegenspieler macht.

Ja-Hyun als weibliche Hauptrolle habe erst misstrauisch beäugt, da Darstellerin Jin Se-Yeon nicht unbedingt zu meinen Lieblingsschauspielerinnen gehört. Ich würde sie nicht als schlecht bezeichnen, aber für mich ist sie kein Sympathieträger. Umso überraschter war ich, dass ihre Rolle weniger nervt als zu Beginn erwartet. Ja-Hyun glänzt mit Eigeninitiative und nimmt auch mal Sachen selbst in die Hand. Sie ist mutig und traut sich mehr zu, als viele von ihr erwartet. Im Vergleich zu altbekannten Frauenzimmern aus anderen Titeln wirklich eine willkommene Abwechselung.

Aber kommen wir nun zum Highlight der Serie: Yoon Shi-Yoon als Prinz Eun Sung (Lee Hwi). In ihm bündelt sich ein Großteil des Storyverlaufs und der Sicht, aus der wir die Handlung beobachten dürfen. Und kombiniert man diesen Charakter mit einer grandiosen und v.a. nachvollziehbaren Charakterentwicklung, dann ist Eun Sung wirklich ein sehr starker Charakter. Denn Eun Sung hat am Anfang eigentlich gar nichts mit der ganzen Intrige zu tun. Er wird im Verlauf der Handlung schlicht und einfach ein Opfer davon, weil er einfach als Prinz geboren wurde, und startet damit seine Reise als mehr als widerwilliger Held. Eun Sung muss jedoch schneller als ihm lieb ist über seinen Schatten springen und Verantwortung übernehmen, die er nicht übernehmen möchte, sodass schnell ein in sich zerrissener und damit sehr interessanter Charakter entsteht.
Und Shi-Yoon war grandios in dieser Rolle! Ich war zu Beginn gespannt, da Shi-Yoon eigentlich seinen Schwerpunkt auf Comedy-Rollen hat, weshalb ich keinerlei Erfahrungen hatte, wie er sich in einer dermaßen dramatischen und ernsten Rolle schlagen würde. Und ich muss sagen, er war grandios! Shi-Yoon schafft es mit seiner jugendlich frischen Art, Eun Sung sowohl als niedlichen unbeschwerten Prinzen zu spielen, und am Ende aus ihm einen zerbrochenen, überforderten Charakter zu gestalten, dessen innerliche Zerissenheit man in jeder Falte seiner Mimik sieht. Schauspielerisch wirklich ganz großes Kino!


Fazit
„Grand Prince“ ist eine Serie, die ich in diesem Ausmaß nicht erwartet habe. Die Palastintrige ist fesselnd, v.a. da tatsächlich auch alle Charaktere darin verwickelt sind. Jedem Charakter, auch Nebencharakteren, wird dabei immer die Chance zum Seitenwechsel gegeben, was die Intrige dynamisch macht und einen immer wieder vor dem Bildschirm hält.

Die Tragödien sind zwar logisch, wirken aber manchmal „zu melodramatisch“ und damit leider etwas schwerfällig, sodass man sich immer wieder neu in die Stimmung der Serie hineinfinden muss. Aber es sind eben genau diese Tragödien, die einem als Zuschauer alle Sicherheit nehmen, wer von den Charakteren ein Happy-End erwarten darf oder ob es überhaupt eines geben wird…

Wer noch nie Sageuk gesehen hat, macht mit dieser Serie jedenfalls überhaupt nichts falsch!

PS: und „Princess' Man" ist für mich eine vollkommen andere Geschichte - deswegen verstehe ich den Vorwurf des „Abklatsch" hier überhaupt nicht!
Post was last edited on 25.02.2021 um 10:01.
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Daleui Yeonin: Bobogyeongsim Ryeo

Avatar: SabriSonne
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#12
Nach Jahren endlich eine Review. Nach Jahren, in denen man die Serie nicht los lassen kann. Nach Jahren, in denen man immer noch von Lee Joon-Gi als Wang So beeindruckt ist.
Und das Interessante: eigentlich ist die Serie gar nicht so gut – aber wieso kann man sie dann trotzdem nicht hinter sich lassen?


zur Handlung
Ich weiß gar nicht, ob euch das eigentlich bewusst ist, aber „Moon Lovers“ ist in Südkorea gar nicht so gut angekommen. Die Handlung wurde kritisiert, der Umgang mit der Realgeschichte, die Aufmachung als viel zu „Fantasy-Like“ und nicht Realhistorisch genug beschrieben, selbst die Darsteller, allen voran IU (Hae-Soo) haben ihr Fett wegbekommen. Der einzige, der laut offizieller Kritik herausragend abgeliefert hat, war Lee Joon-Gi in seiner Rolle als Wang So – aber trotzdem ist die Serie so dermaßen erfolgreich?!

Der Erfolg begründet sich hauptsächlich über das ausländische Publikum, und da die Serie auf der aufkommenden Hallyu-Welle ihren Durchbruch feierte, gehe ich davon aus, dass „Moon Lovers“ für viele KDrama-Zuschauer die erste Serie war. Und wenn man kaum Vergleiche hat und noch nichts vom hohen Niveau von koreanischen TV-Serien weiß, dann kann man auch durchaus nachvollziehen, warum „Moon Lovers“ so durch die Decke geschossen ist. Interessanterweise wartet gefühlt auf die ganze Welt auf eine 2. Staffel, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann: die Handlung ist beendet - warum eine 2. Staffel?!

Zum einen startet „Moon Lovers“ in einem typischen Anime-Style als Romantische Komödie mit einem zwar nicht vorhandenen, aber im ersten Moment sehr offensichtlichen Fantasy-Schlag. Man merkt kaum, dass die Serie realhistorischen Hintergrund hat, dennoch ist das Genre beliebt und holt sich somit gleich viele junge Damen ins Boot. Hae-Soo als weiblicher Charakter macht den Eintritt in die historisch-koreanische Welt leicht und nachvollziehbar. Dass sie dabei ein typisches Anime-Frauenzimmer ist, das man aus sämlichen RomComs aus Japan kennt, macht die Sache sicher deutlich einfacher, da man bereits ein bekanntes Gefühlserlebnis hat.
Typisch Sentimentales Drama macht die Handlung aber bereits nach wenigen Folgen klar, dass es hier um mehr als die langweilig niedliche RomCom-Geschichte gehen wird. „Moon Lovers“ entpuppt sich bei längerem Schauen nämlich schnell als emotionale Achterbahnfahrt mit spannenden Charakterkonstellationen und dramatischen Szenen bis hin zum Tod wichtiger Figuren. Oft wird man dabei so kalt von hinten erwischt, dass man seine eigenen Emotionen nicht mehr unter Kontrolle hat, was sicherlich zu dem bleibenden Eindruck beiträgt.

Zentraler Handlungsschwerpunkt ist die Geschichte rund um den Thron. Wer nun aber denkt, man hat es mit der klassischen Palastintrige zu tun, der irrt gewaltig. „Moon Lovers“ ist viel mehr ein Sammelsurium an unterschiedlichen Geschichten, und hier scheitert für die mich das Konzept: die Ideen und Stimmungen sínd teilweise so unterschiedlich, dass unschöne Brüche entstehen bzw. sich die Serie selbst damit überlädt. Viele Storylines verlaufen „zu“ nebenher, sodass man sich auch emotional wenig darauf einlassen kann. Somit verpuffen leider viele emotionale Szenen, weil man schlicht und einfach zu wenig Zeit für die Story oder Screentime mit den Figuren hatte. Viele Handlungsverläufe wirken zufällig oder beliebig, man hat oft das Gefühl, Vorgeschichten verpasst zu haben, weil man dem Verlauf nicht immer folgen kann. Das ist sehr schade.
Hätte sich die Serie allein auf die Geschichte von Wang So konzentriert, hätte man sicher deutlich mehr herausholen können. Denn seine Geschichte ist der zentrale Stützpfeiler, die man nicht mehr vergessen wird (obwohl meine Reaktion nach dem Anblick seiner Narbe im Endeffekt "Süß! Und deswegen hat er dieses Schicksal?! Wegen dieser Narbe?!" war!). Wang So ist herausragender Charakter, der erst noch seinen Zweiten finden muss. Bei ihm bekommt der Ausdruck „zerrissener Charakter“ eine vollkommen neue Bedeutung, ebenso „harte Schale, weicher Kern“. Seine Rolle ist fesselnd, weil man ihn als Zuschauer ab seinen ersten Szenen bemitleidet, man wünscht sich für ihn ein Happy-End, doch die Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, scheinen unüberwindbar zu sein. So wird Wang So mehr als nur einmal den Abhang hinter gestoßen, sodass man als Zuschauer irgendwann das Gefühl bekommt, ihn in den Arm nehmen zu wollen. Und damit bleibt der Charakter im Gedächtnis. Kombiniert mit einem der penetrantesten, gleichzeitig melodisch aber auch schönsten Soundtrack, den ich je in KDramas gehört habe, macht es die Szenen intensiv und unvergesslich.

Die Romanze, die mit Hae-Soo aufkomment, ist unglaublich niedlich, trotz des großen Altersunterschied zwischen den Hauptdarstellern von 11 Jahren. Clever war v.a. die Romanze mit der Charakterentwicklung zusammen zu packen, die v.a. Wang So erfährt, während Hae-Soo der unfreiwillige Auslöser ist. Somit gibt die Romanze viel mehr her als eine bloße öde Liebesgeschichte zu sein.
Die anderen Romanzen sind niedlich, haben aber insgesamt zu wenig Screentime. Wang Wook als 4. Prinz hat noch die emotionalste Story am Anfang ergattern können, verschwindet dann aber im Verlauf der Folgen immer mehr in den Schatten und hat kaum wirkliche Funktion. Auch die anderen Prinzen und ihre Romanzen sind stellenweise ein Schatten ihrer Selbst, weil einfach zu viel Zeit auf unnötige Comedy oder der Wiederholung von bereits bekannten Standpunkten verschwendet wird. Gerade bei den Nebendarstellern hat man schnell das Gefühl, die Handlung dreht sich im Kreis.
Ebenso versucht sich die Romanze als Reverse-Harem-Story, die am Anfang vielleicht noch Sinn macht, da Hae-Soo als „moderner“ Charakter sicher interessant für unsere Prinzen ist. Da aber die meisten bereits ein eigenes, anderes romantisches Interesse haben, machen für mich die zweideutigen Szenen mit Hae-Soo keinen Sinn und stören nur. Am Ende habe ich mich sogar gefragt, warum manche Charaktere überhaupt miteinander geflirtet haben.

Dennoch kann die Palastintrige am Ende überzeugen. Die Story orientiert sich dabei an realhistorischen Gegebenheiten, die in Wirklichkeit sicher nicht so melodramatisch waren und auch mit viel künstlerischer Freiheit angegangen wurden, aber „Moon Lovers“ vermittelt hervorragend, dass ein Leben in der Königsfamilie nicht nur seine Sonnenseiten hat. Wer also schon immer davon geträumt hat, ein Prinz oder eine Prinzessin zu sein, der wird spätestens mit „Moon Lovers“ aus seiner Traumwelt geworfen.


zu den Charakteren
„Moon Lovers“ setzt auf eine gewaltige Fülle an Figuren, schon allein ausgedrückt durch geschlagene 8 handlungsrelevante Prinzen (hier war es sehr schlau, jedem Prinzen eine eigene Farbe zu geben, obwohl dadurch leider auch ein Unrealismus und Fantasy-Style entsteht). Dazu kommen Hae-Soo als Hauptfigur und gefühlt 15 wichtige Nebencharaktere, angefangen vom König bis hin zu den Romanzen der Prinzen.

Dass da nicht alle die gleiche Aufmerksamkeit bekommen können, brauche ich glaube ich niemandem erklären. Und so nimmt sich zwar die Serie Zeit, alle Figuren vorzustellen und ihnen einen Platz in der Handlung zu geben, doch bleiben die meisten zu oberflächlich und eindimensional.
Die Bösewichte sind gut, sind aber schon ab der ersten Sekunde böse und verändern ihr Verhalten auch nicht mehr. Ebenso sind die guten Figuren von Anfang an gut und bleiben es auch. So fallen die wenigen Figuren mit Charakterentwicklung dementsprechend positiv auf:

Hae-Soo entwickelt sich zwar vorhersehbar von der vorlauten, unangepassten Göre zur zerbrochenen Liebe im Herzen einer Palastintrige, aber die Entwicklung ist logisch und schön zu beobachten Manchmal nervt sie aber dennoch mit ihrer typischen RomCom-Haltung, die hier zu oft fehl am Platz wirkt, als tatsächlich lustig zu sein. Ebenso wird mit ihrem Charakter das Zeit-Paradoxon in seiner ganzen Fülle ignoriert, was gerade am Ende der Serie irgendwann überhaupt keinen Sinn mehr macht. Zum einen beeinflusst sie die Geschichte, zum anderen auch nicht - man hätte hier konsequenter sein müssen!

Wang So als der verhasste Sohn kämpft sich von einem Hindernis zum nächsten und kann dabei schnell nicht mehr verhindern, dass gerade Hae-Soo seine zerbrochene Seite erkennt. Und wenn man von „zerbrochen“ redet, dann ist es Wahnsinn, wie spannend der Charakter in dieser Hinsicht ist: ein Charakter, der tötet, nur weil er nicht weiß, wie er seine Emotionen kontrollieren soll. Wang So möchte in der ganzen Handlung am liebsten gefühlstot sein, doch sein eigenes Wesen lässt dies nicht zu, sodass er innerlich in jeder Szene am Kämpfen ist. Und Lee Joon-Gi mit einer solchen Rolle zu beauftragen war die grandioseste Entscheidung, die die Produzenten überhaupt treffen konnten! Joon-Gi spielt die Rolle herausragend, trotz mit im Schnitt mit 8 bis 10 Jahren Altersdifferenz zu den anderen wichtigen Prinzen! Für mich ist er einer dieser Schauspieler, die mehr Emotionen in einer Augenbraue haben als andere im ganzen Gesicht, und genau das braucht eine Figur wie Wang So. Joon-Gi schafft es mit den kleinsten Nuancen in seiner Mimik und Gestik aus Wang So einen unglaublich drei-dimensionalen Charakter zu machen, der an Realismus fast nicht zu überbieten ist. Als Zuschauer hat man förmlich das Gefühl, ihn komplett zu verstehen – und dadurch bindet man sich emotional extremst an ihn. Die Wandlung, die sein Charakter im Verlauf der Handlung durchmacht, ist damit noch intensiver und gipfelt schließlich im Finale, bei dem selbst ich gefühlt heulend am Fußboden saß.

Zu meiner großen Überraschung überzeugten im Endeffekt noch 3 Charaktere, die ich eigentlich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, weil sie in der Handlung im Grunde eher als Nebencharaktere liefen:
  • Kronprinz Wang Mu (grün), der nach seinem Vater als erster den Thron besteigt und den Wahnsinn um den Streit um den Königsthron wirklich hervorragend verkörpert
  • Der 9. Prinz Wang Won (lila), der sich plötzlich als sehr gerissener Charakter entpuppt, der Leute nach Strich und Faden ohne Skrupel hintergeht, um seinen eigenen Vorteil zu sichern
  • Wang Sos Freund Ji-Mong, der mehr als nur einmal eine emotionale Stütze für Wang So ist, weil er ihm als einziger treu zur Seite steht und in vielen Situationen durch sein Eingreifen Wang So als Charakter noch einsamer erscheinen lässt


Schauspielerisch setzt die Produktion auf sehr junge, teils komplett neue Gesichter. Beakhyun (Wang Eun, türkis), eigentlich Sänger der Band EXO gibt hier sein Schauspieldebüt und spielt okay. Er hat einen ziemlichen einfachen Charakter bekommen und macht seine Sache in Ordnung, im Verhältnis zum Schwierigkeitsniveau seiner Rolle war es im Grunde aber schlecht. Auch bei den Damen finden sich einige Sängerinnen, allen voran Hauptdarstellerin IU, die ihre Sache insgesamt sehr gut machen. IU wurde stark dafür kritisiert, dass sie eigentlich nur ihre Augen aufreist, aber ich empfand ihr Schauspiel als sehr stark, v.a. wenn man bedenkt, dass ein Lee Joon-Gi ihr gegenüber stand.
Die beiden anderen Neulinge Ji Soo (Wang Jung, dunkelblau) und Nam Joo-Hyuk (Baek-Ah, pink) überzeugen auf ganzer Linie und machen das beste aus ihrer Screentime. Kang Ha-Neul (Wang Wook, hellblau) ist am Anfang stark, doch leider verschwindet sein Charakter in den Hintergrund, und Hong Jong-Hyun (Wang Yo, orange) ist mir insgesamt als Bösewicht zu plakativ.


Fazit
Betrachtet man „Moon Lovers“ genau, dann ist die Handlung im Grunde tatsächlich gar nicht so gut. Ebenso verpuffen ein Großteil der Genre und Ideen von selbst, weil einfach Screentime fehlt oder sich die Handlung mit ihrer eigenen Fülle erschlägt. Hier hätten es ein paar Charaktere weniger sicher auch gut getan, ohne dass sich die Handlung groß verändert hätte.

Nichts desto trotz ist „Moon Lovers“ als Gesamterlebnis atemberaubend. Wang So als charismatischen Hauptcharakter zieht jeden in seinen Bann und seine Geschichte ist es auch, die einen am Ball hält und die einen immer wieder zur Serie zurückkommen lässt. Man kann ihn und seine Geschichte einfach nicht hinter sich lassen, weil man emotional so sehr mit ihm mitleidet. Und das muss eine Serie erst einmal schaffen.

Eine herausragende historische Geschichte, die zwar wenig mit dem klassischen Sageuk-Genre zu tun hat und deren Storylines man in zahlreichen anderen Serien in besserer Form finden würde, aber die einen auch für immer begleiten wird. Und wenn es die Geschichte nicht tut, dann auf jeden Fall die Musik, die man nie wieder aus dem Ohr bekommen wird.
Post was last edited on 26.02.2021 um 07:12.
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Saengdongseong Yeonae

Avatar: SabriSonne
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#13
Eine typische Serie, die überhaupt nicht meinen Stil entspricht. Nichts desto trotz habe ich mich mit Motivation auf sie gestürzt, da die Handlung schon im ersten Moment mehr verspricht als das typische RomCom – und man wird tatsächlich nicht enttäuscht!


Zur Handlung
„Romance full of Life“ ist ein Teil der Trilogie „Three Color Fantasy“. Da die Serien aber inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, kann man diese auch unabhängig voneinander anschauen, was einem relative kurze kleine RomCom-Geschichten (~3Std) beschert.
Die Länge ist dabei hervorragend gewählt, die sehr passend für die Thematik und deren Auslegung wirkt. Es gibt kaum Leerläufe und Dahingeplätscher, dennoch wird nie gehetzt, was einen tollen Spannungsbogen und insgesamt gleich bleibendes Interesse erzeugt.

Genretypisch entwickelt sich die Geschichte von einer klassischen Comedy zu Beginn zu einer waschechten Romanze Richtung Ende. Beide Genre sind dabei sympathisch und gewinnbringend umgesetzt. Die Comedy, die meist auf Slapstick beruht, ist tatsächlich lustig, die Romanze startet locker lustig und wird am Ende ernstzunehmend und realistisch.

Was dabei sehr schnell klar wird ist, dass nicht die Romanze als solche im Mittelpunkt steht, sondern Charakterentwicklung. Diese wird durch mehrere im Raum stehende Fragen sehr präsent und regt auch den Zuschauer immer wieder zum Nachdenken und damit Nachvollziehen an:
  • Was ist mein Charakter?
  • Wer will ich sein?
  • Wer bin ich tatsächlich?
  • Womit habe ich letzten Endes Erfolg?
Die Serie beantwortet diese Fragen alle im Verlauf ihrer 3-stündigen Laufzeit, sodass man Ende sehr zufrieden ist. Sie versucht sogar ein Fazit zu formulieren, sodass man sogar das Gefühl bekommt, die Serie hat das eigene Leben bereichert oder Gedanken in einem ausgelöst, denen man sich lange nicht gestellt hat. Und das erwartet man in einem solch kurzen Format eindeutig nicht!

Die Romanze selbst ist die typische Dreiecksbeziehung. In-Sung möchte eigentlich seine wahre Liebe So-Ra zurückgewinnen, bandelt aber schnell mit einer anderen an, was bei So-Ra zu Eifersucht führt. Da aber die Romanze nicht das primär tragende Element ist, stört diese typische Standard-Geschichte keineswegs, da sie eher „Mittel zum Zweck“ für die Charakterentwicklung ist. Die Comedy, die nach und nach in den Hintergrund tritt, macht die Handlung im Verlauf dramatischer und ernstzunehmender, was auch mit den Zweifeln der Figuren unterstrichen wird. Auch sie beginnen irgendwann, sich zentrale Fragen über ihre Charakterentwicklung zu stellen, was nicht nur erzähltechnisch sehr interessant ist, sondern auch sympathisch wirkt und lange im Gedächtnis bleibt. Die Figuren sind nachvollziehbar, was auch die Handlung mit seinen Fantasy-Kompenenten nachvollziehbar macht.


Zu den Charakteren
Wie gesagt sind diese der eigentliche Schlüssel zum Erfolg der Handlung, die sich ansonsten von der Grundidee im typischen Mittelfeld ansiedeln würde.

Gerade Hauptcharakter In-Sung stellt sich den kompletten Verlauf der Geschichte andauernd selbst in Frage. Ich würde mich sogar hinreißen lassen, ihn nicht mal als den „klassischen Held“ zu bezeichnen, sondern eher als Antihelden. Er weiß nicht, wer er sein möchte. Er weiß nicht, was er sein möchte. Er probiert – und das macht ihn interessant!
Wie der Zuschauer hat auch er keine Zeit, sich auf die neuen Eigenschaften einzustellen oder sie erforschen, sondern wird einfach mit dem Endergebnis konfrontiert. Im Sinne der klassischen Charakterentwicklung in 4 Schritten (Etablieren, Testen, Entscheiden, neu Etablieren) springt er somit von Schritt 1 auf Schritt 4 innerhalb von Minuten. Dies führt im Verlauf tatsächlich zur Überforderung, weil er in einen inneren Konflikt mit sich selbst gerät. Er wollte immer cool sein, nun ist er es, doch je länger er damit spielt, desto mehr merkt er, dass es nicht automatisch zu den Zielen führt, die er sich gesteckt hat.

Um dieser Überforderung mehr Raum zu geben, gibt es 4 wichtige Elemente, die In-Sung immer wieder vor Entscheidung stellen und ihm „helfen“ wollen, seinen wahren Charakter zu finden:
  • So-Ra, die sich zwar zum einen aufgrund seines neuen Images plötzlich zu ihm hingezogen führt, sich aber gleichzeitig auch abweisend ihm gegenüber verhält, weil sie sein neues Verhalten nicht einordnen kann. Sie unterstreicht die Thematik „Sei treu zu dir selbst und mache das Beste daraus“.
  • Der beste Kumpel Ji-Seob, für den In-Sung das neue Ideal wird und ihn seinen neuen, offensichtlich erstrebenswerten Charaktereigenschaften bestärkt. Damit bestärkt er die Thematik „Sei genau so wie die Welt dich sehen möchte, um den größten Erfolg zu haben".
    Interessant wird er v.a. am Ende als er sogar selbst bei dem Medikamententest teilnimmt, um die gleichen Eigenschaften zu erhalten
  • Schulfreund Kong Moo, der die Thematik vertritt „Ich bin so, wie du gerne sein würdest“.
  • Die Pille die alles rückgängig machen soll. Spätestens an diesem Punkt wird In-Sung als Figur auf die Probe gestellt. Es ist die typische Entscheidung im Verlauf der Charakterentwicklung (Schritt 3), die aber erst deutlich nach den anderen Schritten kommt und damit die Entscheidung selbst umso komplexer macht

Somit wird In-Sung eine grandiose Hauptfigur, bei der es sich nicht um den typischen RomCom-Prinzen handelt. Dadurch, dass die klassische Reihenfolge der Charakterentwicklung aufgebrochen ist, kommen einige Elemente stärker zu tragen oder bekommen einen anderen Kontext, was die Entscheidungen eindrucks- und wirkungsvoller macht. Man es kann sogar als eine Art verschachtelte Charakterentwicklung sehen, bei der eine unfreiwillige Charakterentwicklung erst die eigentliche Charakterentwicklung auslöst. Und alle Storyelemente und tragenden Figuren fungieren dabei als so stabiles Stützwerk, das In-Sung als Hauptcharakter einfach nur brillieren kann. Jede Rolle, selbst ein vermeindlicher Nebencharakter, unterstreicht die Thematik der "Charaktereigenschaften", sei es in Form des vermeindlichen Idealbilds, dem Wunsch nach Änderung oder dem Treubleiben zu sich selbst. Jede "Einstellung" wird dabei im Verlauf der Handlung getestet, sodass man realtisch entscheiden kann, welche "Einstellung" zu welchem Erfolg führt.

Yoon Shi-Yoon als Hauptdarsteller zu wählen war dabei sehr geschickt. Er selbst hat seinen Schwerpunkt auf Comedy, weshalb es für ihn ein Leichtes ist, Slapstick und Situationskomik in Mimik und Gestik wiederzugeben. Er neigt dabei zwar meist leicht zum Over-Acting, aber hier bekommt er die Balance sehr gut hin. Zum anderen hat er aber auch den Look einen coolen und beliebten Charakter zu spielen, sodass auch der charakterliche Übergang von In-Sung wirklich gut funktioniert.
Auch die anderen Darsteller passen gut zu ihren Rollen. Alle spielen ihre Rollen mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass die Figuren realistisch wirken und damit schnell sympathisch werden.


Fazit
„Romance full of Life“ ist eine etwas andere RomCom-Serie, bei der nicht die RomCom selbst, sondern eher die Botschaft das tragende Element wird.
In-Sung ist dabei ein Held, der von Selbstzweifeln geplagt wird, sich irgendwann selbst verliert und erst mit der Hilfe von anderen schafft, das zu werden, was er eigentlich sein will. Die Elemente greifen dabei hervorragend ineinander und machen „Romance full of Life“ zu einer etwas anderen Art des RomCom, die in dem allgemeinen Wust eine willkommene Abwechslung bietet.

Aufgrund der Länge und den typischen „Anime-Genres“ hervorragend für Anfänger geeignet!

PS: Bin ich eigentlich die Einzige, die In-Sungs Style als Loser niedlicher und hübscher fand als die coole Version?!^^
Post was last edited on 13.02.2021 um 05:42.
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Wei Wei Yi Xiao Hen Qing Cheng

Avatar: SabriSonne
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#14
Nach einer ganzen Reihe an Period-Dramas muss selbst ich als Fan ab und zu einen kleinen Ausflug in Richtung Contemporary machen, um einfach mal einen anderen und frischeren Erzählstil zu bekommen. Love O2O war da schnell die erste Wahl, weil ich die Serie schon lange mit mir mitziehe.
Im Endeffekt war die Serie zwar nicht meins, weil ich einfach kein RomCom-Typ bin, aber ich kann durchaus verstehen, warum die Serie so dermaßen gut ankommt!


zur Handlung
Die Handlung kann man schwerpunkttechnisch in zwei Abschnitte unterteilen: das Uni-Leben und danach das Arbeitsleben. In diesem Rahmen präsentiert sich die Geschichte als gekonnte Mischung aus Romanze und nüchternem Slice-of-Life, die weder besondere Höhen noch Tiefen hat.

Motiviert das überhaupt für 30 Folgen?! - Ja!

Zum ersten unterscheidet sich die Romanze ganz deutlich von allen anderen.
Wie der Titel schon sagt (Love Online to Offline) geht es um ein Pärchen, dass sich online vollkommen unverbindlich kennenlernt, um ein Spiel zu spielen und dann im Endeffekt auch Offline zum Pärchen wird. Was diese Geschichte von anderen Serien nun abhebt, ist die Tatsache, wie natürlich der Übergang von dem einen zum anderen verläuft. Keine schnulzigen Szenen, noch nicht mal eine offizielle Liebesbekundung: die beiden Hauptfiguren treffen sich einfach und betreiben einfach ihre "Online-Beziehung" offline weiter, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Und komischerweise funktioniert das auch noch!
Wo andere Serien folgenlang die Beziehung aufbauen, das Kennenlernen in die Länge ziehen, macht Love O2O einfach gar nichts dergleichen, dennoch nimmt man es für ganz selbstverständlich, dass diese beiden Figuren nun ein Paar sind. Damit kreiert die Serie eine erfrischend andere Art der Beziehung, die nicht nur außergewöhnlich ist, sondern auch perfekt zu den Charaktereigenschaften unserer beiden Genies passt. Und dies ist der Hauptgrund, weshalb die Romanze glaubwürdig erscheint, selbst ohne offenes "Ich liebe dich": sie verläuft/beginnt genauso, wie man es den beiden Hauptfiguren zutrauen würde.
Was ebenfalls sehr zu Authenzität beiträgt ist das fehlende Melodrama. Love O2O erzählt eine nüchterne Geschichte, ohne viel Drama, Geheule und Konflikte. Die Probleme ist alltagsnah, selbst der Höhepunkt der Serie ist so "billig", dass er in anderen Formaten gerade mal als "Zwischenproblem" abgehandelt wird. Dennoch langweilt die Serie kaum, was von gutem Pacing und passend gesetzten Spannungspunkten zeugt.

Dennoch überzeugt das Main-Couple auf ganzer Linie nicht unbedingt, und das Problem lag meiner Meinung nach an ihr. Sie ist zu steif, zu holzig, wirkt stellenweise sogar in ihrer eigenen Romanze fehl am Platz (gerade in den wichtigen Kussszenen), sodass man schnell das Gefühl bekommt, sie will diese Romanze eigentlich überhaupt nicht in dieser romantischen Form. Für mich ist das aber weniger ein Skript-Problem, sondern ein Schauspielerisches, aber dazu später mehr.
Da überrascht es dann umso mehr, dass man plötzlich eine ganz andere Romanze deutlich interessanter findet: mit großem Überraschungseffekt mischt sich nämlich der Ansatz einer Boys-Love-Geschichte mit in die Serie. Diese fand ich teilweise besser und interessanter zu beobachten als unser Lead-Couple, aber aufgrund der chinesischen Zensur fehlt leider Screentime, um sich vollends darauf einzulassen - Schade!

Zum anderen schafft es die Serie sehr gekonnt, das Problem des "Second-Lead" zu umgehen.
Wei Wei und Xiao Nai übernehmen zwar ganz selbstverständlich die Rolle des Main-Couple, aber es fehlt das typische "Second-Lead-Couple". Es gibt zwar aller Hand liebestolle Charaktere und auch mit Rivalen wird für die beiden Hauptfiguren nicht gespart, aber keiner kann sich im Endeffekt als "DER Second-Lead-Charakter" durchsetzen. Vielmehr schafft es die Serie seine extreme Fülle an Figuren gekonnt ausgewogen zu präsentieren, sodass man eher von episodischen "Second-Lead-Charakteren" sprechen muss. Was dabei natürlich nicht immer gut funktioniert ist die Screentime der einzelnen Figuren, aber im Endeffekt überzeugt dieser Ansatz durch angenehme Abwechslung im allgemeinen Wust an RomCom-Serien.


Dennoch gibt es auch viele Elemente, die mich im Gesamteindruck sehr gestört haben.

Zum Ersten stört mit die Tatsache, wie mit den Online-Spielen umgegangen wird, die ja einen wesentlichen Teil zur Handlung beitragen. Zwar funktioniert das Ganze hervorragend als teilweise auch anonyme Kommunikationsquelle, die manchmal Figuren zusammenbringt, bei denen man den Kontakt eindeutig nicht erwartet hätte oder deren Aufeinandertreffen interessante Grundlagen und Dynamiken hervorbringen, dennoch scheitert die Umsetzung.
  • Die Welt im Online-Game sieht furchtbar aus! Man kann sich ja noch einreden, dass das CGI so aussehen sollte, um den Eindruck eines Online-Games zu unterstreichen, aber es sieht trotzdem schlimm aus! Die Hintergründe sind eine Katastrophe, ebenso sieht es aus, als würden die "Charaktere" über den Boden fliegen, weil Schatten fehlen oder der Untergrund nicht reagiert. Dazu die Tatsache, den weiblichen Figuren dermaßen große Kontaktlinsen in die Augen zu hauen, damit man fast nichts mehr Weißes sieht...!
  • Man erfährt über das Online-Game so gut wie gar nichts! Welche Story gibt es? Was ist das Ziel? Wie funktioniert manche Ausrüstung? Noch nicht mal die "Charakter-Klassen" werden vorgestellt, was mich bei einem Online-RPG eigentlich schon interessiert. Es gibt zwar die typischen "Anfänger", um dem Zuschauer zumindest ein bisschen die Grundlagen zu vermitteln, aber man kann im Endeffekt dennoch sämtliche Motivation der Hauptcharaktere für das Spiel nicht nachvollziehen, weil der Bedeutungsgehalt nicht ersichtlich wird. Somit wird die Handlung innerhalb des Spiels extrem beliebig, was schnell zum Skippen animiert.
  • Gleiches Problem auch bei dem selbstprogrammierten Spiel, mit dem unsere Hauptfiguren-Clique den Spielemarkt erobern will: kaum In-Game-Shots, keine Informationen! Folgenlang arbeiten die Hauptfiguren an einem Spiel, mit dem man sich aber als Zuschauer nicht identifizieren kann, weil man optisch einfach nicht in die Entwicklung miteinbezogen wird.

Zum Zweiten stört mich außerdem das extreme Maß an Product-Placement. Es ist natürlich verständlich, dass Sponsoren gezeigt werden müssen, aber hier hat läuft das ganze teilweise so unnatürlich und fehlplaziert, dass es einem mehr negativ als positiv ins Auge springt.

Und zum Dritten stört mich folgende Kategorie:


Zu den Charakteren
Wer vor dieser Serie Hauptdarsteller Yang Yang (Xiao Nai) nicht kannte, der kennt ihn spätestens jetzt: als würde einem die Serie einem einen Zaunpfahl mit der Aufschrift "Yang Yang ist der attraktivste Mensch auf Erden" ins Geschicht schlagen! Beleuchtung, Skript, Szenenbild, Kameraführung - einfach alles! Und das ganze sogar so penetrant, dass der Charakter von Xiao Nai beinahe unsympatisch wird!

Mit Xiao Nai ist es sowieso so eine Sache, da er so ziemlich den "perfekten Boyfriend" verkörpert. Einfach alles an ihm ist perfekt: seine Optik, sein Verhalten, seine Wortwahl, sein IQ, alles! Damit das auch jeder mitbekommt, rennen ihm in der Uni nicht nur die Mädchen, nein, sogar die Jungs hinterher und filmen ihn heimlich mit dem Handy und besuchen sogar Vorlesungen nur, damit sie mit ihm im gleichen Raum sitzen können. Stellenweise grenzt das schon fast an Fremdschämen, sodass manche Szenen wirklich unangenehm anzuschauen sind.
Dennoch findet man Gefallen an der Figur, weil er in vielerlei Hinsicht den Wünschen und Ansprüchen an den eigenen Freund der weiblichen Zuschauer entspricht. Aber da er allen Wünschen entspricht, macht ihn das auch zu einem Charakter, der im wahrsten Sinne des Wortes "zu schön ist, um wahr zu sein".

Mit Xiao Nai kommt jedoch auch der größte Pluspunkt der Serie mit: seine Clique aus dem Studentenwohnheim.
Das Chaos-Trio ist herausragend - die Chemie stimmt perfekt! Die Darsteller passen super zusammen, ergänzen sich ganz toll und vermitteln eine große Menge an Spaß. Man schaut den Jungs einfach wahnsinnig gerne zu, so blöd ihre Aktionen und Unterhaltungen auch manchmal sein mögen. Und dies liegt meiner Meinung nach zum Hauptteil am Cast: die 3 Darsteller spielen ihre Figuren so authentisch, dass man meinen könnte, sie hätten einfach in einer Drehpause eine Kamera vergessen auszuschalten. Hier haben sich wirklich 3 Menschen gefunden.
Und selbst Xiao Nai, der charakterlich und optisch so gar nicht dazu passen scheint, ergänzt das Trio gerade durch seine Andersartigkeit perfekt. Wo im ersten Moment jeder den Kopf darüber schütteln würde, warum "Mister-Perfect" Xiao Nai überhaupt die Chaoten hinter sich herschleift, entdeckt man im zweiten Moment, dass sich hier 4 Charaktere gesucht und gefunden haben. Das Trio verhält sich ihm gegenüber genauso wie sie sich untereinander verhalten, ungeachtet seines stoischen Charakters. Und auch Xiao Nai fühlt sich entgegen aller Erwartungshaltung nicht von der aufdringlichen Art des Trios genervt, sondern genießt diesen lockeren Umgang sogar noch. Somit entsteht eine Charakterdynamik, die sicherlich einen Großteil der Serie trägt und wahnsinnig zur Sympathie beiträgt.

Die Mädchenclique rund um Wei Wei fällt da leider etwas ab, schon allein aufgrund der Tatsache, dass es hier um einiges quietschiger zugeht. Nichts desto trotz passen auch diese 4 Mädchen gut zusammen und unterhalten gut.
Dennoch bringt diese Clique zwei Charaktere mit sich, die der Serie teilweise nicht wirklich gut getan haben. Zum einen ist da Freundin Er Xi, die für mich auf unsympatische Weise in das "übertrieben niedlich"-Schema gepackt wurde, dass es mich wirklich genervt hat. Kombiniert mit der Tatsache, dass ich ständig das Gefühl hatte, die Darstellerin wird auf Teufel komm raus extrem jung poträtiert, obwohl sie es eigentlich nicht mehr ist, macht die Sache nicht besser.
Und was die Sache noch schlechter macht, ist tatsächlich die Hauptfigur Wei Wei. Zu steif, zu holzig, stellenweise unsympatisch und egoistisch. Manchmal rettet sie sich zwar durch ihr überraschend schonungsloses Ärgern ihrer Mitmenschen, was dann sogar lustig wird, aber im Endeffekt wirkt sie zu oft fehl am Platz, v.a. in den Kussszenen, was sämtlich Romantik zu Nichte macht (gerade mit der Hinsicht, dass Yang Yang als "The Kisser" bekannt ist und sich die Seele aus dem Leib knutscht). Was ebenfalls wenig zur Sympathie beträgt ist die Tatsache, dass sie als einzige synchronisiert wird. Alle anderen sprechen live, nur sie hat eine Synchronsprecherin. Und das hört man leider extremst, da in einer Turnhallenszene eine eingesprochene Serie einfach einen anderen Hall hat als eine live gesprochene. Dazu die Tatsache, dass Schauspielerin Zheng Shuang einfach viel zu dünn war, was optisch schon an Magersucht grenzt und v.a. in den Szenen im Online-Spiel mit Kostüm einfach nur noch grotesk aussieht.
Für mich tatsächlich blanker Fall von Fehlcasting - da kam wieder Optik vor Leistung! Das einzig Positive, was man dem Ganzen noch abringen kann, ist, dass selbst der im Grunde schauspielerisch nicht so überragende Yang Yang neben Zheng Shuang im Vergleich geradezu brilliert. Und auch ihr Charakter ist wieder so perfekt, dass es "zu schön ist, um wahr zu sein".

Überhaupt sind sehr viele Charakter "zu schön, um wahr zu sein". Von unseren Hauptcharakteren scheinen alle hochbegabt zu sein, sind in der Truppe sowohl Student #1, Studentin #1, Department-Studentin #1, Uni-Schönheit #1, Programmierer #1 und Sprachenstudent #1. Welche Realität soll diese Serie wiedergeben?
Später kommt noch Hacker #1 dazu, der zeitgleich auch noch ein begnadeter Koch ist, sodass man meint, die Menschheit dieser Serie besteht nur aus Ausnahmetalenten. Das macht das ganze Setting irgendwie sehr unrealistisch.


Fazit
Um den Anfang wieder aufzugreifen: meine Serie war es nicht, und das nicht nur Genretechnisch. Für mich machen die Handlung und das Setting einfach zu viele Fehler, um tatsächlich authentisch und nachvollziehbar zu sein. Stattdessen nimmt sich die Serie selbst die Chance, den Zuschauer abzuholen, weil einfach wichtige Informationen, gerade aus der Welt der MMORPG fehlen, um für den Zuschauer interessant zu werden.

Dennoch unterhält die Serie für die 30 Folgen Laufzeit gut und punktet mit einem etwas anderen Ansatz in der Romanze, die es so selten zu sehen gibt, und einer insgesamt sehr gut ausbalancierten Charakterdynamik, bei der das Zuschauen Spaß macht. Große Charakterentwicklung braucht man zwar nicht erwarten, aber sind wir mal ehrlich: ab und zu brauchen wir eine Serie, die einfach "zu schön ist, um wahr zu sein".

Damit wird Love O2O zu einer hervorragend geeigneten Anfänger-Serie für chinesische Dramen.
Post was last edited on 24.01.2021 um 14:27.
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Avatar: Asane
Editor
#15
Bei vielen Filmen gibt es zwei Möglichkeiten: man liebt sie oder man hasst sie. Hier gibt es möglicherweise noch eine dritte: man liebt und hasst ihn abwechselnd. Das ist nicht völlig ausgeschlossen! Leute, die schon erfolgreich die Herausforderung von The First Contact hinter sich gebracht und dennoch sich einen klaren Verstand bewahrt haben, sind hier strategisch im Vorteil.

Wer sich dieses Werk antun will, braucht zu allererst einen langen Atem. Außerdem eine große Aufnahmebereitschaft für höheren Blödsinn und tieferen Irrsinn gleichermaßen. Dazuhin die Fähigkeit, hier die Intention, die Symbolik, das große Ganze zu erkennen. Das ist nicht jedem gegeben. Auch mir nicht. Trotz dem jetzt der Versuch einer Annäherung:

Der Film besteht aus zwei unabhängig voneinander erzählten Strängen. Zu Anfang die Geschichte eines Wrestlers in Mexiko. Im Nirgendwo einer Halbwüste wohnt ein Familienvater, der mit übergezogener Gesichtsmaske am Frühstückstisch sitzt. Eine Nonne, die in ihrem heruntergekommen Pickup in den Hof fährt, dabei raucht und flucht wie der letzte Henker, holt Daddy ab, um ihn ins nächste Städtchen zu bringen, wo der Kampf stattfindet.

Allein schon die allererste Einstellung zeigt, was der Zuschauer mitbringen muss: einen langen Atem und eine Engelsgeduld. Vom cineastischen Standpunkt aus sind diese Szenen ungemein gut getroffen, atmosphärisch dicht, obwohl kaum gesprochen wird oder überhaupt etwas Wesentliches passiert. Die Kamera guckt sich das kommentarlos an und zeigt, was ist. Das ist alles. Eine Mischung aus Koreeda und Spiel mir das Lied vom Tod.

Ein Haufen weißer Federn wird aufgewirbelt, als das Auto an einer Stelle vorbeifährt, wo wohl ein Huhn sein Leben gelassen hat. Oder ein Engel, wer weiß. Dieser Federnflug bildet den Übergang zum zweiten Strang, die letzte Feder schwebt herab in einen kahlen, reinweißen Raum, an dessen Rand ein Mann erwacht. Ein Mann in einem Pyjama. Einer Zumutung von Pyjama, knallgelb mit großen Punkten. Bei der Inspektion der Wände entdeckt er einen Schalter. Einen Schalter, der aussieht wie ein kleiner Penis. Aus der Nähe betrachtet sieht er nicht nur so aus, es ist ein kleiner Penis! Und als er den drückt, schweben Heerscharen von geflügelten Putti aus den Wänden, die sich recht bald wieder zurückziehen – auf eine Art, daß am Ende nur noch ihr kleiner Pipimatz aus der Wand lugt. Neugierig wie er ist, fummelt der Mann daran herum, und es zeigt sich, daß ein Druck darauf recht verschiedene Aktionen auslöst, begleitet von einem emotionslos zart gehauchten Ah. Meist fällt dann irgendetwas von irgendwoher in den Raum, manchmal springt aber auch ein NegerKrieger eines Bantu-Stammes aus der Wand und verschwindet gegenüber.

Sinniger Titel dieses Abschnitts: 修行 (Schulung)

Was nun folgt, ist eine ausgedehnte Trial-and-Error-Phase; und sollte diese ganze Veranstaltung eine Art Intelligenztest sein, dann ist unser Proband auf ganzer Linie durchgefallen, so ziel- und planlos wie er agiert. Jedes zehnjährige, Memory-geschulte Kind hätte es binnen 5 Minuten geschafft, durch diese Tür zu kommen, die sich auf einen bestimmten Druck hin auftut, nur dieser schlecht rasierte Kerl bekommt es nicht auf die Reihe und scheitert mehr an sich selbst als an der Aufgabenstellung.
Das immerhin gibt Raum für Comedy, denn Hitoshi Matsumoto, der hier nicht nur für die Regie zuständig ist, sondern auch den namenlosen Testkandidaten gibt, ist als boke eines Manzai-Duos zu Berühmtheit gelangt. Und dies spielt er auch hier aus, leider immer wieder etwas zu übertrieben in seinem Geschreie und Gestöhne, aber dafür eben auch bei brillanter Kameraführung und gut getimten Schnitten.

Diese beiden Parts also wechseln sich immer wieder ab, hier wie dort ein Fest gepflegten Irrsinns und der kalkulierten Ereignislosigkeit.

実践 (Praxis)

Kurz vor Ende finden diese beiden Stränge zusammen, auf eine Weise, die verstandesmäßig wie sprachlich nur schwer zu fassen ist. Wieder fallen symbolgetränkt Federn vom Himmel, und wie und wohin unser Held entschwebt, ist real nicht zu schildern – alles ist so dermaßen weltumfassend und hochsymbolisch aufgeladen, daß diesen Schluss am ehesten ein Publikum in den Griff bekommt, das einigermaßen sattelfest ist in fernöstlicher Philosophie und religiöser Lebensanschauung.

未来 (Zukunft)

Was hier passiert, ist spoilerfrei kaum zu greifen.
Jedenfalls findet sich der Pyjamamann nach Monaten des Trainings (seinem Haar- und Bartwuchs nach zu schließen) in einem ähnlichen Raum wieder. Hier zeigt sich, daß ein Drücken dieser Penisse auch Auswirkungen in der Welt da draußen zur Folge hat. Augenscheinlich sehr seltsame und unterschiedliche Auswirkungen, was auch eine unglaubliche Wendung im Wrestling-Ring herbeiführt, die man nur als typisch japanisch bezeichnen kann.

Was ist nun die Moral von der Geschicht?
Möglicherweise: Drück den Penis und du hast die Macht! (frei nach Sailor Moon)

Mag das Ende auch strukturell etwas an Kubricks 2001 oder auch an Madoka erinnern: mit dieser Parallelität ist wahrscheinlich auch keinem gedient. Man muss es einfach gesehen haben.

Bis dahin bleibt als Fazit nur: weird shit.
Post was last edited on 30.01.2021 um 19:39.
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